Die technische Zeichnung und ihr Kehrbild. Punkt und Linie aus philosophischer Sicht [report]

Miriam Ommeln
2018
Zeichnung, und so verwundert es nicht, dass die erhalten gebliebene Faszination oder Abneigung gerade gegenüber der technischen Zeichnung bereits implizit auf ihre dialogische Struktur hindeutet, und keineswegs nur auf ihre vermeintlich rein neutrale Sachlichkeit. Betrachtet man daraufhin einmal eine beliebige konkrete technische Zeichnung (z. B. Abb. 1), ohne Bemaßung, da die Darstellungen allgemein maßstabsgetreu sind, also ohne Ablenkung, dann fallen einem folgende hervorstechende Merkmale
more » ... techende Merkmale ins Auge: Abb. 1: Aktuelle technische Zeichnung einer Filteranlage. Aus dem Archiv der Autorin. Urheber nicht feststellbar. Die technische Zeichnung ist in Schwarz-weiß gehalten. Die Farbe dient nicht als Ausdrucksmittel, sondern es entsteht vielmehr eine harte Kontrastierung. Ein Lichteinfall wäre schattenlos zu konzipieren und die Ausleuchtung des Dargestellten homogen, sodass im Endeffekt im Gesamtszenario lediglich die vorgegebenen Grundlinien und Punkte sichtbar gemacht werden. Jede mögliche, zwischen ihnen liegende Musterung oder Oberflächenbeschaffenheit wird eintönig und überflüssig. Dadurch vermag die Darstellung einen seltsam materielos und insgleichen ätherisch-kompakt anmuten. Die räumlich nur mühsam auszumachende Fixierung des Dargestellten innerhalb der Achsen eines unwillkürlich mitgedachten Koordinatensystems unterstreicht diesen Eindruck, − lediglich ein mit Vorwissen ausgestatteter Betrachter kann wohl ohne Weiteres darauf hinweisen, wo sich die tatsächlichen
doi:10.5445/ir/1000086918 fatcat:m2wnrx4sbzbvbop64kykyxzany