Uebereigenartigverlaufene septikopyämische Erkrankungen nebst Bemerkungen überacute Dermatomyositis1)

A. Fraenkel
1894 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Donnerstag .ilff 9. 1. März i894 PETIT SCHE MEIJICINIS CHE WO CHENSCITRIFT. Mit Boiiicksielitigung des deutschen Metheinaiwesens nach amtlichen Mittheilungen, der öffentliehen Gesundheitspflege und der Interessen des rzt1ichen Standes. Begrilndet von Dr. Paul Börner. I. Aus der inneren Abtheilung des städtischen Krankenhauses am Urban in Berlin. Uebereigenartigverlaufene septikopyamische Erkrankungen nebstBemerkungen liber acute Dermatomyositis.1) von Professor A. Fraenkel. Es ist eine bekannte
more » ... s ist eine bekannte und den Aerzten geläufige Thatsache, dass im Verlaufe einer grossen Anzahl acuter Infectionskrankheiten, ja wir können sagen bei der Mehrzahl derselben, der Krankheitsprocess gar nicht selten zu dem Auftreten gewisser örtlicher Symptome an den peripheren Korpertheilen, der Haut, den Gelenken, den Knochen etc. Veranlassung giebt. Ich habe hier natürlich nicht bloss die exanthematischen Infectionskrankheiten im engeren Sinne des Wortes, welche ja eine Gruppe für sich bilden, im Auge. Als Beispiele solcher peripherer Localisationen, soweit dabei zunächst die Haut in Betracht kommt, führe ich in erster Linie die Roseola an, welche wir, wie beim Typhus, auch bei anderen Infectionskrankheiten, so bei der acuten Miliartuberkulose, der Meningitis cerebrospinalis gelegentlich antreffen und welche in Gestalt der Roseola typhosa eine echte Localisation des Typhuserregers darstellt. In entsprechender Weise wie sie, sind die meist unter der Form von Petechien erscheinenden Hautembolieen bei der Endocarditis ulcerosa aufzufassen. Noch nicht genügend gewürdigt und zum Theil auch von anderer pathogenetischer Bedeutung sind gewisse Formen der Hautausschläge, welche in die Kategorie der Erythemo gehören und trotz ihrer Seltenheit höchst bemerkenswerthe Complicationen verschiedener Infectionskrankheiten bilden können. Ich werde auf dieselben im Verlaufe meines Vortrages nochmals zurückzukommen haben, da hinsichtlich ihrer Entstehungsweise eine gewisse Analogie mit einigen derjenigen Proccsse besteht, welche den eigentlichen Gegenstand meiner heutigen Auseinandersetzungen ausmachen. Hier sei nur bemerkt, dass diese Erytheme, welche bald sich unter dem Bilde eines Erythema multiforme, bald als scarlatinaartiges oder morbillöses Exanthem darstellen, gleichfalls bei einer Anzahl, ihrem Wesen nach durchaus von einander unterschiedener Infectionskrankheiten gelegentlich zur Beobachtung kommen. Unter ihnen führe ich wiederum den Typhus, ferner Diphtherie, Scharlach, Masern, einfache Angina, Endocarditis, Septicämie, Gonorrhoe und Syphilis an. Sie können wegen ihrer Aehnlichkeit mit Scarlatina und Morbillen sehr leicht zu schweren Täuschungen Veranlassung geben und die irrthümliche Meinung erwecken, dass sich zu der aus ganz anderer Ursache hervorgegangenen Grundkrankheit eine specifisch exanthematische Krankheit secundär hinzugesellt habe. Das ist die eine Seite ihres Interesses. Die andere besteht darin, dass diese secundären Erytheme, obwohl sie oft genug ganz gutartiger Natur sind und nach einigen Tagen ihres Bestehens wieder verschwinden, andere Male mit den schwersten Störungen des Allgemeinbefindens, mit hohem Fieber, mit den Symptomen eines Status typhosus, einer wirklichen Intoxication einhergehen und in kurzer Frist zum Tode führen können. Es handelt sich nicht, wie bei der ersterwähnten Gruppe von Hautausschlägen uni eine Wirkung des primären Krankheitserregers, sondern höchstwahrscheinlich stets um Secundärinfectionen. In neuerer Zeit haben nament-1) Nach einem Vortrage, gehalten im Verein für innere Medicin in Berlin am S. Januar 1894.
doi:10.1055/s-0029-1205631 fatcat:y4qgz4xw25dankz46j3f2a6xre