Periodische Litteratur

1895 Dermatology  
ArcMv für Dermatologie und Syphilis. XXIX. Band, 1. Heft, aus-gegeben Anfangs Oktober 1894. Von den Originalabhandlungen dieses Heftes sei zunächst aus dem Gebiete der Dermatologie die Arbeit von F e r d. Zinsser, Ueber Iienandlung des Γavus mit Wärme erwähnt. Da wir aus Culturversuchen wissen, dass der Favuspilz gegen höhere Temperaturen sehr empfindlich ist, so machte sich der Verf. in der dermatologischen Klinik des Prof. Lesser in Bern an die Aufgabe, durch An-wendung von Wärme den Favus am
more » ... Wärme den Favus am Menschen zu beeinfîussen und wenn mög-lich zu heilen. Es standen ihm hierzu 4 Fälle zur Verfügung. Nachdem der Kopf gründlieh mit Seife gereinigt und glatt rasiert, sodann mit Carbol-oder Sublimat-Compressen bedeckt war, schienen sich am besten die Leiter'schen Spiralen zu bewähren. Man hat den Vorzug, dass sie für jeden einzelnen Fall dem Kopfe angepasst werden könπen, und der ganze Kopf in innige Berührung mit den Wärmeschlingen kommt. Durch die Schlinge wurde warmes Yvτasser ge-leitet, welches dauernd auf 52° bis 55° C. gebalten wurde. Unbequemer waren Leinsamenkataplasmen und heisse Compressen, welche alle 5 bis 10 Minuten-ge-wechselt wurden. In 3 Fallen war der Erfυlg der Behandlung ein günstiger. Ob hierzu allerdings nicht die lange vorangegangeno anderweitige Behandlung mit beigetragen hat, lässt Verf. selbst zweifelhaft, jedenfalls waren aber in alien Fallen noch reichlich Pilze vor dem Beginn der Wärmebehandlnng vorhanden, und die Beobachtungsdauer nach kSchluss der Behandlung war noch lange genug, um sagen zu können, dass die Heilung hier eine definitive war. In dem vierton Falle, welcher allerdings besonders schwer war, muss das Resultat als ein voll-kommen schlechtes bczeichnet werden. Verf. glaubt, dass dieser Fall besonders ungünstíg war sowohl wegen der Ausbreitung über den ganzen Körper als auch besonders weil dieser Pat. ganz auffallend dicke, borstige und tief in der Haut sitzende Haare hatte. Darnach sind die Akten über den Ẅert dieser Behandlungs-methode noch nicht abgesehlossen. Betont muss aber jedenfalls werden, dass diese Therapie eine recht unbequeme ist. Das giebt auch Verf. zu, doch meint er, dass die Kranken sich bald an hohe Temperaturen gewöhnen. Trotzdem dürfte sich die Methode nur für das Krankenhaus empfehlen, während sie in der Am-bulanz wohl kaum Verwendung finden dürfte. Uebrigens erwähnt Verf. einen ziemlich intensiven Favus des Kopfes, welcher mit einer regelrechten Schmiercur von 60 Einreibungen mit Ung. ciner. auf den rasierten Kopf vollkommen geheilt wurde und auch geheilt blieb. J. S c h ü t z berichtet über einen Fall von sogenanntem wahren Keloid combiniert mit Narbenkeloid. Da echte Keloide sehr selten sind, so bietet die von dem Verf. in sorgsamster Weise mit alien neueren technischen Methoden ausgeführte histologische Untersuchung einer solchen Geschwulst ein hohes wissen-schaftliches Interesse. Makroskopisch fiel schon am Spirituspräparat direct in die Augen, dass die eigentliche Keloidmasse, welche sich durch einen hellweissen sohnigen Farbenton abhob, itn Corium sich befand und vollständig circumscript begrenzt war, und dass der normale Papillarkörper, durch einen ⅜treifen gesunden Gewebes von der Geschwulst getrennt, oberhalb letzterer unversehrt lag. Beim Einschneiden mit dem Messer erwies sich die Geschwulst von einer ganz enormen Härte. Bei schwacher Vergrösserung sah man, dass die Keloidmasse im Corium -103eingebettet lag-, sich ziemlicli scharf gegen das Gesunde durch Häufung der Zellen und Fasern und infolgedessen auch durch tiefere Colorirung abhob und endlich ausser einer relativ breiten gesunden Bindegewebszone einen in der Länge des ganzen Querschnittes normalen Papillarkörper rait Λvohlentwickelten Papillen über sich trug. Die Zone zwischen Papillarkörper und eigentlichem Keloid war sogar in relativ breiter Ausdehimng vollstiindig normal. Im Keloid selbst be-stand die bindegewebige Grundsubstanz lediglich aus leimgebenden Faserbündeln und Einzelfasern der collagenen Substanz. Am auffallendsten war, dass auch nicht eine Spur von elastischer Faser zu sehen war, soweit das Keloid reichte. Ring-sum dagegen traten die elastischen Elemente in aller Schiirfo hervor. Sonach kann man die Zone des Auftretens der elastischen Fasern direct als einen An-haltspunkt dafür ansehen, wie weit das Keloid reicht und wo der Uebergang zum normalen Bindegewebe stattfmdet. Neben dieser Grundsubstanz des Keloids íinden sich dreierlei zellige Bestandteile, nämlich: Wal dey er'sche Plasm a-z ell en rait grossen äusserst feiu granulierten, oí't ovalen zarten Kernen, sodann lang sich hinziehende, direct den Verlauf der collagenen Fasern innehaltende Spindelzellen, und endlich grobkörníge Ehrlich'sche Mastzellen, sowohl in der platten und runden, wie auch namentlich in der langgestreckten, mit Aus-läufern versehenen Form. Leukocyten fanden sich nur nebensäcαlich innerhalb des Lumens der Gefässe, nirgends aber emigriort im Keloidgewebe. Die Plasma-zellen traten in gleicher Verteilnng mit den Spindelzellen im grössten Teile des Keloidgewebes auí'. Die Mastzellen dagegen waren in der Mitte der Geschwulst selten, während sie am Rande geradezu. in Unzahl auftraten. Als besonders wichtig ist hervorzuheben, dass Schütz am Rande der Geschwulst schon im gesunden Gewebe zum Teil Zellenzüge fand, welche fein granulierte, blasse, ovalo Kerne zeigten und advontitiello Wucherungen von Gefässen darstellten. Diese Züge bilden die ersten Entwickelungsvorgänge des Keloids. Intima und Media verhielten sich normal. Die Lympbgefässe waren oft stark entwickelt und eben-falls mit jungen Zellen uingeben. Demgemäss stimmen wir Schütz vollkommen zu, dass als erster Ausgangspunkt der Keloidbildung eine adventitielle Zell-wucherung um die Gefässe im Corium stattfmdet. Ein Teil der neugebildi·ten Zellen Λvird in Plasmazellen, ein anderer Teil zu langgestreckten Spindelzellen. Aus letzteren entstehen bipolare Fasern. Klinisch ist interessant, dass Schütz nach Einreibungen von Resorcinsalben steigender Concentration innerhalb 4 Wochen eine merklicho Verkleinerung des recidivierten Keloids constatieren konnte. Weiter giebt J. Schöbl eine vorläufige Richtigstellung der gegen seine Arbeit über Cornua cutanea gerichteten Angriffe Mitvalsky's im Archiv für Dermatologie und Syphilis, Band XXVII, p. 47, 'T. 1894. Unter den Arbeiten syphilidologischen Inhalts sei zunächt díejenige J.Neumann's über Syphilis der Parotis und der Grlandulda sublingiialis erwähnt. Ueber diesen Gegenstand liegen noch sehr wenige Mitteilungen vor, und doch ist die Erkrankung dieser Drüsen teils durch ihre klinischen und anatomi-schen Erscheinungen, teils durch die hierbei consecutiv auftretenden functionellen Störungen (Compression des Facialis, Kau-und Scblingbesclrwerden, Salivation, Verdauungsstörungen) eine nicht unwichtige Complication der constitutionellen Syphilis, in 5 Beobachtungen Neumann's (vier Weiber, ein Mann) war die Parotis boíderseits; in eineui sechsten war die rechte Glandula sublingualis und die Nuhn'sche Druse afficiert. In diesem Falle war die Affection der Drüsen mit.Bestimmtheit als gummöse Infiltration der Glandula sublingualis und dor sie bedeckeπden Schleimhaut zu bezeichnen, Λvobei das Gummi an der Obertíäche zerfallen, die Caruncula mit einem Teile des gemeinsamen Ausfühπmgsganges der Submaxillar-und Sublingualdrüse zerstört war, daher der secernierte Speichel im
doi:10.1159/000239056 fatcat:73nlxggkpvfodlm6ypjqvvkms4