Elena Smirnova. 2017. Deutsche Komplementsatzstrukturen. Synchrones System und diachrone Entwicklung (Sprache – Literatur und Geschichte. Studien zur Linguistik/Germanistik 48). Heidelberg: Universitätsverlag Winter. 286 S

Jarmo Korhonen
2017 Zeitschrift für Rezensionen zur Germanistischen Sprachwissenschaft  
Unter einem Komplementsatz wird ein valenzbedingter abhängiger Satz (Ergänzungssatz) verstanden, der im Gesamtsatz meist als Subjekt oder Objekt fungiert. Zu den wichtigsten Realisierungsformen der Komplementsätze zählen dass-Sätze, durch ob oder w-Fragewörter eingeleitete Fragesätze, abhängige Verbzweitsätze und satzwertige zu-Infinitivkonstruktionen. Davon wurden in der vorliegenden Studie, die im Wintersemester 2015/2016 von der Philosophischen Fakultät der
more » ... lm-Leibniz-Universität Hannover als Habilitationsschrift angenommen wurde, die dass-Sätze, Verbzweitsätze und Infinitivkonstruktionen mit zu zum Gegenstand einer näheren Untersuchung gemacht, außerdem wurden abhängige Sätze mit direkter Rede in die Analyse mit einbezogen. Die untersuchten Komplementsätze erscheinen in verschiedenen Objektfunktionen und sind von einer genau abgegrenzten semantischen Gruppe von Verben, die im Matrixsatz als Prädikat stehen, abhängig. Es handelt sich um Verben des Beeinflussens, von denen die folgenden neun im Untersuchungsmaterial das Matrixprädikat bilden: zwingen, drängen, bitten, mahnen, befehlen, empfehlen, raten, erlauben und gebieten. Die ersten beiden Verben werden als manipulative, die restlichen als direktive Verben bezeichnet. Die Wahl der Verben begründet die Verfasserin damit, dass sie sowohl synchrone als auch diachrone Aspekte der Komplementsatzstrukturen aufdecken wollte und sich deshalb auf Verben konzentrieren musste, die in mehreren Sprachperioden des Deutschen vorkommen. Für die Erfassung des syntaktischen und semantischen Verhaltens der gewählten Verben bezüglich der Komplementsätze wurde ein Korpus zugrunde gelegt, das Belege aus dem Alt-, Mittel-und Frühneuhochdeutschen sowie aus dem Neuhochdeutschen der Zeiträume 1650-1900 und 1901-1999 umfasst. Die Belege wurden in folgenden digitalisierten Korpora gesammelt: Kali-Korpus (für das Ahd.; neben ahd. Texten sind in diesem Korpus auch mhd. Texte enthalten), MHDWB (für das Mhd.), Bonner Frühneuhochdeutschkorpus, "HIST -Archiv der historischen Korpora" des Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim (für das Nhd.) und DWDS-Kernkorpus (für das 20. Jahrhundert). Für jedes Verb wurden als Richtgröße 200 Korpusbelege festgelegt, wobei diese Zahl vor allem in den Sprachperioden Ahd., Mhd. und Fnhd. für bestimmte Verben jedoch bei weitem ZRS 2017; 9(1-2): 170-175 Open Access. © 2017 Jarmo Korhonen, publiziert von De Gruyter. Dieses Werk ist lizenziert unter der Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 4.0 Lizenz. Unauthenticated Download Date | 7/27/18 12:48 PM
doi:10.1515/zrs-2017-0028 fatcat:lgl4ni22mna2fozhwa5r5ahw4i