Ueber die angebliche bakteriolytische Eigenschaft des Lecithins und über die Immunisierung mittels Lecithin-Typhustoxine

J. Sleeswyk
1908 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Lecithins bei verschiedenen lmmunitätsprozessen beschäftigt, wurde ich auf eine Mitteiung des Herrn Oberstabsarzt z. D. Dr. R. Bassenge aufmerksam, welche unter dem Titel "Ueber eine bakteriologisch interessante Eigenschaft des Lecithins" in der Nummer vom 23. Januar 11908 (No. 4 dieser Wochenschrift erschienen ist. Dieser "vorläufigen Mitteilung" folgte in No. 29 dieses Jahrganges ein ausführlicherer Artikel. Dieser Autor konstatierte, daß seine Lecithinemulsionen von 1:100, 1: 1000 und
more » ... 1: 1000 und 1:10000, weIche ohne besondere Vorsichtsmaßregeln hergestellt waren, steril oder nahezu steril waren und daß Typhusbakterien in einer 1 °/0igen Emulsion "sich sofort auflösten". Auch meinte er damit ein Toxin gewonnen zu haben, das schon innerhalb 24 Stunden, unter Wegfall der negativen Phase, bei Meerschweinchen eine Immunität gegen vielfach tödliche Dosen von Typhusbazillen auftreten läßt. Ich möchte mir nun erlauben, zur Erklärung dieser interessanten Eigenschaft des Lecithins hier einiges liber meine Experimente mitzuteilen. Bassenge hat seine Lecithinaufquellungen mit destilliertem Wasser angefertigt, wodurch seine Resultate vergleichbar wurden mit der Brieger-Mayerschen Toxingewinnungsmethode, wobei bekanntlich reines destilliertes Wasser als Extraktionsmittel für Typhus-und Cholerabazillen benutzt wird. Ich habe nun aber gemeint, zum Studium der Lecithinwirkung mich zuerst der physiologischen Kochsalzlösung bedienen zu müssen; diese ist als Milieu für die Bakterien jedenfalls besser geeignet als destilliertes Wasser, während man bei Parallelversuchen mit Typhusbazillen in Kochsalzlösung ohne Lecithin die reine Lecithinwirkung zur Anschauung bekommt. Ueber die Bedeutung des destillierten Wassers hierbei werde ich weiter unten noch reden. Die Emulsionen lassen sich im allgemeinen sehr gut herstellen, indem man die abgewogene Menge des Lecithins mit der abgemessenen Menge der Rochsalziösung in einem Uhrschälchen allmählich verreibt. Für jeden meiner Versuche habe ich eine frisch bereitete Emulsion verwendet. Ich bediente mich zuerst des Lecithins "Agfa". Im hängenden Tropfen der 1 °/0igen Emulsion, mit einer Spur einer jungen Typhusagarkultur verrieben, zeigte sich alsbald, daß von einer sofortigen Auflösung der Bazillen" oder von dem "prägnanten Bilde des Pfeifferschen Versuchs", wie Bassenge schreibt, keine Rede war. Im Gegenteil, der allererste Teil des Pfeif f ersehen Phänomens, der Verlust der Eigenbewegung, war selbst nach einer Stunde noch nicht aufgetreten. Die nachstehende Heruntergeladen von: NYU. Urheberrechtlich geschützt.
doi:10.1055/s-0028-1135946 fatcat:x26ggsvhpbfadb77kwzti7wsp4