Zu den Beziehungen zwischen Erkrankungen der Gallenwege und ulceröser Endocarditis

J. Leva
1892 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Geht man die deutschen Lehrbücher über Patho'ogie und Therapie der internen Krankheiten durch, so wird man ebensowenig wie in deutschen speciellen Werken über Krankheiten der Leber und der Gallenwege oder über solche des Endocards etwas von den Beziehungen zwischen Cholelithiasis, Entzündung der Gallenwege und ulceröser Endocarditis zu lesen finden. Nur Eichhorst1), der sich dabei auf einen von uns unten zu besprechenden Fall stützt, führt unter der Aetiologie der ulcerösn Endocarditis "eitrige
more » ... docarditis "eitrige Entzündung der Gallenblase infolge von Gallensteinen" an. Den Franzosen dagegen ist ein solcher Zusammenhang schon eher bekannt, und ich treffe z. B. schon in einer Arbeit von M ar-tineau2) aus dem Jahre 1866 unter den Ursachen der ulcerösen Endocarditis lithiase biliaire avec angiocholite" aufgezählt. Netter und Martha3) gebührt nun das Verdienst, in letzter Zeit in einer sehr lesenswerthen Arbeit auf die Abhängigkeit ulceröser Endocarditiden von Erkrankungen der Gallenwege von neuem hingewiesen zu haben. Die Autoren beschreiben zunächst einen eigenen Fall, in dem es sich um eine Cho]elithiasis handelte, zu welcher die Erstheinungen einer ulcerösen Endocarditis hinzutraten und wo bei der Autopsie sich folgendes fand: die intrahepatisehen Gallengänge waren im rechten Leberlappen erweitert und in kleine, Gallengries enthaltende Abscesse verwandelt, im linken Leberlappen zeigten dieselben ebenfalls deutliche Erweiterung, aber nur Zeichen einer leichten katarrhalischen Entzündung; an der Mitralklappe constatirte man eine ulceröse Endocarditis. Die Autoren glauben die Abhängigkeit dieser Processe von einander dadurch unzweideutig bewiesen zu haben, dass es ihnen gelang, durch eine bacteriologische Untersuchung sowohl im Eiter der Galleiigänge als in den Vegetationen der Mitralis die gleichen Mikroorganismen nachzuweisen, und zwar eine kurze Bacillenart, die sonst nur im Duodenum vorkommt und die hier durch Verstopfung der Gallenwege in diese hineingewandert sei. Dass Bacterien in der That aus dem Darm sowohl in den Ductus pancreaticus, als in den Ductus choledochus gelangen können, ist von verschiedener Seite festgestellt worden, für den Ductus pancreaticus neuerdings noch von Kühne und Lea4) und von Duclaux5), für die Gallenwege von Charcot und Gom-bault°), die nach experimentellen Unterbindungen des Choledochus aus dem Darm eingewandertè Mikroorganismen jenseits derselben antrafen. In der gleichen Arbeit führen Netter und Martha noch folgende fünf dem ihrigen ähnliche Fälle aus der Litteratur an:
doi:10.1055/s-0029-1199003 fatcat:vjlj547snzhdzpf7lskuwmrsua