Bildung von Prolin bei der Verdauung von Gliadin

Emil Fischer, E. S. London.
1911 Hoppe-Seyler´s Zeitschrift für physiologische Chemie  
Die Menge von Prolin, die man bei der Verdauung von Eiweißkörpern mit Pankreassaft oder mit Pepsinsalzsäure und Pankreatin bisher erhielt, war sehr gering im Vergleich zu der Menge, die bei der Hydrolyse mit Säuren oder Alkalien entsteht. Wir haben deshalb nochmals einen solchen Verdauungsversuch mit Gliadin, das von der Pasewalker Stärkefabrik aus Weizen bereitet war, in folgender Weise ausgeführt. Durch Anlegung einer Fistel beim Hunde in der Mitte des Darmtraktus und durch Fütterung mit
more » ... Fütterung mit Gliadin wurde ein Chymus gewonnen, der die durch den normalen Verdauungssaft entstandenen Spaltprodukte des Gliadins samt den entsprechenden Enzymen in ihrem natürlichen Zustand und Zwischenverhältnis enthielt. Dieser Chymus wurde dann unter Toluolzusatz während 8 bis 9 Monaten im Brutschrank bei 37° gehalten und die nun filtrierte Flüssigkeit bei 40° eingetrocknet. Das in St. Petersburg dargestellte Präparat war eine amorphe, in großen Stücken dunkelbraune, nach dem Zerreiben gelbbraune Masse von eigentümlichem, nicht unangenehmem Geruch, die sich in Wasser zum größten Teile leicht und mit dunkelbrauner Farbe löste. Die in Berlin ausgeführte chemische Untersuchung ergab folgendes. Bei dreimaligem Auskochen mit der vierfachen Menge absoluten Alkohols ging ungefähr die Hälfte in Lösung. Der beim Verdampfen des Alkohols verbleibende Rückstand wurde mit Wasser behandelt, wobei fettige Substanzen zurückblieben. Ihre Menge betrug ungefähr 20°/o des alkohollöslichen Teiles. Zum Nachweis des Prolins im wasserlöslichen Teile mußte die Estermethode herangezogen werden, weil die Trennung mit Alkohol hier nicht zum Ziele führt. Um aber sekundäre Wirkung der Salzsäure zu verhindern, wurde die Veresterung in
doi:10.1515/bchm2.1911.73.5.398 fatcat:6wwf37ud5zcjlfzsizobvxo76a