Allgemein interessante Mittheilungen

1858 Archiv der Pharmazie  
378 Vweinszeitang. Allgemein interessante Mittheilnngen. Kaukasisches Insektenpuher. Als eines der wirksamsten Mittel gegen schadliche Insekten ist bekanntlich seit einigen Jahren das kaukasische Insektenpulver auch in Deutscliland eingefiihrt, und es hat um so mehr Eingang gefunden , als ea durch seinen eigenthiimlicben Geruch Insekten herbeilockt, sogleich betiubt und tiidtet und dabei doch fiir Menschen und griissere Thiere gans unschldlich ist. Obgleich nun dieses so wirksame Pulver schon
more » ... same Pulver schon eine lange Reihe von Jahren bei den Russen in Gebrauch war, und Russland allein mehr als 40,oOO Kilogrm. bezog, so blieb die Bereitung desselbeu doch lange &it in den vom Kaukasus weit entfernten Gegenden ein Geheimniss, bis endlich der armenische Kaufmann J u m t i k o f f auf einer Reise durch Sudasien dieselbe kennen lernte. Er theilte seine Entdeckung seinem Sohne mit, dieser bereitete bald das Insektenpulver solbst, und im Jabre 1828 verkaufte er schon das Pud (etwa 20 Kilogrm. oder 40 Pfund) von diesem Pulver zu 25 Rube1 (nahe an 100 Francs); jetzt beschlftigen sich mehr als 20 Dorfer im District Alexandropel mit d e n Anbau der Pflanzen aus denen das Insektenpulver gewonnen wird. Diese Pflanzen sind zwei einander sehr iihnliche Bertramarten, namlich der fleischrothe und rosenrothe, Pyrethrum carnieurn und roaeum, die auch wohl pereische Kainille, Flohtodter oder Flohgras genannt werden, und am Phnlichsten der weissstrahligen Wucherblume (grosse r6rnische Kamille, Chrysanthemum Leucanthenurn) sind, die man iibrigens in Dalmatien und Rosnien auf gleiche Weise benutzt. Der fleischrothe Bertram hat gefiederte kahle Bliitter, die Fiedern herablaufend, lanzettlich eingeschnitten, die Lappen spitzig zusammenneigend, fast gezihnt, der Stengcl aufrecht, mehrbliithig, der allgemeine Kelch kahl, die Schuppen am Rande brandig trockenhautig, die Ratidbluthen dunkel rosenfast carminroth. Der rosenrothe Hertram hat dagegcn doppeltgefiederte Blktter, mit kurzen abstehenden Lappen, einen ziemlich kahlen sllgemeinen Kelch, dessen Schuppen am Rande und an der Spitae trockenhautig, schwarz, fast gewimpert sind; die Randbluthen sind schon hell -rosemoth, der Stengel ist nackt, gefurcht, unter dem Scheibenkopfe etwas verdickt und wenig eottig. Diese Pflanaen bilden einen kleinen Strauah mit ausdauernden Wurzeln und etwa 12 bis 15 Zoll hohen Zweigen und mit 1112 Zoll im Durchmesser besitzenden Scheibenkopfchen Sie gedeihen noch bei 200 C. Kalte, einer Temperatur, welcher sie oft anf den kaukasischen Hergen und Plateaux in einer Hohe von 4500 bis 6800 Fuss iiber der Meeresflache susgesetzt sind. Obgleich sie nur selten auf Feldern gefunden werden, sind sie doch leicht der Gartencultur zu untermerfen, und seitdem man erfahrcn, wie viel sie aushalten kannen, hat man sie im siidlichen Russland und als Zierpflanzen in Holland, Frankreich und Deutschland angehaut. Die IHuthezeit ftillt in den Monat Junins. Zur Ernte henutzt man trocknc Tage, und in einem Tagc kann ein guter Schnitter 30 bis 80 Pfund der wildwachwnden Pflanze einsammeln. Die Bluthenkopfe werden gewohnlich an der Sonne getrocknet, doch hat man gefunden, dass sie viel kriiftiger wirlren, wenn sic im Schatten getrocknet werden. Zur Hefdrderung des Sustrocknens werden sie von Zeit zu Zeit umgewcndet; sie verlieren etwa 90 Procent, und die vollkonmen getrockncten 13lumen werdcn niit der Hand zu grobem
doi:10.1002/ardp.18581440348 fatcat:3qz4mjrny5d3ldb3f6a4mpwsha