Berufspädagogik als technische Gebrauchsanweisung? Ausgewählte empirische Ergebnisse einer Absolventenbefragung der Universität Karlsruhe

Dieter Münk
unpublished
Die Wellen in der Debatte zur Gewerbelehrerbildung schlagen (wieder einmal) hoch: Drama-tische Zahlenreihen hat man in Stuttgart und anderswo entdeckt, und seit etwa zwei Jahren jonglieren die Ministerialen mit alarmierenden, ja geradezu ,aufrüttelnden' Hiobsbotschaften: In einem Bereich, der wie kaum ein anderer statistisch dokumentiert und daher für einiger-maßen verlässliche Entwicklungs-und Bedarfsprognosen geeignet ist, erwächst quasi urplötz-lich eine fehlende Bedarfsdeckung, hat
more » ... ckung, hat sich-gleich einer unausweichlichen Naturgewalt-eine Schülerwelle aufgetürmt. Zugleich rollt-ebenso überraschend wie unausweichlich-eine Pensionierungswelle großen Umfangs auf das berufliche Schulwesen zu. Und zu alledem kommt hinzu, dass die seit der Akademisierung der Gewerbelehrerausbildung zuständigen Universitäten allenfalls ein Drittel der jährlich erforderlichen Ersatzkapazitäten produzieren, weil die Studierenden in attraktivere Beschäftigungsverhältnisse der Wirtschaft streben. Die Zahl der von den Kultusverwaltungen der Länder ausgegebenen Losungen, Lösungen und sonstiger-formulieren wir vorsichtig-kreativer Notausgänge, Seiten-und Quereinstiege wächst beinahe täglich. Und die jenseits der Politik betroffenen Akteure aus der Wissenschaft und aus den Verbänden der Lehrerbildung sind zwischen den klugen Professionalisierungs-debatten und der notwendigen Verwaltung des Mangels hektisch darum bemüht, traditionelle Standards der Gewerbelehrerbildung, aber-auch dies sei gesagt-natürlich ebenfalls ihre berufsständischen Interessen zu wahren. Als sei dies noch nicht genug, stehen nun auch die Fachhochschulen ante portas und drängen in Münster, Mannheim, Ulm und anderswo-beflü-gelt durch den bildungspolitischen Rückenwind einsetzender Hochschulreformen, insbeson-dere aber legitimiert durch die formale Gleichstellung von Master-Abschlüssen der Universi-täten und der Fachhochschulen-zunächst mit Modellprojekten ebenfalls in die Lehrerbildung hinein-zumindest im gewerblich-technischen Bereich. Angesichts der normativen Kraft des Faktischen, angesichts auch der Zwänge staatlicher Beschulungsverpflichtungen sowie der statistisch in beeindruckender Klarheit nachzuweisenden objektiven Mangelsituation geraten dabei wichtige didaktisch-curriculare sowie konzeptionelle Debatten um die Professionalisie-rung, um die Einheitlichkeit der Lehrerbildung bzw. um die vertikale Differenzierung der Lehrerbildung für das berufliche Schulwesen in einer Besorgnis erregenden, wenn auch nach-vollziehbaren Weise in den Hintergrund der Aufmerksamkeit. Es herrscht der technokratische Sachzwang; und in solcher Sachlage sind curriculare, konzep-tionelle oder gar professionspolitische Überlegungen-frei nach Mendel-eher rezessiv als dominant. Dies ist, wie jeder, der die seit Jahrzehnten zyklisch auflebende Debatte kennt, nichts neues. Zum Beleg ein sozusagen prophetisches Zitat, welches 1982 die Situation des Jahres 2001 präzise beschreibt:
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