Vorwort

Mark Häberlein
2018
Vorwort Dass die das 18. Jahrhundert prägende geistige Strömung, die Aufklärung, auch in der fürstbischöflichen Residenzstadt Bamberg ihre Spuren hinterließ, ist grundsätzlich bekannt. Nachdem sich die ältere regionalgeschichtliche Forschung vor allem auf die Persönlichkeit und das Wirken des als aufgeklärter Herrscher geltenden Fürstbischofs Franz Ludwig von Erthal (1779-1795) konzentriert hatte, haben die neueren Studien von Georg Seiderer zur Aufklärung in fränkischen Städten, von Karl Klaus
more » ... ten, von Karl Klaus Walther zu Buchhandel, Verlagswesen und Lesegesellschaften sowie von Bernhard Spörlein zur älteren Universität zentrale Akteure, Erscheinungsformen und Institutionen der Aufklärung in Bamberg genauer untersucht. Neben der Person Erthals rückten damit auch aufklärerisch gesinnte Beamte, Professoren und Publizisten in das Blickfeld. An diese neueren Forschungsperspektiven anknüpfend, beleuchten die hier versammelten fünf Studien auf der Basis bislang nicht bzw. nicht umfassend ausgewerteter Quellen Aspekte der Herrschafts-, Bildungs-, Sozial-und Kulturgeschichte der Stadt und des Hochstifts Bamberg in den Jahrzehnten vor der Säkularisation. In Heinrich Langs Beitrag bildet die geschichtswissenschaftliche Diskussion um das Phänomen der Katholischen Aufklärung und die Reformfähigkeit der geistlichen Staaten des Alten Reichs den Ausgangspunkt einer Erkundung der Zusammenhänge zwischen Professionalisierung, Verwissenschaftlichung und Reformpolitik im Hochstift Bamberg in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Obwohl entscheidende Reformimpulse auf den Gebieten der Armen-, Bildungs-und Gesundheitspolitik sowie der Intensivierung der Seelsorge von den Fürstbischöfen Adam Friedrich von Seinsheim und Franz Ludwig von Erthal selbst ausgingen, kam juristisch und kameralwissenschaftlich geschulten Fachleuten bei deren Vorbereitung und Umsetzung nicht minder große Bedeutung zu. Die zumeist aus dem Bürgertum, bisweilen aber auch aus stiftsfähigen Familien stammenden Beamten der fürstbischöflichen Zentralbehörden hatten nicht selten an den "modernen" Universitäten des 18. Jahrhunderts wie Göttingen, Halle und Jena studiert, und mehrere von ihnen zeichneten sich durch umfangreiche statistisch-topographische, historische, juristische und ökonomische Schriften aus. Wie Lang anhand der Bestallungsakten zeigen kann, förderten die Fürstbischöfe diese Akkumulation
doi:10.20378/irbo-51283 fatcat:ytnizhlogzcthltvvlwz744gmu