Das Mariengeheimnis beim Kirchenvater Ambrosius : Vortrag, gehalten auf dem Internationalen Marianischen Kongreß zu Rom (23. Oktober bis 1. November 1950)

Josef Huhn
2014
Einen hervorragenden Platz unter den Zeugen für die Lehre und den Glauben der antiken Kirche des Abendlandes bezüglich der Gottesmutter Maria nimmt Ambrosius, der große Bischof von Mailand, ein. Man hat ihn mit Recht den Patron der*Marienverehrung genannt, und in der Tat, kein Kirchenvater oder kirchlicher Schriftsteller des Abendlandes hat so viel, so warm und innig über Maria geschrieben und zu ihrer Verehrung aufgefordert wie Ambrosius. Daß gerade mit der zweiten Hälfte des vierten
more » ... s vierten Jahrhunderts, mit Ambrosius insbesondere, eine reiche Entfaltung des marianischen Denkens beginnt, hat seinen inneren Grund in dem heroischen Kampf, der damals gegen den Arianismus im Abendlande geführt wurde. Da war Ambrosius einer der gewaltigsten Vorkämpfer des Nikänums, er ist der führende Vertreter der nikänischen Partei, und' der volle Sieg des Nikänums ist in hervorragendem Maße sein Werk 1 ). In diesem Kampfe um die Gottheit Christi gegenüber dem Arianismus sowie um seine volle Menschheit gegenüber dem Manichäismus und Apollinarismus hat Ambrosius als erster abendländischer Kirchenvater die Lehre von der Einheit der Person Christi in den zwei Naturen stark hervorgekehrt. In staunenswerter Klarheit hat z. B. folgender Satz die Lehre des Konzils von Chalzedon bereits vorweggenommen. Zur Erklärung der Isaiasstelle 9,6: Puer natus est nobis, filius datus est nobis sagt Ambrosius: Factus ex matre, natus ex patre; idem tarnen et natus est et datus: non diversum, sed unum putes. Unus enim Dei filius, et natus ex patre et ortus ex virgine . . . homo utique corpore, altissimus potestate, etsi deus et homo diversitate naturae, idem tarnen, nori alter in utroque. Aliud ergo speciale naturae suae, aliud commune nobiscum, sed in utroque unus, et utrimque perfectus 2 ). Dieser Fortschritt in der Betrachtung der Person Christi brachte mit innerer Konsequenz auch Bewegung in das marianische Denken, brachte ein stärkeres Hervortreten sowie ein lebendigeres Bewußtwerden der Beziehungen zwischen Christus und seiner Mutter sowie zwischen Maria und dem mystischen Leibe Christi.
doi:10.5282/mthz/174 fatcat:wasj4avrrvhazbq34nfqnveoae