ZUR FRAGE DER ÄSTHETISCHEN EINHEIT DES BEOWULF

ENRICO PIZZO
1915 Anglia. Zeitschrift für englische Philologie  
Es wird einmal eine dankbare aufgäbe sein, die verschiedeneu arten, wie das Beowulflied beurteilt wurde, geschichtlich zu betrachten. Die früheren literarhistoriker wie Ettmüller, Möller, ten Brink gingen darauf aus, das eigentlich germanische aus der dichtung herauszuschälen. Das christliche element, das im gedickte vorhanden ist, galt ihnen von vornherein als spätere zutat, die dem "eigentlichen" Stoffe unwesentlich ist. Von episoden, die in der vorliegenden fassung nur rückblickend kurz
more » ... kblickend kurz erzählt werden, war ten Brink z. b. überzeugt, dais sie einst die haupthandlung ausmachten. Das Christentum hatte aber -leider -den gang der entwicklung unterbrochen und "so haben wir in Beowulf ein halbfertiges, gleichsam mitten in der Entwicklung erstarrtes Epos vor uns"). 1 ) Aber diese abstrakte methode vernachläfsigte zu sehr das konkrete kuustwerk, das auch ge wertet sein will. Denn "die christliche Färbung, welche der Kern des Gedichtes, heidnischer Mythus, empfangen hat, ist allen Teilen des Gedichtes gemeinsam: den sogenannten echten, wie den unechten Stellen",mit diesen worten verteidigte Homburg 2 ) 1884 Müllenhoffs liedertheorie gegenüber die einheitlichkeit des Beowulf. Und in neuerer zeit kann Alois Brandl behaupten: "Wer die 1 ) Bernhard ten Brink, Geschichte der englischen Litteratur, 1. bd. Berlin 1877, p. 35. 2 ) Herrigs Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen, . Jahrgang, 72. bd., p. 341.
doi:10.1515/angl.1915.1915.39.1 fatcat:s4apbarclnaw7b5osvirgdeoly