Umgang mit Sterben und Tod

Christian Kind
2018 Schweizerische Ärztezeitung  
Prof. Dr. med., Vorsitzender der Subkommission «Umgang mit Sterben und Tod» Die Behandlung, Betreuung und Begleitung von Patientinnen und Patienten, die mit dem eigenen Sterben konfrontiert sind, ist eine zentrale Aufgabe der Medizin, die hohen Respekt vor der Würde und dem selbstbestimmten Willen der Patientin und grosse ethische Verantwortung verlangt. Die SAMW hat medizin-ethische Richtlinien ausgearbeitet, die den Umgang mit Sterben und Tod behandeln. Die definitive Fassung der Richtlinien
more » ... urde am 17. Mai 2018 vom SAMW-Senat ver abschiedet. Wie stark das Thema «Umgang mit Sterben und Tod» bewegt, hat das grosse Echo während der öffentlichen Vernehmlassung gezeigt: Insgesamt sind 118 Stellungnahmen eingetroffen, die meisten sehr umfangreich und differenziert. 92 stammen von Fachgesellschaften, Ethikkommissionen, Verbänden, Institutionen und Behörden und 26 von Einzelpersonen. Die Mehrheit begrüsste die Erweiterungen gegenüber der Vorgängerrichtlinie «Betreuung von Patientinnen und Patienten am Lebensende», darunter den umfassenderen Geltungsbereich, die Betonung der Wichtigkeit des Gesprächs und die vermehrte Berücksichtigung der Angehörigen. Auch die differenzierte Behandlung der palliativen Sedierung wurde häufig positiv erwähnt. Erwartungsgemäss stiessen die Bestimmungen zur Suizidhilfe auf die grösste Kritik. Den Vorschlag der SAMW zurückgewiesen haben jedoch nur 19 (22%), oft waren dies Einzelpersonen. Für 13 dieser ablehnenden Stimmen geht die Öffnung zu weit, vier forderten eine weitergehende Öffnung. Gestützt auf diese Vernehmlassungsergebnisse haben die Gremien der SAMW beschlossen, den ursprünglichen Vorschlag der Subkommission weitgehend be stehen zu lassen und nur in kleineren Punkten zu modi fizieren. Auf mehrfachen Wunsch enthalten die Richtlinien neu eine explizite ethische Begründung für die gewählte Regelung zur Suizidhilfe. Neben den Änderungen im Kapitel Suizidhilfe wurden gegenüber dem Vernehmlassungstext verschiedene Klärungen und Verbesserungen vorgenommen. Wichtigste Klärung ist die Verdeutlichung der Anwendbarkeit der Richtlinien auch für Kinder jeglichen Alters und Menschen mit geistiger und Mehrfachbehinderung sowie, soweit zeitlich möglich, auch in Notfallsituationen. Zudem wurde ein sprachliches Anliegen aufgenommen: die zuvor kontinuierlich abwechselnden Geschlechtsbezeichnungen werden neu abschnittsweise alternierend verwendet. Aufbau und Inhalt der Richtlinien In der Präambel werden Hintergrund und Zielsetzung der Richtlinien erläutert. Diese sollen die betreuenden Fachpersonen unterstützen bei einem von den Prinzipien der Palliative Care geleiteten Umgang mit Sterben und Tod ihrer Patientinnen und Patienten. Der Geltungsbereich umfasst neben Menschen, bei denen der Sterbeprozess bereits eingesetzt hat, auch solche, bei denen eine wahrscheinlich tödlich verlaufende Krankheit diagnostiziert wurde, sowie Personen, die medizinische Hilfe zur Beendigung ihres Lebens wünschen. Ein Kapitel über ethische Grundsätze erläutert das Recht auf Selbstbestimmung, den sozialen Kontext der Selbstbestimmung, die Begriffe «Lebensqualität» sowie «Leiden» und «Leidenslinderung». Weitere Themen betreffen die Wichtigkeit der Klärung des Behandlungsziels sowie der Betreuung der Angehörigen. In den beiden folgenden Kapiteln werden Anleitungen zum Gespräch über Sterben und Tod und zum Umgang mit Sterbewünschen gegeben. Das Kapitel über Entscheidungsprozesse legt grossen Wert auf die gemeinsame Entscheidungsfindung und die Vorausplanung von Behandlung und Betreuung. Bei den «Handlungen, die -möglicherweise oder sicher -den Eintritt des Todes beschleunigen» werden drei Kategorien unterschieden: 1. allgemein akzeptierte Handlungen, wie Unterlassung und Abbruch lebenserhaltender Massnahmen, Linderung von Schmerzen und anderen Symptomen sowie Sedierung; 2. kontrovers diskutierte Handlungen, dazu gehört die Suizidhilfe und das Unterstützen des freiwilligen Verzichts WEITERE ORGANISATIONEN UND INSTITUTIONEN SAMW 790 SCHWEIZERISCHE ÄRZTEZEITUNG -BULLETIN DES MÉDECINS SUISSES -BOLLETTINO DEI MEDICI SVIZZERI 2018;99(24):790-792 Published under the copyright license "Attribution -Non-Commercial -NoDerivatives 4.0". No commercial reuse without permission.
doi:10.4414/saez.2018.06833 fatcat:xeqofzc3lnffxpztp7rwbiwuq4