Empirische Arbeit: Verhalten und Befinden von Schulkindern: Diskrepanz von Kinder- und Lehrendensicht. Eine Längsschnittstudie in integrativen Regelklassen

Simona Altmeyer, Achim Hättich, Susan C. A. Burkhardt, Annette Krauss, Andrea Lanfranchi
2020 Psychologie in Erziehung und Unterricht  
Zusammenfassung: Das Verhalten und Befinden aller Kinder in integrativen Regelklassen und dessen Einschätzung durch Kinder und Klassenlehrkräfte wird über ein Schuljahr hinweg untersucht. Dabei wird geschaut, wie sich Kinder-und Lehrersicht in Verhalten und Befinden über die Zeit unterscheiden. Weiter wird analysiert, welchen Einfluss sonderpädagogische Maßnahmen auf die Diskrepanz zwischen Kinder-und Lehrersicht in Verhalten und Befinden haben und welche weiteren Faktoren diese Diskrepanz
more » ... ese Diskrepanz beeinflussen. In 27 Schulklassen (3. bis 6. Schulklasse) werden zu drei Messzeitpunkten über ein Schuljahr hinweg 431 Kinder (46 % Mädchen; 54 % Jungen), davon 130 Kinder mit sonderpädagogischen Maßnahmen, und ihre dazugehörenden 44 Klassenlehrkräfte mit standardisierten Instrumenten zum Verhalten (Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ)) und Befinden (Perceptions of Inclusion Questionnaire (PIQ)) der Kinder befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Unterschiede in der Einschätzung von Verhalten und Befinden zwischen Klassenlehrkräften und Kindern dadurch mitbeeinflusst sind, ob ein Kind eine sonderpädagogische Maßnahme bekommt oder nicht. Bei Hyperaktivität, prosozialem Verhalten, emotionaler Integration und akademischem Selbstkonzept haben die sonderpädagogischen Maßnahmen in allen Verhaltensbereichen einen signifikanten Einfluss auf die Unterschiede zwischen Kinder-und Lehrersicht. Jedoch hat das Vorliegen sonderpädagogischer Maßnahmen weder im Bereich der emotionalen Probleme noch bei Problemen des Sozialverhaltens einen Einfluss. Zudem hat das Geschlecht des Kindes bei Hyperaktivität und prosozialem Verhalten einen hoch signifikanten Einfluss auf die Diskrepanz zwischen den beiden Perspektiven: Jungen werden von den Lehrkräften als hyperaktiver und weniger prosozial als Mädchen eingeschätzt. Für diese Diskrepanzen werden verschiedene Erklärungen herangezogen und auf den schulischen Alltag bezogen. Schlüsselbegriffe: Fremd-und Selbsturteile, Integrative Schule, Verhalten, Befinden, Längsschnittstudie Behaviour and well-being of students: Discrepancy of child and teacher perspective. A longitudinal study in integrated mainstream classes Summary: Over the course of a school year behaviour and well-being of children in inclusive regular classes were assessed by their class teachers and the students themselves. This study examines how the view of 44 class teachers in 27 classes (3rd to 6th grade) and their 431 students (46 % girls; 54 % boys), on behaviour and well-being differs. Furthermore, it was analysed if special educational needs (concerning 130 students) and other factors such as sex and age influence the discrepancy between the students' and teachers' view. The results show that differences in the assessment of behaviour (using Strengths and Difficulties Questionnaire [SDQ]) and well-being (using Perceptions of Inclusion Questionnaire [PIQ]) between class teachers and students are influenced mostly by the existence of special educational needs. A significant influence of special educational needs on the perspectives of the two groups was found concerning the areas hyperactivity, prosocial behaviour, emotional integration and academic self-concept. However, special educational needs have no influence on emotional problems or problems of social behaviour. In addition, sex of the student has a highly significant influence on the discrepancy between the two perspectives concerning hyperactivity and prosocial behaviour: Teachers rate boys as more hyperactive and less prosocial than girls. Several explanations for the discrepancies are discussed in relation to the school setting.
doi:10.2378/peu2020.art24d fatcat:yhki7rvys5gatoho3kwa7zbnqq