Buchbesprechungen

Max Plassmann, Christian Koller, Axel Grießmer, Martin Rink, Heinz Stübig, Peter Thorau, Andraes Etges, Ralf Vollmuth, Bernd Jürgen Wendt, Eckart Haupt, Torsten Diedrich, Christoph Haack (+1 others)
2014 Militärgeschichtliche Zeitschrift  
Ehre und Pflichterfüllung als Codes militärischer Tugenden. Hrsg. von Ulrike Ludwig, Markus Pöhlmann und John Zimmermann, Paderborn [u.a.] : Schöningh 2014, 292 S. (= Krieg in der Geschichte, 69), EUR 44, Das Feld der Ehre ist ein unübersichtliches. Was sie ausmacht, ist nur schwer zu definieren -oft kann man dies erst sagen, wenn sie verloren ist. So ist die Ehre als Thema zwar in der Literatur reichlich vertreten, und ihre Thematisierung findet sich als einigendes Band in den Darstellungen
more » ... ohl von Mediävisten als auch von Zeithistorikern. Aber die Ehre erscheint in den einschlägigen Untersuchungen häufig als gegebene Tatsache, deren Charakter nicht näher bestimmt werden muss. Dies mag für die Vormoderne noch angehen, wo die persönliche Ehre eng mit der geburtsständischen zusammenhing und daher zwar vor allem durch performative Akte verloren gehen oder aktualisiert werden konnte, ansonsten aber unhinterfragt vorhanden und zu verteidigen, aber zumeist nicht zu erwerben war. Das änderte sich spätestens im 19. Jahrhundert. Seitdem war es wichtig, sich auch über Möglichkeiten des Erwerbs und Verlusts einer persönlichen oder einer Gruppenehre sowie über deren Charakter zu verständigen und zu vergewissern. Dies fand und findet aber weniger durch eindeutige Definitionen als durch praktisches kommunikatives Handeln statt. Der Verweis auf die Ehre codiert auf diese Weise grundlegende gruppenspezifische oder allgemeine Vorstellungen vom richtigen Verhalten, die den jeweiligen Akteuren so selbstverständlich sind, dass ihnen eine weitere Definition unnötig zu sein scheint. Durch die Annahme, dass Ehrkonzepte unausgesprochen wirksam sind, besteht auch die Möglichkeit eines ständigen Wandels und einer Anpassung an neue gesellschaftliche oder politische Realitäten. Im militärischen Bereich hängt die Frage der Ehre mit der Pflichterfüllung zusammen, aus der letztlich Ehre zu erwachsen scheint. Umstritten ist dabei allerdings auch der Charakter der Pflicht und Verpflichtung insbesondere der Offiziere, was verkürzt auf die Frage zugespitzt werden kann, ob die Pflichterfüllung und die daraus folgende Ehre in der buchstabengetreuen Erfüllung von Befehlen oder im selbstständigen Handeln besteht, im Kampf bis zur letzten Patrone oder in der rechtzeitigen Kapitulation, in bedingungsloser Gefolgschaft oder in Widerstand gegen ein Unrechtsregime. Diese Fragen verweisen deutlich auf die Situation im Zweiten Weltkrieg, in dem sie sich immer häufiger stellten, und auf die Nachkriegszeit, in der sie unter den Zeitgenossen umstritten blieben. Allerdings sind sie in einen weiteren Rahmen zu stellen. Genau dies tut der zu besprechende Band. Er geht von dem Befund aus, dass die einem beständigen Wandel unterliegenden Konzepte von militärischer Ehre und Pflichterfüllung sowohl Wahrnehmungen und Interpretationen des Erlebens prägen als auch die eigenen Verhaltensweisen und schließlich zu deren Legitimation herangezogen werden. Daher verspricht die Analyse dieser Konzepte grundlegende Einsichten zu allen möglichen militärhistorischen Fragen -und weit darüber hinaus. Da trotz dieser potenziell großen Bedeutung des Forschungsfeldes einschlägige Untersuchungen Mangelware sind, gehen die Herausgeber zu Recht davon aus, dass der vorliegende Sammelband noch kein abschließendes, kohärentes Bild liefern kann. Vielmehr ist es ihr Ziel, anhand ausgewählter Beispiele eine »kaleidoskopische Momentaufnahme« (S. 27) zu bieten, die zu weiteren systematischen Forschungen
doi:10.1515/mgzs-2014-0006 fatcat:mc3soskxjzd2fproi4hbzeuu7m