Klemens Kaps, Ungleiche Entwicklung in Zentraleuropa. Galizien zwischen überregionaler Verflechtung und imperialer Politik

Stefaniya Ptashnyk
2017
Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen und die Sächsische Landesbibliothek -Staatsund Universitätsbibliothek genügend Vergleichsbeispiele. Im dritten, "Polen und die sächsische Architektur" überschriebenen Abschnitt sind zwei Texte enthalten, Krzysztof G o m b i n befasst sich mit dem Palast Eustachy Potockis in Radzy Podlaski und Anna O l e s k a mit den künstlerischen Kontakten Jan Klemens Branickis mit dem Hof Augusts II. und Augusts III. sowie mit Heinrich Brühl und dem Königlichen
more » ... Die Analyse zweier monumentaler Palastanlagen des polnischen Adels -der Potockis in Radzy Podlaski sowie der Branickis in Białystok -und der unterschiedlich stark ausgeprägten Beziehungen zum Sächsischen Bauamt in Warschau geben Einblicke in eine im deutschsprachigen Schrifttum bisher wenig beachtete Seite der sächsisch-polnischen Beziehungen. Hier wird endlich der internationale und interdisziplinäre Blick gewagt. Der abschließende vierte Teil widmet sich dem Thema "Brühl und die barocke Kultur" in vier Texten. Ute Christina K o c h geht auf Brühl als Mäzen ein, Ulrich P i e t s c h auf dessen Porzellansammlung, Sabine W i l d e auf die Beziehungen zu dem Bildhauer Gottfried Knöffler und Ulrike K o l l m a r auf "Repräsentation durch Musik: Die Kapelle des Grafen Heinrich von Brühl". Es handelt sich durchweg um hochklassige Aufsätze, die Brühl als Mäzen und Förderer sowie als Sammler und Auftraggeber (hierzu werden von Koch, Wilde und Kollmar im Rahmen von Dissertationsprojekten ganz neue Forschungsergebnisse eingebracht) von Architektur, Kunst und Musik zeigen. Pietsch beschreibt Brühl als den Hauptauftraggeber der Meissner Porzellanmanufaktur, der sich die heute berühmtesten Services eben nicht zur persönlichen Bereicherung anfertigen ließ, sondern um damit Marketing zu betreiben und den Verkauf der Porzellane anzukurbeln. Ein kleiner Fehler sei angemerkt, der sicher nur dem Eingeweihten auffällt, allerdings das verzerrte Geschichtsbild über Brühl befördert. Wilde schreibt auf S. 148 über das Brühlsche Galeriegebäude: "Der Umbau des vormaligen Stallgebäudes zur Gemäldegalerie im Auftrag Brühls wurde vom Oberlandbaumeister Knöffel geleitet und 1747 abgeschlossen." Dazu ist Folgendes anzumerken. Das kurfürstliche Stallgebäude am Jüdenhof, das heutige Johanneum, wurde in den Jahren 1745/46 durch Johann Christoph Knöffel zur königlichen Gemäldegalerie umgebaut, welche dort bis 1855 untergebracht war. Die Brühlsche Gemäldegalerie wurde 1742-1744 im Garten auf dem Wall, der heutigen Brühlschen Terrasse, ebenfalls von Knöffel errichtet. Der lang gestreckte Bau bestimmte den berühmten Blick auf die Dresdner Altstadt von der Neustädter Seite her. Hierbei sei auf die Ähnlichkeit des Gebäudes mit der Bildergalerie Friedrichs II. von Preußen in Sanssouci verwiesen, die ab 1754 errichtet wurde. Sie gilt bis heute im Allgemeinen als älterer Galeriebau. Nur war Brühls Bau bereits mehr als 10 Jahre früher fertig gestellt und übertraf in seinen Dimensionen und der Fülle der Gemälde den Potsdamer Bau um Längen. Insgesamt bleibt festzustellen, dass der vorliegende Band nicht nur einen weiteren Baustein in der Rehabilitierung und Neubewertung Brühls, sondern auch eine wichtige Grundlage für zukünftige Forschungen darstellt. Dresden Martin Schuster
doi:10.25627/201766310246 fatcat:oiok3e45v5hufbhh7zpptl25xy