Über moderne lichtechte Tapeten

Paul Krais
1911 Angewandte Chemie  
Jedermann weil3, daU che meisten Tapeten nach kurzer Zeit am Licht ihren Parbton andern, indeni sie teils verschieBen, teils braun werden. Am Braunwerden ist der Uriistand schuld, daB holzstoffhaltiges Papier zur Herstellung der Tapeten verwendet wurde. Das Braunwerden ist daher meist bei hellen Tapeten zu beobacliten, bei denen das aufgedruckte bluster nicht die ganze Papierflache bedeckt. DRs Verschieflen kornmt selbstverstindlicli in erster Linie von der Liclitunechtheit der beini
more » ... er beini Tapetendruck zur Verwendung kommenden Farbatoffe her. Bei der Tapetenfabrikation, wie sie heutzutage ausgeubt wird, unterscheidet man eine Anzahl von ivarengattungen. die nacli Herstellungsneise und auch ini Preis verschieden sind. Die Papierbreite betragt in Deutschland allgemein 50 em, von denen etws 4 7 4 8 cm bedruckt werden, die Kante auf beiden Seiten wird dann vor dem Tapezieren abgesclinittcn. Die englisclien Tapeten sind 57 cm breit. Der Tapetendruck wird auf sog. endlosen Rollen ausgefiihrt, die etwa 12-1500 rn lang sind, oder auf sog. Rotationsballen, die 7000-7500 m lang sind. Diese langen Bahnen werden dann zerschnitten und kommen in Deutschland als 8 m, in England als 11 m lange Rollen zum Verkauf. Man untersclieidet hauptsachlich drei Warengattungen, die Xaturelltapeten, die Fondstapeten und die lnpaintapeten. Dazu kornmen noch die h e u k nur sehr wenig benutzten Velourstapeten. Bei den S a t u r e I I tapeten wird weif3es oder in der Masse getontes oder gefarbtes Papier mit himfarbe mit einem Muster bedruckt, wahrend bei der F o n d s tapete weioes oder buntes Papier zuerst mit Leimfarbe bestrichen, grundiert wird, dann wird es auf Hingeapparaten getrocknet, wieder aufgerollt und dann erst mit dem Muster bedruekt. Fiir die I n g r a i n tapeten wird daa Ingrainpapier auf Duplexpapierinaschinen hergestellt, wobei zwei Papierbahnen, eine gewohnlichc und eine mit feinen Wollfasern bedeckte, zuammenlaufen. Dieses Ingrainpapier wird entweder sehon auf der Papiermaschine auf der WolJseite eingefarbt oder nachher auf einer sog. Grundiermaschine gefiirbt, wie es jetzt fast allgernein ublich ist. Daa so grundierte Ingrainpapier wird dann mit Lasurfarben betlruckt. Bei der gewohnlichen Tapete sind sowohl Grundierals Druekfarbe whserige Pasten, die neben dem Farbstoff einen pflanzlichen oder tierisohen h i m oder Casein enthalten. Ch. 1911. Die Farbpasten werden mittels Druckwalzen auf die Papierbahn aufgetragen. Auf diesen Walzen ist das Muster gewohnlich ins Holz gestoehen oder mit Measingblech-und -draht eingesetzt. GroDe Flachen werden mit Filz, der in die Messingkonturen mit Schellack befestigt wird, hergestellt. Daa Muster wird in einer oder mehreren Farben ausgefuhrt, fur jede Farbe dient eine besondere Walze, und je nach der Art des zu erzielenden Endeffekts geht die Tapete ein-oder mehrerernal durch die Druckrnaschine. G 1 a n 2 t a p e t e n nerden vor dem Druck mit einer Burstmaschine behandelt. G o 1 dund B r o n z e e f f e k t e werden durch Aufdrucken eines speziellen Goldleims hergestellt, endlieh werden noch verschiedenartige Reliefpragungen, wie MoirB, Damastfiguren usw. auf sog. Gaufriermaschinen hergestellt, die aus einer harten Metallnalze bestehen, in die das Muster eingraviert ist, und die gegen eine weiche Walze aus geprel3tem Papier aufgeprel3t wird. Zwischen diesen Walzen geht dann die Tapetr hindurcli. I n gtlnz ahnlicher Weise werden die sog. Salubra-, Lincrusta-, Ledertapeten usw. hergestellt, nur daB hier statt wiisseriger Pasten Olfarben und Firnisse aufgedruckt werden. Zur Herstellung der S a -1 u b r a t a p e t e n wird eine Schieht von mit groDer Sorgfalt hergestellten Olfarben, deren Reinheit und Liehtechtheit vorher untersucht wurde, auf ein in besonderer Weise hergestelltes Pergamentpapier aufgetragen; dies ist also der Fond, die Grundierung, und hierauf werden nachtraglich wieder echte Olfarben gedruckt. Das Ganze wird dann unter einem Druck von 230 Atm. gewalzt, wobei zugleich beliebige Reliefmuster eingepragt werden konnen. Es ist selbstverstandlich, daB auf diesern Wege eine Wandbekleidung hergestellt wird, die vie1 haltbarer ist, als eine gewohnliche Papiertapete, auBerdem ist sie abwaschbar, also auch in sanitarer Beziehung zweckmafliger. Die Lichtechtlieit ist ausgezeichnet. Auch einem olfarbenanstrich gegenuber bietet eine solche Tapete Vorteile, sie ist baser waschbar als ein Olstrich und wird nicht rimig, wie dies bei einem Olstrich auf die Wand ja unvermeidlich ist. Eine Abart dieser Tapete ist Tekko, eine Tapete, die als Ersatz fiir Wandbekleidung mit Webstoffen empfohlen wird. Tekko wird auch auf eine Art Pergamentpapier gedruckt, und zwar mit Metallpulver, das nsch eigenen neuen Verfahren der Salubrafabrik liehteeht gefarbt und so prapariert ist, daD ea sich nicht an der Luft oxydiert, also nicht triibe und matt wird. Disser Metalldruck wird dann ebenfalls mit Reliefmustern gepragt. Die Vorteile vor Wandbespannungen mit Webstoffen sind folgende: garantierta Lichtechtheit, Tekko nimmt keinen Staub auf und kann im Gegensate 61
doi:10.1002/ange.19110241102 fatcat:eynyxw4f4bclno3mdzanoj5eve