Biographischer Beitrag zu Gustav Heinemann

Andreas Grau
2010 Zeitschrift für Parlamentsfragen  
In seiner Bonner Dissertation untersucht Jörg Treff ke die parteipolitische Karriere Gustav Heinemanns. Dessen Politik sei von "unverrückbaren Konstanten" gekennzeichnet gewesen, so Treff ke, die sich deutlich in seinem politischen Lebenslauf zeigen würden. Infolgedessen ist das Buch in fünf Großkapitel gegliedert, die den fünf Parteien entsprechen, in denen Heinemann mitwirkte: DDP, CSVP, CDU, GVP und SPD. Eingerahmt werden diese Kapitel zu Anfang von einem Abschnitt zur Jugend-und Militärzeit
more » ... end-und Militärzeit und am Ende von einem Abschnitt über den Bundespräsidenten Gustav Heinemann sowie einem Kapitel über dessen Politikverständnis. Zwischengeschaltet wird außerdem noch ein Abschnitt über "Heinemann und das 'Dritte Reich' 1933Reich' -1945. Innerhalb der einzelnen Kapitel geht Treff ke dann streng chronologisch vor. Auf breiter Quellenbasis und anhand vieler Zitate zeichnet der Autor Heinemanns politische Anfänge in der Deutschen Demokratischen Partei nach, seinen Wechsel zur Christlich Sozialen Volkspartei, seine Beteiligung an der Gründung der CDU in Essen, den Bruch mit Konrad Adenauer, den Kampf gegen dessen Außen-und Deutschlandpolitik in der Notgemeinschaft für den Frieden Europas und in der Gesamtdeutschen Volkspartei sowie den Eintritt Heinemanns in die SPD und seinen raschen Aufstieg innerhalb der Sozialdemokratie bis in das Amt des Bundespräsidenten. Für die Schilderung dieser besonderen Karriere hat der Autor nicht nur die aktuelle Literatur herangezogen, sondern auch zahlreiche Archive aufgesucht, so das Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, wo sich der Nachlass Gustav Heinemanns befi ndet, das Universitätsarchiv Marburg, das Stadtarchiv Essen und das Th yssenKrupp Konzernarchiv. Darüber hinaus hat er Interviews mit Verwandten und Weggefährten Heinemanns geführt. Überzeugend schildert Treff ke, warum Heinemann in fünf Parteien aktiv war. Dabei wird deutlich, dass dieser ein Mannschaftsspieler war, der von der Notwendigkeit von Parteien zur Durchsetzung politischer Ziele überzeugt war. Allerdings wahrte er immer eine gewisse Distanz ihnen gegenüber und stellte die individuelle Gewissensentscheidung eindeutig über die jeweilige Parteiideologie. Die Unterordnung der eigenen Überzeugung unter eine vorgegebene Parteilinie kam für ihn nicht in Frage. Wenn diese seinen eigenen Anschauungen nicht mehr entsprach, war es für ihn legitim, die Partei zu wechseln. Gern hätte man dem Autor hier und da etwas mehr Raum gewünscht. Man merkt dem Werk zuweilen an, dass Treff ke seine umfangreiche Quellensammlung über Gustav Heinemann häufi g nicht ausschöpfen konnte, weil er den Zwängen heutiger Dissertationen unterworfen war. So erfährt der Leser etwa nichts über die Beweggründe und die Ausarbeitung von Heinemanns berühmter Philippika gegen die Politik Adenauers im Bundestag am 23. Januar 1958. Auch über die Reaktion Heinemanns auf seine Nominierung für das Amt des Bundespräsidenten schweigt sich Treff ke aus. Interessant wäre es zudem gewesen, etwas mehr über Heinemanns Verhalten beim konstruktiven Misstrauensvotum und der ersten Aufl ösung des Bundestages durch den Bundespräsidenten 1972 zu erfahren. Was der Autor noch in den Quellen gefunden hat, blitzt aber hier und da durch. So liest man etwa, wie die GVP über die Ost-CDU Geld aus der DDR erhalten hat und dass der CDU-Abgeordhttps://doi.
doi:10.5771/0340-1758-2010-1-228 fatcat:v4b3gsjjorgubjylqf4hveqcny