Strikes in the GDR: Causes, courses of action and dimensions

André STEINER
2019 Social Pathology and Prevention  
Im vorliegenden Beitrag wird auf den ersten landesweiten Streik im ehemaligen Ostblock eingegangen, der im Juni 1953 in der DDR stattfand, sowie auf dessen Ursachen und Folgen. Im Anschluss daran werden einzelne Probleme und Möglichkeiten von Streikaktionen in der frühen Nachkriegszeit und in der Zeit der sowjetischen Besatzung behandelt. Im Verlauf der sozioökonomischen Transformation der sowjetischen Besatzungszone in Deutschland hatte man sich teilweise der Streikaktionen bedient, um gegen
more » ... bedient, um gegen private Unternehmen vorzugehen. In den frühen 1950er Jahren wurde jedoch nur wegen schlechter Arbeits-und Lebensbedingungen der Arbeiter gestreikt, oder wenn sich die Arbeiter misshandelt fühlten. Das grundlegende Problem von Streikaktionen unter den Gegebenheiten eines sozialistischen Systems war es: Die kommunistische Partei legitimierte ihre Herrschaft als "Arbeiter-und Bauernmacht", wodurch das Staatseigentum als "Volkseigentum" anzusehen wäre und die Arbeiter also nicht gegen sich selbst streiken könnten. Die Intensität von Streikaktionen hatte in der DDR nie wieder das Ausmaß wie in den Wochen von Juni bis Juli 1953 erreicht. In der Zeit nach dem Jahre 1953 bis zum Jahr 1989 fanden keine größeren Demonstrationen für Arbeiterrechte oder gegen die SED-Verwaltung mehr statt. Streiks gab es aber immer noch. Trotz gemeinsamer Unterschiede wiesen sie bestimmte Eigenschaften und Vorgehensweisen auf, die im folgenden Text behandelt werden. Die Anzahl der Beteiligten an den Streikaktionen blieb nach dem Jahr 1953 innerhalb von Grenzen der Bewältigungsmöglichkeit. Dazu wurden Streiks schnell und aufgrund bestimmter kontroverser Themen eingeleitet und fanden daher spontaner statt. Auch nach 1953 blieben die Fragen der Belohnung und der Arbeitsnormen meist die Konfliktthemen, etwa also die Fragen des Einkommens. Diese typischen Merkmale hatten sich bis Ende der 1950er Jahre entwickelt und blieben danach schon erhalten. Trotzdem änderte sich die Zahl der Streikaktionen bis zum Ende der DDR-Zeit erheblich: Anfang der 1960er Jahre kamen sie noch relativ häufig vor, während ihre Intensität in den Jahren der Wirtschaftsreform stark abnahm. Obwohl die Zahl Ende der 1960er Jahre infolge aktueller Wirtschaftskrise zeitweilig wieder zunahm, verloren Streiks in den 1970er und 1980er Jahren allmählich an Bedeutung, wobei die Zahl der Beteiligten wesentlich zurückging. Die Ursachen dieser Entwicklung werden am Ende des Beitrags zusammengefasst. Abstract At the outset, this paper deals with the first nationwide strike in the Eastern Bloc, which took place in the GDR in June 1953, and its causes and consequences. Following this, it presents the particular problems and the possibilities for strikes during the initial postwar period and the period under the Soviet Occupation. As part of the socio-economic transformation of the Soviet occupied zone in Germany strikes were partially used in order to take action against private entrepreneurs. However, in the early 1950s strikes were called over bad working and living conditions or because the workers felt aggrieved. Hereafter, the fundamental issue of strikes within the conditions of a socialist system is: The communist party legitimized its rule as a "workers and peasants power" with the state property being seen as "people's property" and hence workers could not go on strike against themselves. In the GDR, strikes never reached the extent of the ones in the weeks of June/July 1953. After this event until 1989, no larger scale demonstrations of workers for their rights or against the SED rule took place. Nevertheless, there were strikes; despite their differences, they showed certain characteristics and courses of action which are presented next. The numbers of people involved in strikes remained within manageable limits after 1953. Furthermore, strikes were initiated quickly and due to certain controversial subjects and therefore happened more spontaneously. Even after 1953 the subjects of the conflicts were mostly questions of wages and work norms, i.e. the income. These typical characteristics developed until the end of the 1950s and were preserved after. Nevertheless, the number of strikes changed considerably until the end of the GDR: at the beginning of the 1960s, they were still relatively high, but in the years of the economic reform declined sharply. Although numbers increased noticeably at the end of the 1960s, due to the economic crisis, strikes increasingly lost their importance throughout the 1970s and 1980s, with the numbers of participants decreasing drastically. The causes for this development are explained at the end of the paper. Keywords strike, GDR, East Germany Als am 16. Juni 1953 die Ostberliner Bauarbeiter ihre Arbeit niederlegten und zum Haus der Ministerien nahe der Grenze zu den westlichen Sektoren und Sitz der wichtigsten DDR-Ministerien zogen, war das der Auftakt zu dem bedeutendsten, aber bis 1989/90 auch dem einzigen großen Streik in der DDR, wenngleich es auch später immer wieder zu Arbeitsniederlegungen -wie die Streiks von der SED bezeichnet wurden -kam. Daraus entwickelte sich am Folgetag, dem 17. Juni 1953 -der als Chiffre für diese Ereignis gilt -ein
doi:10.25142/cep.2018.005 fatcat:5c2ivcsv5rb35daiksrelzzgam