Zum Text der Psalmen

D. Karl Budde
1915 Zeitschrift für die Alttestamentliche Wissenschaft  
Es ist nicht das erste Mal, daß ich zum Text der Psalmen das Wort nehme. In der Theologischen Literaturzeitung vom 24. 10. 1896 (Sp. 563 f.) habe ich bei Gelegenheit der Anzeige von WELLHAUSENS Psalmentext eine Anzahl von Vorschlägen zur Herstellung des Textes gemacht; sie werden von WELLHAUSEN in seinen "Bemerkungen zu den Psalmen" (Skizzen und Vorarbeiten VI 1899) hie und da angezogen. In der Expository Times, Dezember 1896 erschien mein Aufsatz "Psalm Cl·' ( ), ebendort Dezember 1900 und
more » ... zember 1900 und März 1901 "Psalm Problems" I und II, in denen die Schwierigkeiten von PS 12 und 19 und die Vorlage von PS 14 und 53 besprochen werden. Die beabsichtigte Fortsetzung mußte anderen Aufgaben den Platz räumen. Heute komme ich einer Pflicht nach, indem ich in größerem Umfang, wenn auch in möglichster Kürze, meine Ergebnisse zum Psalmentext den Fachgenossen vorlege. In C. F. Amelangs Verlag habe ich ein Bändchen erscheinen lassen "Die schönsten Psalmen, übertragen und erläutert".. Natürlich ist dort ein verbesserter Text zugrunde gelegt; aber weil der Verleger keinerlei gelehrtes Beiwerk wünschte, mußte ich auf die Mitteilung der vollzogenen Änderungen verzichten. Da bat ich den Herausgeber dieser Zeitschrift mir den Raum dafür zu gewähren, und nach seiner freundlichen Zusage habe ich den Leser im Vorwort darauf vertröstet Dem Anlaß entsprechend beschränke ich mich auf die dort gebotenen und erläuterten Psalmen; sie machen ziffermäßig ein Drittel des Psalmbuchs aus (Ps 53 eingerechnet genau 51), dem Umfang nach weit weniger, da ich zunächst des knappen Raumes, zum Teil aber auch der Wirkung wegen kürzere" Lieder bevorzugt habe. Im einzelnen ist die Auswahl durch sehr verschiedene Gründe bestimmt; ich will nicht leugnen, daß hie und da auch das Bewußtsein, wirklich Förderliches neu bieten zu können, zur Entscheidung beigetragen hat. Da ich dem Leser einen voll verständlichen und darum voll-Brought to you by | Simon Fraser University Authenticated Download Date | 5/31/15 8:45 PM Budde, Zum Text der Psalmen, st ndigen Wortlaut geben mu te, sind nicht selten auch kleinere Abs tze, bis zur Zeile und zum Vers, ganz frei ohne positiven Anhalt f r die Textkritik im eigentlichsten Sinne aufs Geratewohl erg nzt. Das bedeutet dann nat rlich nur die berzeugung von einer L cke, in der etwa dies mu te gestanden haben. 1 PS i. Dieses Motto f r das fertige Psalmbuch, ganz aus der schriftgelehrten Betrachtung geflossen, trotzt allen metrischen Bem hungen; ein warnendes Denkmal metrischer Not und Kunst hat ihm einst wider Willen GUSTAV BlCKJELL errichtet Man wird also gut tun, f r Textverbesserung auf metrische R cksichten ganz zu verzichten. Auch sonst findet sich wenig Anla , an dem berlieferten Wortlaut zu r tteln. Will man v. 2 stilistisch verbessern, so empfiehlt sich statt aller vo'rgeschlagenen nderungen am ersten fil) statt 1JYWD1 zu lesen. In v. 4 mag das zweite ]? *6 der LXX hinter D^tm ernstlich in Betracht kommen, weil sein Fortfall leicht erkl rlich w re-Aber umgekehrt w re auch, wenn LXX zuerst Ot άοεβεΐς ούχ* ούτως gehabt h tte, sehr leicht verst ndlich, da dem sp ter noch ein ούχ' ούτως nach MT vorausgeschickt w re. Das από προσώπου της γης am Ende des Verses halte ich f r eschatologischen Zusatz, vielleicht entstanden durch Ausbau einer Verdoppelung von p'ty. Jedenfalls ist es unbrauchbar, auch in der unerlaubten nderung in γ 1ΝΠ ^ξΓ^. PS 2. Hier d rfte die sp rliche berlieferung eines ψαλμός τω Δαυίδ in R a , Aldina, Complutensis das Urspr ngliche erhalten haben. Daf r darf auch das διάψαλμα der LXX hinter v. 2 nicht unbeachtet bleiben; denn nte steht bei keinem berschriftlosen Psalm. Das TVn TI I8 d rfte dann der Schrulle zum Opfer gefallen sein, aus PS i und 2 ein einziges St ck zu machen, das mit ni^N beginnt und schlie t. Vgl. JACOB ZATW 1896 S. 163 f. -Die Vorschl ge ΪΟΠ; statt «iC in v. i und &3£φ. statt ttS»! in v. 2 mag man nach PS 83 3 4 in Erw gung ziehen; sachlich liegt kein Grund vor zu ndern. -jnn ohne *)K ist so au erordentlich selten, da mir ΰ!ΓΐΠ5ϊ in v. 5 verd chtig erscheint. Nimmt man die K rze der Zeile hinzu -ROTHSTElNs Versuch alle zweiten Zeilen mit nur zwei Hebungen zu lesen, ist recht ungl cklich -so d rfte es sich empfehlen, ISg i Bei nderungen, die ich mit Bewu tsein Anderen verdanke, erw hne ich dies und nenne meistens den ersten Urheber, der mir bekannt ist. Nur, wo die nderung auf Grund der Vss. vollzogen ist, lasse ich es oft bei deren Anfuhrung bewenden. Wo beides fehlt, bin ich mir bewu t die Verbesserung zuerst vollzogen zu haben, worin ich nat rlich gelegentlich irren mag. Brought to you by | Simon Fraser University Authenticated Download Date | 5/31/15 8:45 PM
doi:10.1515/zatw.1915.35.1.175 fatcat:ojllg7j6ivdo7hhh2op44pq4be