Im Spiegel der Sprache (Buchbesprechung von Peter Widmer: Metamorphosen des Signifikanten. Zur Bedeutung des Körperbildes für die Realität des Subjekts)

Michael Schmid
2007
Peter Widmer: Metamorphosen des Signifikanten. Zur Bedeutung des Körperbildes für die Realität des Subjekts (transcript verlag, Bielefeld 2006) Im Spiegel der Sprache, wo sonst, wenn nicht dort, werden wir uns finden. Was finden heißen kann, zeigt uns die «jubilatorische Geste» mit der das Kind etwa im Alter von 6-8 Monaten sein Spiegelbild empfängt. Lacan beruft sich auf dieses Zeugnis Wallons in seiner Theorie des Spiegelstadiums, das er als die Bildungsstätte der Ichfunktion kreiert hat.
more » ... on kreiert hat. Oder der Hinweis von René Spitz, der festgestellt hat, dass der «Glanz im Auge der Mutter» eine der Grundbedingungen für die Anerkennung des Kindes in den ersten Lebensmonaten darstellt. Freud hat sich des Mythos von Narcissus bedient, um der Frage der Genese des Ich näherzukommen und die Spaltung, den Bruch fassen zu können, der der Konstituierung des Ich innewohnt. Die Ichfindung scheint nach allen Zeugnissen, die uns zur Verfügung stehen, weniger als ein Finden im Sinne eines «Wiederfindens» zu verstehen zu sein, denn als Akt der Kreation, der Strukturierung. Die Idee der Spiegelung, auf die sich die Überlegungen zum Ich beziehen, weist darauf hin, dass es einer «Reflexion» bedarf, um das, was wir das Ich nennen, hervorzurufen. Wer wir sind, was wir sind, das können wir nicht aus uns selbst erschließen. Wir sind angewiesen auf den Anderen, mithilfe dessen jene Reflexion gelingt, die uns die Möglichkeit gibt, diesen anderen, der uns wie in einem Spiegel erscheint, als unser Ich anzuerkennen. Diesen Gedanken finden wir auch in Freuds Narzissmustheorie. Freud bleibt aber innerhalb seines Denkansatzes der «Ausstülpung» des Ich, oder wie es bei Peter Widmer heißt, des Denkens in Emanationen. Konsequent weitergedacht und -nach eigenen Aussagen streng Freudianisch -in eine Dialektik von Innen und Außen übersetzt, wurden Freuds Überlegungen erst von Lacan und anderen, © 2020, die Autor_innen. Dieser Artikel darf im Rahmen der "Creative Commons Namensnennung -Nicht kommerziell -Keine Bearbeitungen 4.0 International" Lizenz (CC BY-NC-ND 4.0 ) weiter verbreitet werden.
doi:10.18754/jfp.48.15 fatcat:uapu4ycod5ao5gniuekhu6qgzm