Ueber die Wirkung des Hypophysenextrakts bei Thyreosen (Morbus Basedowii und Hyperthyreoidismus)

J. Pal
1915 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Aus der I. Medizinischen Abteilung des k. k. Allgemeinen Krankenhauses in Wien. Ueber die Wirkung des Hypophysenextrakts bei Thyreosen (Morbus Basedowii und Hyperthyreoidismus). \Toii Piof. 1)r. J. Pal. I )i Extrakt ails (lelIl iiifuiidibuliiteii Teil (1er Hy})()[)I1V.4(' ( Piluitrin, Pituglandol etc.) löst hei gewissen '1'hyreocn tilyper-Ihyreoidimus, Morhus Baedovii) Wirkungen aus, die nicht zuletzt a1is the'aneijt i hen Grun(lelI eine beoideie tTiiid ;gittig verdienen. Im JdhT(' 1909 ])ab(
more » ... JdhT(' 1909 ])ab( ich in einer Diskussion zu in,n Voitrage von L -y. Frank!-Hoeliwart und A. Fröhlich dic giiiitig Becinflussung der BasedoweIieii Kachexie (101(11 HyopIiysenextrak erwahnt'). 1914 habe ich gleichfalls in der k. k. Gese1lcIiaft der Àe zte In Wien einen Baaedowkrajiken vorgestellt2). bei dein ein kachektischer ZLIsand durch Pituitrinirij ektionen mit Erfolg iiber%'unden wurde. Erst nachher habe ich aus der Arbeit von L. BoIehar(l t ini Lehrl)UCiL (1er Organotherapie von y. \V ag n e r -Tau regg und B a y e r3) (1914) ersheii, (laß schon vor luir Rénon ciel Delille und (lanhi Pa-I isot Versuche mit Hypophysenextrakteui bei Basdo\yscher Krankheit angestellt haben und iiber Erfolge berichten. Ré no n und ID el j I I e habeji auch experimentelle Untersuchungen ill der Weise ausgeführt, dali sie Kaninchen intraperitoneal Hypophyscnextrakte injizierteii. Sie geben an, daß nach der Injektien von Extrakten aus dem hintcreii Anteil der Hypophyse (las IoIloid der Schilddriisç schwinde. Ebenso besicliten ITallion und Aiquier, daß nach hitigerer Verfütterung von Hyiophysen die Schilddrüsensekretion herabgesetzt werde. Als Ausgangspunkt der klinischen Anwendungen des Hyiophyscnextrakts bei Basedowkranken wird eine von Alberto Salmons vorgebrachte Hypothese angeführt, die der Basedowsehen Krankheit einen bypophysären Ursprung zuschreibt. Nach den Beobachtungen von Rénon und Delille sehwanden bei Bascdowkranken scheu "vonI vierten bis fünften Tage ab Sch1aflosikeit, Zittern, Verdauungsstörungen, tehweil3e, Hi5zegefühl. Die Tachykardie ging langsamer zurdck, der Puls erreichte erst nach 14 Tagen sein Minimum. Der Blutdruck stieg rasch und erreichte in der zweiten bis dritten Woche sein Maximum. Nach einiger Zeit fiçi er wieder etwas ab. Der Kropf wurde meist nur wenig beeinflußt. Das Körpergewicht stieg um 1-3 kg. Wuiden (lie Hypophysenprbparate weggelassen, so traten nach fünf bis acht Tagen die alten Erscheinungen wieder auf. Kropf ohne Basedowerseheinungen blieb durch dic 1{ypophysenrnedikation unhceinflußt"4). Ueber eineul weiteren Fall berichteten Rénon und Azam. Parisot (1907) gibt an, auth Rückbildung der Struma gesehen zu haben. Weiter erwähnen Williams (1910), 8. 5. Cohen (1912), Claude irnd Po rak (1913) günstige Wirkungen. Borchardt berichtet auch (1. e.) über Beobachtungen von Fr. K u aus, die sieh auf sechs Fälle von Basedowseher Krankheit beziehen. Kraus fand nach interner Darreichung von täglich vier bi fünf Tabletten Pituglandol (ä 0,1) erhebliche Besserung. Die Herzfrequenz nahm ab, in vier Fällen wurde die Schilddrüse kleiner, in zwei ozusagen normal. Borcliardt hat unter der gleichen Medikation per os in eineni Falle keine nennenswerte Wirkunìg gefusud n. In einem anderen, der zweimal wöchentlich 1 Cern suhkutan erhielt, stellte sich sowohl subjektiv wie objektiv Besserung ein. Der Halsumfang nahuui um 1 em ab. Ebenso trat in vier anderen Fällen nach täglicher Injektion von 1 cern Pituglandol ein ei-heblicher Erfolg ein. Einer dieser Fälle war nach dueiwöchiger Behandlung geheilt. Literatur daselbst, ferner bei Biedi: Innere Sekretion, und L u barsch -O stertag: Ergebnisse der allg. Pathologie, 15. (Bireher) Jahrgang 1. 1911. 4) cit. nach Borehardt. Zur Anwendung (les Hypopliysenextraktee bei Tlryreoseiì haben mich meine Arbeiten über das Pitruitrin das übrigens seinerzeit auf meine Veranlassung voir der Firma Parke, Davis & Co. (Detroit U. S. A.) irr Fabrikation genommen wurde geführt. Es liaheur mich vor allem die gegensätzlichen Vir-ki1uiei) des Hypopliysenextraktes (Pituitrin) und des Schildclrüseuiextrakter, auf die Arterien zu dein Versuche bestimmt. W7eitere Stützeir waren . danui airs den Studien abzuleiten, die (liC Relation zaiselicir der Hypopliy.e und der Schilddrüse bet Lifcil, deren Zahl sieh iii'iwisclreir erheblich vermehrt hat. Uiuekliirt wai und ist, r))) die als Pituitrin, Pituglandol. Glati-Iuit rin bezeichneten Substanzen überhaupt als solche ian Blute kreisen und zut \Virkung gelangen. [n 16 hierher geirörigen Fällen voit Basedowecher Krankheit 1111(1 Flyperthyreoidisrnus babo ich den infundihulären llvjropliysenextrakt in Verwendung gezogen. l)ie Fälle rossgielteti, wie ich gleich bemerken will, nicht gleichförmig. Sie sind auch, wie wir annehmen, nicht gleieliwos'tig. Es Iraben sich (iesiclrtspunkte ergehen, die meines Wissens nicht bekannt sitid rind die ich daher erörtern will. Zuerst habe ich das Pi-(.tuitiin intern verabreicht (15-30 Tropfen). Obwohl ich in einem Fall eiul gant überrasehendes Resultat erzielte, ging ich auf die srrbkutaire Anwendung über. Bald interessierten mich nur die kachrektischen Fälle mit niedrigem Blutdniek, mit allen Merkinalei schwerer Entoxikation. Unter 9 solelicur nicht operierten Basedowkraiiken habe ich 7 mal Körpergewichtszunahme erzielt. Dabei besserte sich das subjektive Befinden erheblich, es nahmen auch gewisse objektiv kontrollierbare Zeichen, wie die tJnnrhe, das Zittern. meist auch die Schweißausbrüche ah. Wenig oder garnicht beeinflußt erschien der Exophthalmus. Die Tachykardie besserte sich nur allmählich, ohne ganz zu schwinden, kehrte auch nach Aussetzen der Behandlung wieder. Namentlich in einem Fahle war cille merkliche Abnahme in der Weite der tastbaren Arterien zu konstatieren. Aun sinnfälligsten war der Einfluß der Pituitr'ininjektion auf den Ernährungszustand der Kranken. Sie fiihiteir sich subjektiv derart gehoben, daß sie, wenn die Injektion abgebrochen wurde, deren Fortsetzung wünschten. Zur Erläuterung will ich hier einige Daten von drei Fällen Baseclowscher Krankheit mitteilen, die folgendes Gemeinsame haben: Sid waren derart herunter-gekomnieri, daß ein operativer Eingriff nicht ratsam erschien, weshalb die Hypophysenbehandlung eingeleitet wurde. Sie erholten sich, aher es vergrößerte siels die Schilddrüse unter Besserung des Befindenis, und es konnte dann die Resektion vorgenommen werden. Die Operationen wurden von Priv.-Doz. Dr. Hcyrovsky an der Chirurgischen Klinik y. Hochenegg in Lokalanösthesie, mit Erfolg ausgeführt. FaIl 1. H .À., 32 Jahre alt, verheiratet, Hilfsarbeiter. Anamnese. Februar 1913 Einsetzen der Krankheit nach großerk Aufregungen, zunehmende Schwäche seit Mai. Körpergewichtsverlust von fiber 30 kg. Höchstgewicht 81 kg. Aufnahme 7. November 1913. Befund. Knochenbau kräftig, Körpergewicht 46,5 kg, geringe Behaarung, im Liegen kein (leUtlicher Exopthalmus, Graefe positiv, starker Tremor, Patient kann nicht allein essen, auch nicht stehen. Zungenfollikel vergrößert, Struma pulsans, Halsumfang 43 cm. Manubrium sterni gedämpft, daselbst ein viertöniges musikalisches Venengeräusch hörbar; Herz wenig verlhngert, systolisehes Geräusch an der 205 Nr.52 BERLIN, DEN 23. DEZEMBER 1915 41. JIIHRGING Heruntergeladen von: NYU. Urheberrechtlich geschützt.
doi:10.1055/s-0029-1192340 fatcat:isgztp7zebfu5jo53ouzb7avqq