Vollständige Entfernung eines Uteruskarzinoms mit der bloßen Hand

S. Saltykow
1914 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
am Kantonsspital in St. Gallen. In Nr. 26 1913 dieser Wochenschrift teilt Pry m einen Fall von vollständiger Entfernung eines IJteruskarzinoms durch Probeauskratzung mit und weist auf zwei ähnliche Fälle von Hess und von y. Hansemann hin. In den Fällen y. Hansemanns und Pryms wurde nachträglich der Uterus exstirpiert, in dem auch mikroskopisch nichts von Karzinom gefunden werden konnte. Trotz der sorgfältigen Uterusuntersuchung könnte man in solchen Fällen immerhin noch an die Möglichkeit
more » ... e Möglichkeit denken, daß mikroskopische Karzinomreste doch erst mit dem exstirpierten Uterus entfernt wurden und daß z. B. die Patientin Pryms deshalb gesund geblieben ist. Einwandfreier sind meiner Meinung nach die Fälle, in denen der Uterus nicht entfernt wurde und die Patientin trotzdem rezidivfrei geblieben ist.') Um einen solchen Fall handelt es sich bei Hess. dessen Patientin vier Jahre nach der Ausschabung vollständig gesund war. Einen ähnlichen Fall zu untersuchen, habe ich nun Gelegenheit gehabt. Der Fall nimmt aber in mancher Hinsicht eine Sonderstellung ein; erstens wurde nicht einmal eine Auskratzung vorgenommen, sondern der Tumor wurde fast spontan abgestoßen, zweitens hat es sich um einen Plattenepithelkrebs der Portio gehandelt, bei dem ja die Prognose besonders ungünstig und die mikroskopische Diagnose in der Regel besonders leicht ist. Am 25. Januar 1912 hat Herr Dr. Wiget in St. Gallen eine 37 jährige VII -Gebärende mittels Perforation von einem ausgetragenen abgestorbenen Kind mit einem hochgradigen Hydrocephalus entbunden. Während der Entbindung stellte er an der linken Hälfte der Portio einen etwa tasehemihrgroßen Tumor fest, der ihm, wie er meinte, zum Teil spontan "in der Hand blieb". Es entstand keine Blutung. Der Tumor hatte keine Störungen verursacht. Nur 3-4 Wochen vor der Geburt hatte Patientin einmal ein wenig Blut verloren. Der mir an demselben Tag zugesandte Tumor stellte ein eiförmiges, 4cm langes, 2cm breites, weiches, gelbliches Gebilde mit ziemlich glatter Oberfläche dar. Die mikroskopische Untersuchung auf Querschnitten durch das ganze Gebilde ergab überall dasselbe Bild: spärliches, von Rundzellen ') Vorausgesetzt muß natürlich in allen diesen Fällen werden, daß bei der Untersuchung des ausgeschabten Materials keine Fehldiagnose gestellt wurde. Heruntergeladen von: NYU. Urheberrechtlich geschützt.
doi:10.1055/s-0029-1190523 fatcat:tuyhyxl3q5cbzc3jchosgcppry