Ueber Amblyopie und Amaurose bei Bright'scher Nierenkrankheit

A. Wagner
1857 Virchows Archiv  
{.)~ '2 ~Ll'~;t '.its ~lht}L]scllCll ]{l';/llkell]lallsc.~ Ztl ]}ilitgi~.~ Seitdem WclI das Zusammentreffeu der Wassersucht nach Scharlach und der intermittirenden Amanrose beschrieben, nach ihm Bright, Barlow u. A. Fiille yon Nierenkrankheit beobachtet haben, in deren Vertauf Amaurose sich entwickelte, seitdem endlich in neuerer Zeit Landouzy anf die Coincidenz der Albuminurie und der Amaurose aufmerksam gemacht hat, sind iiber die Amaurose in solchen F;dllen die verschiedensten Ansichten
more » ... sten Ansichten aufgestellt worden. El,st in den letzten Jahren ist man daran gegange[J, die pathologisch-anatomisehen Ver~nderungen, auf welchen die FunctionsstiJrung des Auges in solchen F~illen beruht, zu untersuchen, und mit Hiilfe des Augenspiegels die krankhaften Erscheinungen im Auge klinisch zu. efforschen. Es hat sich dutch diese Untersuchungen eine Reihe verschiedener Resuttate herausgestellt, welche, so vereinzelt sie sind, zu zeigen scheinen, dass die Amaurose in Verbindung mit Bright'scher Nierenkrankheit auf verschiedenen pathologischen Zust~inden beruhen kann, welche abel, in der Mehrzahl der beobachteten F~ille, auf eine Erkrankung der Netzhaut zuriiekzuftihren sind. Oiese Erkrankung der Netzhaut, yon Tiirk (Zeitschrift der Wiener Aerzte :1850. No. 4.) zuerst erw~ihnt, isi spiiter yon Heimann und Zenker in Dresden (Archiv ftir Ophthalmologie ]856. II. 2. S. t37) und znletzt yon Virchow (Arehiv ftir patho!ogisci~e Anatomic Bd. X. Heft :1--=-2. S. 170) in verschiedener Weise beschrieben worden, so dass es ncch zweifelhaft erscheinen kann, ob nur versehiedene Stadien eines und desselben T. Fall. M., Arbeitsmann, bekam nach einem Fieberanfall hydropische Anschwe]lung des Leibes und der Beine. Naehdem er schon einmai davon befreit war~ kam er, eines Riickfalles wegen, am 8. December 1856 in das Lazareth. Es land sich Ascites und Anasarca der Beine und leichter Bronchial-Catarrh; der Urin, ziemlich reichlich ge!assen~ zeigte reichlichen Eiweissgehalt, zahlreiche BlutkSrperchen, fast gar keine Nierenepithelze]len~ ziemlicb viel Fibrincylinder yon grossdr Blfiss% mit BlutkSrperchen und einzelnen wandst~indigen, unregelm~issig geformten~ granulirten KSrpern besetzt~ welche auf Zusatz yon Essigsfiure heifer wt:rden~ eine Membran und Kerne erkennen liessen. Bet fortdauerndem Blutgehalt des Urins nehmen die Oedeme der Ffisse ganz ab; Ueblichkeit, Leibschmerz~ Empfindlichkeit tier rechten Nierengegend treten voriibergehend auf; die Diurese b[ieb im Ganzen reichlich; unabh~ingig yon derselben scbwankten die Oedeme und erreichten in der ]etzten Zeit einen sehr hohen Grad. Die ophthalmoskopische Untersuehung ergiebt jetzt einen rosig verwaschenen hugenhintergrund; die Papilten der N. opt. nicht ganz scbarf contourirt~ yon gelbem Scheine umi]ossen~ leicht geschwelit; ein feines~ ziemlieh dichtes Geffissnetz tritt aus den Papillen. Die Gef~isse sind sehon auf der Papil[e des reehten Auges rein gesehl~ingelt; einzelne verschwinden im Bereiche der Papille selbst und deren n/[chs/er Umgebung in 1--2 Mm. Breite, das Chorioidalpigment und die Geffisse sind fiberall durchscheinend. 22t If. Fall. L., SteIlmacher, 59 Jahr alt, hat seit dem Jahre 1838 in kurzen Zwischen-r~iumen fortdauernd an hochgradriger Syphilis gelitten, und seit dem Jahre 1848 eine Parese der unteren Extremitiiten bekommen. Am 4. April d. J. wird Patient in das Lazareth aufgenommen. Er leidet seit 6 Wochen an einem eitrigen, stinkenden Ausfluss aus der Nasa, an sehr starken Oedemen der Beine, des Scrotum and der Bauchdecken. Der Urin ist sebr stark eiweisshaltig and reich an Fibrincylindern. Die Diurese ist vermindert; iibersteigt abet die eingenommene Quantit~tt Flfissigkeit. Am 23. April tritt ein schnell vor~ibergebender Anfati yon Lungenoedem auf. Enorme l)urchf~illel ein fiber die Bauchdecken sieh erstreckendes, zur Gangriin fiihrendes Erysipel, so wie aus'gedehnter l)ecubitus bringen schnell eine bedeutende Abmagerung und starken Verfatl der Kr~ifte des Patienten hervor. Die Untersuchung der Augen zeigt beiderseits eine unbedeutende Kapseltrdbung, nahe der Linsenperipherie. Die Retina leicht rauchig, r/ithlich, die Chorioides matt durchscbeinend, an Stelle der Papille des N. opt. ein unregelm~issiger rundlicher, sich mehrfach aaszackender weisslicher Plaque, aus dessert Mitte eia gelblicher gapfen hervorragt. Pie Gef~sse treten aus demselben fein, sehr zahlreich aus. l)er Kranke starb am 29. Mai d. J. --Bei der Section land sich bedeutendes Anasarka des ganzen KSrpers. l)as Sch~ideldach selerosirt. Starkes Oedem der an vielen Stelien getr/ibten Hirnhliute. Das Gehirn teigig lest, blutarm, ziemlich viel Serum in den Ventrikeln. Beide Lungen ziemlich blutreich, miissig ser6s dnrehfeuchtet. ])as fterz gesund. Die Milz 5-~ Zoll lang~ eben so breit, 2 Zoll dick, 42 Loth schwer. Kapsel stark getrfiht, stellenweise yon knochenharter Re* sistenz. Das Parenchym fest, brfichig~ rotbbraun, speckig gl~inzend. Die Leber 8~ Zoll breit, 2 89 Zo]l dick, jeder der beiden Lappen 4.} Zoll fang; yon dicker Kapsel fiberzogen, cirrhotisch. Die Nieren 5 Zoll lang, 2~ Zoll brei h 1 89 Zoll dick. Die Kapseln nicht verdickt, leicht abziehbar. Die Oberfl~che bietet auf schwachgelblicbem Grunde zahlreiche sternfSrmige Injectionen. Die Cofticalis, deutlich abgegrenzt yon den Pyramiden und stellenweise zwischen diese hineingedr~ngt, ist im Ganzen geschwellt, gelblich, fettig, an einzelnen Stellen bereits in der Schrumpfung begriffen. Die Pyramiden blass, deutlich slreifig, am freien Rande zerfasert. Die Schleimhaut des Nierenbeckens leieht injicirt. Die Schleimbaut des Magens gewulstet, venSs-hyper~misch, im iibrigen Barme die Zeichen alten Katarrbs. Die Uutersuchung der hugen zeigt ausser den erw~ihnten Trlibungen der Linsenkapsel eine ziemlich welt vorgescbrittene Verfliissigung des Glask6rpers. In feinem Ringe urn die Papille des N. opt. Atrophie des Chorinidalpigments and feine streifige, gleichmiissig weissliche Triibungen l/lags des Verlaufes der Retina-Gef/isse, in der Ausdehnung yon etwa 2--3 Linien yore Austritt aus tier Papille naeh der Macula latea hin, namentlich deutlich an dem einen huge. Die mikroskopische Untersuehung l~isst dagegen in cliesen Trfibungen nichts hbnormes nachweisen. IlL Fall. L. L., Dienstm~.dchen, 28 Jahr alt~ hat mit Ausnahme des kalten Fiehers, _ welches sie ein Jahr lang gehabt, nut noeh vor kurzer Zeit an leicbter 6ehirn-
doi:10.1007/bf01940144 fatcat:jmsufrw43rgfznizhiid2dq3ai