Kasuistischer Beitrag zum Fleckfieber

D. Pletnew
1922 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
in Moskau. I)ie intrauterinc Erkrankung des Fötus bei ciller lr)eckfieberinfektion der Mutter ist von besonderem Interusse. Ich kann hierzu einen kurzen Beitrag liefern. Frau L. macht im O. Monat ihrer Schwangerschaft,. Herbst 1918, einen mittelschweren Flecktyphus ohne Komplikationen durch. Anlang 1919 glückliche Geburt. Kind vollkommen gesund bis zu Fehruar 1922. Im F.ebruar erkrankt der Vater an schwerem Flecktyphus. Zu derselben Zeit erkrankt auch das Kind. Die Mutter, die beide Kranken
more » ... e beide Kranken pflegt, bleibt vollkommen gesund. Während des schweren \íerlaufes der Krankheit beim Vater war ich dreimal zum Konsilium om 1-lausarzte zugezogen und habe zur gleichen Zeit auch das Kind gesehen. Vatei und Kind slid beide genesen. Beim Kinde war der Verlauf der Krankheit ganz leicht. Bei dieser Familienerkrankung sind mehrere Fragen von Interesse. 1. Dic Frage von der Ansteckung. Der Vater konnte sich ungezählte Male überall infizieren bei unserer kolossalen Pandemie. Das Kind, als das einzige in der Familie, deshalb also besonders überwacht, hatte kaum Gelegenheit sich außer des Hauses zu infizieren. !st das der Fall, so bleibt es fraglich, warum die Mutter nicht infiziert wurde, da das Kind in demselben Zimmer schlief und spielte. Wegen unserer Wohnungsverhältnisse stand das Bettchen des Kindes dicht an der Seite des Bettes der Mutter. Von der Immunität der Mutter gegen Flecktyphus können wir kaum sprechen, da wir in Rußland mehrere Fälle von Flecktyphusreinfektion gesehen haben, Ich selbst verfüge über d r ei re h n Fälle solcher Reinfektion, wobei das größte Intervall zwischen beiden In. lektionen 40 Jahre gewesen ist -der bekannte Pathologe Prof. L., (lie ZWCI kürzesten waren: I Jahr Dr. G., Assistent meiner Klinik, md Studentin J. ein halbes Jahr. In unserem Fall L. muß man also annehmen, daß trotz aller Möglichkeiten die Infektion der Mutter doch nicht stattgefunden hat. Oh die Krankheit des Kindes als Reinfektion oder als erste Infektion betrachtet werden muß, ist sicher nicht zu entscheiden. Die Leichtigkeit des Krankheitsverlaufes beweist nichts, denn a) der Verlauf des Flecktyphus bei Kindern ¡st nach unserem Massenmaterial im allgemeinen leichter als der Verlauf bei Erwachsenen, b) der Flecktyphus braucht bei seiner Wiederholung nicht leichter zu sein als die erste Erkrankung. In meinen Fällen hat z. B. Prof. L. mit ñ5 Jahren seinen zweiten Typhus sehr leicht durchgemacht im Vergleich zur ersten schweren Erkrankung. Ebenso Studentin J. Im Gegenteil ist Dr. Sch. bei seiner zweiten Erkrankung nach überstandenem (vor 6 Jahren) mittelschweren Flecktyphus unter den bei Erscheinungen einer schweren Enzephalitis gestorben. Dr. W. ¡st auch an typhöser Enzephalitis gestorben. Sein erster Flecktyphus vol. 15 Jahren war schwer. Infolgedessen können wir weder-ja, noch nein über die vermutete intrauterine Erkrankung des Kindes sagen. Eines bleibt ohne Zweifel: während der Krankheit hat die'schwangere Mutter dem Kinde keine absolute Immunität übertragen. Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.
doi:10.1055/s-0028-1136296 fatcat:pj6obtgvgremlie2u7fihgxnw4