Zur Lehre von den Extrauterinschwangerschaften1)

Albert Sippel
1892 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Wenn eine Frage so sehr im Vordergrund des gynäkologischen Interesses steht, wie die der Extrauterinschwangerschaften, so darf wohi ein jeder auch noch so kleine Beitrag als willkommen gelten, welcher versucht, der Sache nene Gesichtspunkte abzugewinnen oder bereits bestehende therapeutische Vorschläge zu bestätigen. Dies veranlasst mich, aus der Reihe der von mir beobachteten, hierher gehörigen pathologischen Zustände einige zu veröffentlichen, von denen ich annehmen muss dass sie auch in
more » ... ss sie auch in weiterem Kreise von einem gewissen Interesse sind. Eine 29jährige, gesunde Frau, welche vor sieben Jahren einma' geboren hatte und seither steril war, kam ait mir wegen einer Beschwerden maclienden Retroflexio uteri. Dieselbe wurde reponirt, und der Uterus durch Pessar fixirt. Nach einiger Zeit kam die Patientin und theilte mir mit, die Periode sei seit vierrehn Tagen ausgeblieben, und sie halte sich für schwanger. Einige Tage darauf wurde unter wehenartigen Schmerzen und mässigem Blutabgang ein häutiges Gebilde ausgestossen. Patientin glaubte, abortirt zu haben. Sie blieb einige Tage zu Bett, fühlte sich dann aber völlig wohl, verlor weder Blut noch Schleim und ging ihrer gewohnten Thätigkeit nach. Drei Wochen nach diesem vermeintlichen Abort toaten eines Vormittags heftige Schmerzen in der rechten Unterbauchgegend auf, nachdem schon zwei Tage lang an der gleichen Stelle ein unbehagliches, ziehendes Gefühl bestanden hatte. Trotz der heftigen Schmerzen wurde nicht nach Hülfe geschickt. Man führte dieselben auf Darmbeschwerden zurück und versuchte Hausmittel. Das Verfallen der Patientin machte schliesslich die Angehörigen besorgt, und spät abends wurde ich benachrichtigt. Ich fand die Frau pulsios, mit anämischem Erbrechen, nicht mehr völlig bei Bewusstsein, kurz, unter dem Bilde extremster innerer Verbiutung. Der Zustand erlaubte keinen Eingriff mehr. Es wurden die entsprechenden Maassnahmen getroffen, um vielleicht den Collaps aufzuhalten. Bald darauf war die Patientin eine Leiche. Die Section ergab -das Unwesentliche fortgelassen: Die Bauchhöhle hoch hinauf mit Blut gefüllt. Der Uterus vergrössert, weich. In ihm keine Decidua, auch nicht in der Vagina. Kein Blutabgang nach der Vagina. In der rechten Tube ein Fruchtsack mit frischer Rissstelle als Quelle der Blutung. Das Corpus luteum sass im Ovarium der anderen Seite. Im übrigen normaler Befund der Beckenorgane.
doi:10.1055/s-0029-1199378 fatcat:3e6klepm3baf5fecklmnf6tasa