Individuum und Gruppe. Zu einem Bildkonzept nord- und ostfranzösischer Stadtsiegel des 12. und 13. Jahrhunderts

Markus Späth
2018
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more » ... wecken erfolgen. Eine darüber hinausgehende unerlaubte Verwendung, Reproduktion oder Weitergabe einzelner Inhalte oder Bilder können sowohl zivil-als auch strafrechtlich verfolgt werden. Markus Späth INDIVIDUUM UND GRUPPE Zu einem Bildkonzept nord-und ostfranzösischer Stadtsiegel des 12. und 13. Jahrhunderts * In der Zeit zwischen 1180 und 1250 legten sich fast überall im lateinischen Europa Städte ein Siegel zur Beglaubigung von Urkunden zu, also ein Rechtszeichen, dessen Gebrauch bis dahin ausschließlich Individuen vorbehalten gewesen war 1 . Vom Frühmittelalter an waren die Siegel vor allem ein ikonisch gestaltetes und häufig durch Inschriften ergänztes Medium, mit dem ein Urkundenaussteller die Glaubwürdigkeit seiner verschriftlichten Rechtssetzung gegenüber dem Empfänger zu vermitteln versuchte. Um dieser Funktion gerecht zu werden, musste das Siegel für die Beglaubigung jeder neuen Urkunde in identischer Form reproduzierbar sein. Mit Hilfe eines Typars, also eines Stempels, wurden die Siegel in weichen Trägermaterialen, zumeist in Wachs, geprägt 2 . Als sich während der Blütezeit des europäischen Siegelwesens vom 11. bis 13. Jahrhundert die Siegelführung sozialer Gruppen wie den Kommunen durchsetzte, wurde das Siegel als Rechtszeichen und Bildträger zu einem noch in der heutigen Überlieferungssituation deutlich erkennbaren Massenphänomen 3 . Mit der Aneignung von Siegeln durch Korporationen waren jedoch die tradierten Gestaltungskonventionen der Personensiegel obsolet geworden: Ein indivi-* Dieser Beitrag fasst erste Ergebnisse des von der Volkswagen-Stiftung durch ein Dilthey-Fellowship geförderten, interdisziplinären Habilitationsprojekts »Identitätsstiftung und Repräsentation. Korporative Siegelbilder im Spätmittelalter« zusammen. 1 Brigitte M.
doi:10.11588/fr.2009.0.44903 fatcat:2psyxu5ryrb3deue4fe227iieu