Ueber die Sulfodiazobenzol-Reaction

P. Ehrlich
1884 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Wenn ich, meine Herren, vor Ihnen ein Thema bespreche, liber das ich schon vor 2 Jahren berichtet und über welches ich theils selbst, theils in Arbeiteji, die unter meiner Leitung hervorgegangen sind, mich des ausführlicheren geiiussert habe, so geschieht dies aus dem Grunde, weil die Principien der von mir gefundenen Harnreaction mit Diazobenzolsu]fosäure zwar von gewisser Seite bestätigt, von anderer aber auf das lebhafteste angegriffen sind und noch stets angefeindet werden. Es dürfte daher
more » ... n. Es dürfte daher gerechtfertigt sein, wenn ich nochmais auf Grund meiner sich über fast 3 Jahre erstreckenden Erfahrung resumire und hier die Principien der Harnprobe darlege; ich hoffe, dass diese Auseinanderlegung dazu beitragen wird, die Unsicherheit, die durch die lange Discussion bei jedem ferner Stehenden erregt werden musste, zu beseitigen und eine ausgedehnte und unbefangene Naehpr(ifung meiner Untersuchung zu ermöglichen, die ich im Interesse der Sache auf das dringendste wünsche. Die Diazobenzoisuifosäure ist, wie es durch meine früheren Arbeiten wohl bekannt, im Stande, mit dem Ham verschiedene Farbenreactionen zu geben und dürfte sich empfehlen, je nachdem die Farbenreactionen schon bei dem Zutritt des sauren Diazoreagens oder erst beim Alkalisiren hervortreten, dieselben in zwei grosse Gruppen zu theilen, nämlich in die der primären und der secundären Farbenreaction. A. Primare Farbenreactionen finden sich im Unu in zweierlei Formen, nümlich als primäre Verdunklung und primäre Vergilbuug. 1) Die primäre Verdunklung, über die ich schon im Centralbiatt für Klinische I%Iedicin" berichtet habe, tritt im gallenfarbstoffhaltigen ¡Trin zu Tage, und zwar in der Art, dass jeder Tropfen des in den zweckmässig mit Essigsäure stark versetzten Unu einfiiessenden Reagens schwärzliche Wolken hervorruft, und schliesslich in ausgeprägten Fällen der Unin eine dunkle ins violett spielende Färbung erhält Diese Reaction beruht, wie ich gezeigt habe, ausschliesslich auf der Anwesenheit des Bilirubins, da dieses mit Suifobeuzol sich zu einem Farbkörper paart, der in sauren Lösungen violette bis blaue, in alkalischen
doi:10.1055/s-0029-1209441 fatcat:zoiqthgcrbedhbdgn5e3awtbya