Chemisch-physiologische Untersuchungen über die Flechten

G. Schnedermann, W. Knop.
1845 Justus Liebig s Annalen der Chemie  
Irn Verlaufe unserer Arbeit iiber die Flechten haben wir zuniichst die Cetraria islandica, eine Flechte, die, an sich in vielfacher Hihsicht interessant wegen der Leichtigkeit , womit grBbere Mengen anzuschaffen sind, giinstige Resultale versprach, zurn Gegenstand unserer Versuche gemacht. Obschon diese noch keineswegs beendigt und nocli weit enlfernt sind, ein abgeschlossenes Ganzes zu bilden, so linden wir uns doch durch die ihnen gewordene Iangere Unterbrechung veranlafst , die bis jetzt
more » ... , die bis jetzt erhallenen Resullale vorlaufig mitzutheilen, indern wir weitere Fortsetzung und Erganzung uns vorbehalten. Sie wurdcn im Laboratorium unsers hochverelirten Lehrers Hrn. Prof. W-ii h-I e r aosgefiihrt und werden , seit unserer beiderseitigcn Anstellung zu Leipziy, im Laboralorium des ICo. Prof. Erdrnann fortgesrtzt. Die untersuchte Flechle Iiatte Hr. S p a r kuhll, Bergapotheker zu Andreasberg, arn Broclien samnieln lassen und iins dieselben besonders gut verlesen und rein zugesandt. Dem Interesse, welches Hr. Sparkuhll unserer Arheit schenkt, verdanken wir auch die grofseren Qiiantilaten der verschiedenen in der Flechte enthaltenen Kiirper, indem er dieselben in seinern Laboratorium nach unserer Angabe mit der griifslen Sorgfalt darstellen liefs. Die Cetraria islandica gehiirt zu dcrijenigen Flechten, welche einen schnelleren Wachsllium als ein grofser Theil der iibrigen Glieder dieser Farnilie bcsitzen. Ihre Hauplbestandtheile sclieint sie schon in fruher Jugend, wcnigstens sobald sic siclitbar bllttrig Untermchwngen iiber die Flechten. 145 entwickelt ist, zu enthalten. Sie hat in dicsem Zuslande an verschiedenen Stellen ungleiche Farbung. Sie ist bald silberweifs, bald melir oder weiiiger braun, bald olivengruo, letzteres namentlich an den vegetativen Spilzen. Die erwachsene Flechte unterscheidet sich von der jungen, wie wir weiter unten zeigen werden , wesentlich , nur ihre Spitzen, welche im Fortwachsen begriffen sind, haben denselben Bau wie die junge. Wir uiitersuchlen diese Flechte unter 300 -500facher Vergriifserung init Anwendung cliemischer Hultsmittel , uin ihre iiufserst feinen Gewebe erliennen zu konnen. Wenn schon der Bau dieser Flecliten hinreiahend bekannt ist, so niiissen wir doclr hier kurz die Hauptorgane zusammenstellen , urn uns darauf beziehen zu Ironnen. Die vegelativen Spitzen urid jungen Pflanzen liaben eine sehr dunne Rindenschiclit von aufserst feinen, unter 500facher Vergriifserung wie Spinrigewebe ersclieinenden Zellen. Diese sind unregelin,ifsig durcheinander verwebt und werden durch diejenige Substanz , welche man bis jetzt Moossturke nennt , so zusamniengehalten , d a t sie bei einem blofsen Querschnitt kaum zu erkennen sind. Wir sucliten defslialb nach einem Losungsmittel und fanden, dafs concentrirte Salzssure diese Moosstarke, ohne dafs eine Zersetzung beinerklich wurde , zu einer krystallhellen Gallerte aufliist, ein Uaistand, den wir bereits zur Darstellung dieser Subslanz benuken. Bringt man zu eineni Schnitt aus der Kindenschichte der Flechte unter dem Mikroscope concentrirte Salzsaure, so sieht man die freien Zellenfaden auseinandertreten ; die SUrke, welclie als Intercellularsubstane zwischen denselben liegt, dehnt, inclern sie zu einem vielfachen Volum aufquillt , die Zwischenraume zwischen den Zellen aus. Liifst man sich nicht durch abgeschnittene Enden der Zellen tauschen, so isl es bei 5OOfacher Vcrgr6fserung sehr schwer, in dieser Schicht eine kurnige Ablagerung zu erkennen , sowohl innerhalb der Zellen als in den Zwischenraumen. Diese Schicht ist bei den jungen Pflanzen und an den Spitzen der iiltereii noch Annal. d. Chemie u. Pharm. LV Ud. 2. Hek
doi:10.1002/jlac.18450550203 fatcat:wmgf4flxcrfplga3akgb5pyfqy