Ueber Wandlungen in der Lehre von den Magenausspülungen1)

I. Boas
1913 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Ueber Wandlungen in der Lehre von den Magenausspülungen.') Von I. Boas in Berlin. M. H. ! Wenn Sie den Zeitraum seit der epochernacheriden Einführung der Magenausspülungen durch K u s s ni a u I überblicken und die gelauterten Erfahrungen, die wir inzwischen auf dem Gebiete der Magenkrankheiten gemacht haben, damit vergleichen, so werden Sie sich des Eindruckes nicht erwehren können, daß diese Lehre seit jenerZeit mannigfaltige Wandlungen durchgemacht hat. Zwar ist auch heute noch die Bewertung
more » ... noch die Bewertung der Magenausspülungen keines wegs unbestrittenes Gebiet in der inneren Medizin. Aber, wenn ich mich nicht täusche, ist die ganze Frage allmählich, und zwar aus sich selbst heraus, aus dem Experirnentierstadium in ein Stadium wohlabgewogcner und im wesentlichen rationeller Indikationen übergetreten. Wenn ich im Folgenden einen kurzen Ueberblick über die Ausgestaltung der Lehre von den Magenausspülungen gebe, so bin ich mir bewußt, manchem von Ihnen nichts Neues zu sagen. Nichtsdestoweniger scheint es mir von Interesse zu sein zu zeigen, in welchem Grade eine vertieftere Erkenntnis zugleich eines unserer wirksamsten therapeutischen Hilfsmittel beeinflußt und in richtige Bahnen gelenkt hat. Flu Kussmaul selbst -das muß hier schon im Eingang hervorgehoben werden -. war, wenigstens in der Zeit seiner grundlegenden Publikation vom Jahre 1869, die Indikationsbreite der Magenaus-Spülungen keineswegs sehr ausgedehnt. Sie beschränkte sich im wesentlichen auf die Behandlung der Magenerweiterung der verschiedenen Abarten. Schon hei der Ansammlung von Inhaltsresten beim Karzinoni konnte sieh Kuss maul der Erfahrung nicht verschließen, daß hierbei die neue Methode in ihrem Effekt hinter dem bei gutartigen Prozessen am Pylorus wesentlich zurckb1ieh. Zu diesen beiden Indikationen kamen später noch hinzu die Magenausspülungen bei hochsitzendem lieus und schließlich auch die Entleerung blutender Massen durch die Magenpumpe bei Häinorrhagien, hauptsächlich also bei Ulcus ventriculi.
doi:10.1055/s-0028-1128844 fatcat:k5qmg2qb2jg5pdlsd5l6yidtz4