Die Kritik am Arzt im Mittelalter — Beispiele und Tendenzen vom 6. bis zum 12. Jahrhundert

Klaus Bergdolt
1991 Gesnerus  
Im mittelalterlichen System der «artes» nahm die Medizin nur den Rang einer «mechanischen» Kunst ein. Diese Degradierung der Heilkunde wurde durch vielfältige Kritik am ärztlichen Beruf gefördert. Christliche Autoren argumentierten, die Medizin schöpfe aus heidnischen Quellen. Später stützten sich die Kritiker gerade auf antike Autoren wie Cato oder Plinius, welche die Notwendigkeit des Arztberufs bestritten hatten. Vielerorts galten Krankheiten als Gottesstra-fen, ihre Heilung als Anmassung.
more » ... ng als Anmassung. Verteidigungsschriften wie das Lorscher Arzneibuch des 8. Jahrhunderts lassen weitere Kritikpunkte der Gegner rekonstruieren. Auch im islamischen Kulturkreis waren die Arzte vielfach Angriffen ausgesetzt. Im 12. Jahrhundert zeigte sich im Westen auch Unzufriedenheit mit dem neuen, an der Universität ausgebildeten Arzttypus, der sich auf die scholastische Tradition berief und in den Augen der Gegner die Praxis vernachlässigte. Dieser intellektuelle ((Arzt- Philosoph» wurde auch von konservativeren Kollegen wie Guido von Arezzo angefeindet.
doi:10.1163/22977953-04801004 fatcat:hmslxhl7fjeyjc4sfaa4uwmtru