Beitrag zu den posttyphösen Knocheneiterungen

Ernst Unger
1901 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Wenn auch in den letzten Jahren eine Reihe von Fällen typhöser Erkrankungen der Knochen und Knochenhäute bekannt geworden sind, so gehört die Kenntniss dieser Erkrankungen doch noch nicht zum (kerneingut der Aerzte, und es mag daher im Anschluss an einen beobachteten Fall gestattet sein, von neuem darauf hinzuweisen. Es ist ja für den Arzt nicht schwer, die Ostitis oder Periostitis typhosa zu erkennen, es ist, um Fou rnier's Worte von der Diagnose des Lippenschankers zu gebrauchen, nicht
more » ... uchen, nicht schwer, wenn er daran denkt, -wohl aber, daran zu denken. Im vorliegenden Falle handelt es sich um einen 20jährigen Kaufmann, der vor drei Jahren wegen einer Psychose in Daildorf mehrere Wochen zubrachte, sonst stets gesund, vom 20. August bis 15. Oktober 1900 wegen eines Abdominaltyphus auf der inneren Abtheilung des jüdischen Krankenhauses lag. Aus der Krankengeschichte sei nur hervorgehoben, dass der Patient mehrere Tage stark delirirte, sich häufig im Bett hin-und herwarf und nur mit Mühe im Bett zu halten war. Aus dem Krankenhause entlassen, war Patient bis Anfang Februar 1901 gesund. Er bemerkte damals unterhalb des rechten Ellenbogengelenks an der ulnaren Seite des Vorderarmes eine Anschwellung, auf Druck empfindlich, sich vergrössernd, weswegen er am 25. Februar 1901 die äussere Poliklinik aufsuchte: Man fühlte vierFinger breit unter dem rechten Olekranon auf der hinteren medialen Fläche der Ulna eine etwa wallnussgrosse Schwellung der Weichtheile, die, bis auf den Knochen gehend, sich von diesem nicht trennen lässt, gegen die Umgebung nicht scharf abgegrenzt. Der Knochen erscheint leicht verdickt und ist auf Druck schmerzhaft. Eine kleinere, aber nicht so schmerzhafte Anschwellung findet sich dicht unterhalb des rechten Radiusköpfchens. Den 26. Februar 1901 Operation: Durch eine Längsinzision über die Höhe der ulnaren Schwellung gelangt man in eine etwa wallnussgrosse, kaum einen halben Theelöffel Eiter enthaltende Abszesshöhle, deren Virände von leicht blutenden Granulationen ausgefüllt sind. Der Eiter ist dünnflüssig, von graurother Farbe. Die Sonde stösst in der Tiefe sofort auf das rauhe Knochengewebe der Lina, die sich leicht freilegen lässt. Es gelingt ohne Schwierigkeit, mit dem scharfen Löffel einen etwa 1 cm langen, /2 cm breiten Sequester zu entfernen; die Sonde gleitet jetzt 1) Gern hätte der Verfasser selbst die mancherlei noch vorhandenen offenen Fragen, insbesondere über die Dauer des Vorkommens des Bacillus während der Krankheit, erledigt. Indessen machen äussere Umstände die Fortsetzung der Arbeiten in absehbarer Zeit unwahrscheinlich, und deshalb erfolgt die Veröffentlichung schon jetzt. 522
doi:10.1055/s-0029-1186997 fatcat:adkiwsaukrhzzelg7z7mdmzthe