Der Seesturm als "Höllenfahrt" im lateinischen Epos

Laurenz Enzlberger
2020 unpublished
Die Untersuchung von Unterweltsszenen in der lateinischen Literatur, besonders aber nicht nur im lateinischen Epos, hat in den letzten Jahren viel Interesse gewonnen. Dabei kam vorrangig expliziten Katabasis- bzw. Nekromantieszenen das Hauptaugenmerk zu, allerdings wurden auch "geringere" Unterweltsszenen und solche, die lediglich Anleihen aus derartigen Beschreibungen nehmen, immer wieder berücksichtigt. In dieser Arbeit wird gezeigt, wie neben den bekannten topographischen Unterweltselementen
more » ... Unterweltselementen (Höhle, dunkler Hain, Sumpf, etc.) auch das Meer als eine eigene Art der Unterwelt im lateinischen Epos entworfen wird, insbesondere wie in Seesturmszenen die Grenzen zwischen Ober- und Unterwelt vermischt werden. Untersucht wurden dabei der Sturm in der Erzählung von Ceyx und Alcyone aus Ovids Metamorphosen (Buch 11), die versuchte Überfahrt Caesars über die Adria von Chaonien nach Brindisi (und die vorangehende Flaute) in Lucans Bellum ciuile (Buch 5), sowie Seestürme, denen die Argonauten ausgesetzt sind: Dies ist einerseits eine kurze Sturmszene zu Beginn der Argonautica des Valerius Flaccus (Buch 1) sowie ein weiterer Sturm bei der Ankunft auf Lemnos in der Thebais des Statius (Buch 5). Gegenstand der Arbeit ist die Frage, wie diese Unwetterszenen bzw. Szenen auf dem Meer in Verbindung mit Abstiegen in die Unterwelt stehen, auf welche antiken Vorbilder sich die Autoren für ihre Darstellung der See als eigener Form des Jenseits stützen und wie stark diese Szenen auch intertextuell miteinander in Verbindung stehen. Die ausgewählten Autoren tun dies in unterschiedlichem Ausmaß und auf verschiedene Weise, doch zeigt sich, dass sich die antike Wahrnehmung des Meeres als eigene Unterwelt auch in der Literatur wiederfinden lässt.
doi:10.25365/thesis.63573 fatcat:tmvofecixff3pk3xtcqh55j56a