Ueber Platina. Altes und Neues

J. S. C. Schweigger
1845 Journal f�r Praktische Chemie  
In einem Schreiben an Professor M a r c h a n d.) *) Histoire de la Chimie depuis les temps Ees plus reeule's, jusqn' 6 notre e'poque, contenant une analyse ddtaillde des manuscrits alchimiques de la bibliothkque royale de Paris etc. etc. par l e Or. F e r d . L l o e f e r . Tom. I. et II. ir Paris 1842 et 1843. 25 Journ. f. prnkt. Chemie. XXXIV. 7. S c h w e i g g e r : U e b e r P l a t i n a . in H 6 f e r' s Buche vorkommen , dessen zwei ersten Theile dieselbe Zeitperiode umfassen. Statt
more » ... e umfassen. Statt jedoch von dem eben SO inhaltreichen als schon geschriebenen Buch im Allgemeinen zu sprechen , will ich eine Probe daraus mittheilen, welche sich auf die zuerst von H o f e r gegebene R'achweisung bezieht , dass PZulina, deren Fundorte sich neuerdings stets vermehrten, dem Alterthum nicht so fremd war, als man sich einzubilden pflegt. Schon bei dem Abschnitte, welcher von der Chemie der Aegyptier, Phiinicier und Hebruer handelt, kommt der VerIasser S. 47 auf einige Metallverbindungen, welche den Benennungen xuoairtqo~ und stannum bei den Griechen und Komern zu entsprechen scheinen, W o r t e deren Uebersetzung nur Philologen leicht wird, welche nicht darauf achten, ob alles , was vom Metal1 ausgesagt, zu der vorausgesetzten Natur desselhen passe. Bei der Chemie der Griechen und Romer beginnt H 6 f e r den Abschnitt vom Zinn S. 132 mit dcn Worten, dass eine grosse Dunkelheit in griechischen und romischen Schriftstellern herrsche hinsichtlich auf den Gebrauch der Worte stannum , plumbum album, plurnburn argenbarium, cassiteros (xaaohcpg) , obwohl man gewiihnlich sich begniige, diese Ausdriicke durch Zhn zu iibersetzen. Nachdem er Stellen angefuhrt , die allerdings anf das Zinn passen sagt er Folgendes, was ich am liebsten mit seinen eigenen Worten darlegen will (S. 133j: Qiiant au mCtal que l'on rencontrait dans l.es mines d'or (elutia) et qui , aprks le lavage du minkrai, se prbentaif sous la f o m e de calculs noirs variks de taches blanches, 2G peu prds du mime p o k k que t o r , e t se trouvant p$le-m≤ avec les sables aurifhres au fond des corbeilles destinees recueillir ce metal, ce n'est la certainement pas I'ktain "). Quel Ctait alors ce metal blanc, et aussi pesant que l'or? -Ce rnktal ne pouvait Ctre que le platine. D'ailleurs, il n'est pas etonnant que les anciens aient connu le platine puisque ce metal se rencontre souvent dans les mines #or, et qu'il s e presente, ainsi que l'or, avec l'aspect qui le charactkrise. *) In der Note wird folgende Stelle angerihrt: fnveniuntur feac arenae) e t in aurariis metallis, quae eIutia vocant, aqua immissa eluente calculos n i p s paulum candore variatos, quibus eadem graritas quae auro , et ideo i n calathis, in quibus aurnrn colligitur, remanent cum eo. Plin. XXXIV. 16. S c h w e i g g e r : U e b e r Platina. 387 Und hieran will ich nun folgende Bemerkungen reihen, welche sich auf die verschiedenen Benennungen der Platina im Alterthume beziehen. I. Platina als w e i s s e s B l e i Don P l i n i u s bezeichnet. Man darf nur die von H o f e r in der Note angefiihrte Stelie des P l i n i u s lesen, um sich zii uberzeugen , dass die von ihm gegebene Erklarung die einzig mogliche ist. Denn ein &tall, welches zugleich mit Gold im Flusssande vorkommt und bei der Auswaschung, taeil es gteiche Schwere mit Bold hat, neben ihm zuriickbleiht, was sol1 es anders sein als Platina? -Dennoch hat Niernand vorher die Stelle richtig verstanden. B e c k m a n n in seinen Beitrageta zur Geschichte der Erfilldungen (Bd. IV. S. 321 -381) schrieb eine lange und gelehrte Abliandlung iiber das Zinn und machte-aufrnerksam, dass man allgemein glaube, das Zinn sei schon zu den Zeiten des H e r o d o t , H o m e r und M os es bekannt gewesen. Dennoch fiigt e r bei: "Das Zinn gehort zu den Metallen, welche die Natur nicht gediegen darstellt, und wurde bisher nur in wenig Landern gefunden. -Bedenklich scheint mir auch der Umstand, dass man unter den griecliischen und romischen Alterthiimern entweder nie oder hochst selten und zweifeb haft zinnerne Sachen gefunden hat, da doch Zinn in der Luft, im Wasser und in der Erde unveranderlich bleiht , wenigstens an Dauerhaftigkeit das Kupfer und Blei weit iibertrim, von welchen Metallen gleichwohl Alterthiimer nicht selten sind." -Dessenungeachtet kommt B e c k m a n n nicht auf den Gedanken, dass auf Platina passe, was P li n i u s von dem sogenannten weissen Blei sagt, welches er so ganzlich unterscheidet von dem schwarzen oder gewohnlichen Blei, dass man sogleich merkt , es sei von einem durchaus verschiedenen Metalle die Rede, dessen Schwere blos zu einer Vergleichung mit dem Blei Veranlassung gab, obwohl es bei seinem bezeichneten Vorkommen neben Gold im Sande der Fliisse ein weit helleres Ansehen hatte, was ehen durch den Zusatz webs angedeutet werden sollte. -F o n r c r o y , der im Systdme des co9maissances chimiques stets historische Bemerkungen jedem Artikel voraussendet, meint, P l i n i u s habe Zinn unter weissem Blei verstanden. Jedoch P 1 i n i u s natinte , wie schon 25 * 388 S e h w e i g g e r : U e b e r P l a t i n a . B e c k m a n n hervorhebt , das silberhaltige Blei statsnuna*), was er ausdrucklich mit dem Zusatze sagt: "aus dem weissen Blei kann man lrein Silber ausschmelzen, wohl aber aus dern schwarzen." Ja, er fugt sogar bei, "Silber sei schmelzbarer als dieses weisse Blei, und lasse sich eben deswegen damit nicht lothen; uberhaupt sei dieses weisse Blei unvermischt mit andern Metallen zu nichts zu brauchen." Das heisst doch offenbar: man fand hei der Bearbeitung dieses sogenannten weissen Bleies, d. h. des im Flusssande neben Gold vorkommenden rohen Platins, viele Schwierigkeit und konnte blos legirt mit andern Metallen es verarbeiten. Wirklich hat erst in unsern Tagen W o 11 a s t o n die Verarbeitung des reinen Platins gelehrt, das noch jetzt nicht irn Ofen zu schmel-Zen ist ohne Zusatz anderer Metalle. 11. Platina mit dem Namen xaooltrpoc. P l i n i us sagt, das plumbum album sei ein sehr kostbares Metall, von deli Griechen xaaaizrpog genannt, und erinnert, dass dieses Metall schon zu trojanischer Zeit bekannt gewesen nach dem Zeugnisse Ho m e r's **). Demnach ware xuoahQoc bei Ho -
doi:10.1002/prac.18450340144 fatcat:v3l4irnzvvgn5nkebmccqex3eu