Arbeitskultureller Wandel in der Pflege durch Digitalisierung? [chapter]

Christel Kumbruck
2020 Mensch - Technik - Umwelt: Verantwortung für eine sozialverträgliche Zukunft  
Einleitung Der Titel greift bewusst den Titel eines Aufsatzes von mir auf, 1 der arbeitspsychologische Wirkungen aus einem auf Seiten der Projektgruppe verfassungsverträgliche Technikgestaltung (provet) von Alexander Roßnagel geleiteten Forschungs-und Gestaltungsprojekt "Mobile Informations-und Kommunikationswerkzeuge sowie Management mehrseitiger Sicherheit und Erreichbarkeit im Gesundheitswesen" 2 analysiert. Einige Jahre habe ich zur Pflegearbeit empirisch geforscht, ein Bereich, der bis vor
more » ... ereich, der bis vor kurzem noch nicht von Digitalisierung geprägt war. Dabei zeigten sich einige Merkmale, die aus Sicht des Pflegepersonals das Besondere der Pflegearbeit -egal ob im Krankenhaus, in stationärer Langzeitaltenpflege oder in ambulanter Pflege -ausmachten und ihr Verständnis von guter Pflegearbeit und somit ihr Ethos fürsorglicher Praxis bestimmten. 3 Inzwischen hat die Bundesregierung die E-Health-Strategie mit der Vernetzung aller Gesundheitsdaten der Patienten in Deutschland beschlossen: Die elektronische Patientenakte (ePA) soll ab 2021 der zentrale Speicherort aller für die Versorgung notwendigen Patientendaten werden: Diagnosen, Therapien, Behandlungsberichte und Impfungen. Und auf diese Daten sollen die Akteure des Gesundheitswesens mittels entsprechender Telematik-Infrastruktur zugreifen können. Im Hinblick auf Digitalisierung erscheint es bedeutsam, im Folgenden sowohl auf die Besonderheiten der Pflegearbeit als auch der Patientendaten einen Blick zu werfen. Der Aufsatz besteht aus drei Kapiteln: Kap. I. widmet sich der Pflegearbeit ohne Digitalisierung. Zunächst soll die Pflegarbeit anhand von eigenen empirischen Ergebnissen aus der Zeit vor dem Einsatz von Digitalisierung beschrieben werden, dabei zunächst (I.1.) ihre besonderen Charakte-1 Kumbruck, Arbeitskultureller Wandel, in: Roßnagel/Haux/Herzog (Hrsg.), Mobile und sichere Kommunikation im Gesundheitswesen, Braunschweig 1999, 205. 2 Roßnagel/Haux/Herzog (Hrsg.), Mobile und sichere Kommunikation im Gesundheitswesen, Braunschweig 1999. 3 Kumbruck/Rumpf/Senghaas-Knobloch (mit einem Beitrag von Gerhard), Unsichtbare Pflegearbeit. Fürsorgliche Praxis auf der Suche nach Anerkennung, Münster 2010.
doi:10.5771/9783748910770-227 fatcat:pnrvgt2yijfljly73vyzvahetq