Ueber Netzhautentzündung bei angeborener Lues (Schluss aus No. 26.)

J. Hirschberg
1895 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
A. Frischere Fälle. Fall 1. Willy N., I Jahr 8 Monate alt, wurde am 26. October 1888 gebracht. Die Mutter gicht an, dass seit etwa vier Monaten eine Sehstörung bei dem Kinde bestehe und seit 14 Tagen stärker sich geltend mache: das Kind benutze hauptsächlich nur ein Auge (das rechte) zum Sehen, blicke zuweilen höher, als der fixirte Gegenstand liege, und pflege bei geringerer Beleuchtung an Hindernissen anzustossen. Nur selten ist eine Mutter so aufmerksam, um über das Sehvermögen eines
more » ... mögen eines 2Omonatlichen Kindes so genaue, verwerthbarc Angaben zu machen, Auf weiteres Befragen gab sie dann noch ferner an, dass sie in ihrer Ehe zunächst zweimal Abort erlitten; dass dann das dritte Kind, unser Kranker, im Alter von vier Monaten Flecke an der Haut, besonders der Lenden, gezeigt und deshalb von ihrem Arzt "Giftbäder", sowie weisse Pulver zum Einnehmen (Calomel) erhalten habe. Nach künstlicher Erweiterung der Pupillen finde ich beiderseits eine sehr deutliche und eigenartige Veränderung : der Sehnerv ist etwas grauröthlich verwaschen, kleine helle Stippchen sieht man allenthalben in der Netzhaut, nach der Peripherie hin nehmen sie zu an Zahl und Ausdehnung; in der Mitte des Augengrundes erkennt man grauschwarze Herde. Sofort wurden Qnecksilbereinreibungen begonnen, zweimal täglich je 0,5 g; fllnf Tage, dann eine Pause von drei Tagen, und so weiter. Bereits
doi:10.1055/s-0029-1199856 fatcat:ho2vlvezxfbarpcm5qthayahsa