Die zweimalige römische Gefangenschaft und die spanische Reise des Apostels Paulus und der Schluß der Apostelgeschichte

Friedrich Pfister
1913 Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft und die Kunde der älteren Kirche  
ister in Heidelberg. Die Ausführungen von Hans Helmut Mayer 1 über die zweite römische Gefangenschaft des Apostels Paulus mahnen mich an ein früher gegebenes Versprechen, überheben mich zugleich aber auch der Mühe, es in ausführlicherer Behandlung einzulösen; dafür seien der alten Begründung einige neue Stützen verliehen und die Darlegungen Mayers ergänzt. In meinem Buche, Der Reliquienkult im Altertum (Rel.-gesch. Vers, und Vor. V, 1909) I 266-278, war ich, gewissermaßen exkursorisch, auf die
more » ... ursorisch, auf die Tradition über die spanische Reise und über eine doppelte Gefangenschaft des Apostels in Rom sowie auf den Schluß unserer Apostelgeschichte zu sprechen gekommen. Ich suchte diesen vielbehandelten Problemen auf einem neuen Wege beizukommen. Eine Betrachtung der antiken Wanderungs-und Missionslegenden, so etwa der Sagen von Odysseus, Aeneas, Herakles, den Argonauten, Alexander dem Großen, lehrt, daß die räumliche Ausdehnung der von jenen Heroen ausgeführten Wanderungen im Laufe der Zeit mehr und mehr in der Legende vergrößert wurde. Dieselbe Erscheinung findet sich aber auch in den christlichen Missionslegenden. Mit der wachsenden Mission und Ausbreitung des Christentums wurden auch die Missions-und Wanderungslegenden erweitert. Besonders die Tradition über die Apostel legt beredtes Zeugnis hierfür ab. So kam Thomas schließlich nach Indien, Andreas nach Kiew, Paulus nach Spanien. Bald geht die tatsächliche Ausbreitung des Christentums voraus, und die Legende, welche die Christianisierung in die apostolische Zeit proiziert, folgt nach, bald ist es umgekehrt: die legendarische Erfüllung des Wunsches eilt der wirklichen Erfüllung weit voran.
doi:10.1515/zntw.1913.14.3.216 fatcat:rlwhy245gjge7b23jrf6wf54zy