Die Herstellung von Röntgenpausen bei Tageslicht

Felix Davidsohn
1909 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
In zahlreichen Röntgenlaboratorien wird der Leuchtschirm wenig benutzt und die Diagnose fast ausschließlich auf photographischem Wege gewonnen. Und doch ware es wertvoll, in jedem Falle der Photographie eine Durchleuchtung vorauszuschi eken, welche die Leistung der eingestellten Röhre deutlich zeigt und die passendste Aufnahmeebene zu bestimmen ermöglicht. Die Abneigung gegen Durchleuchtungen ist auf die Schwierigkeit rascher und zuverlässiger Zimmerverdunklung zurückzuführen; ein Notbehelf
more » ... ; ein Notbehelf waren die Kryptoskope, die lichtdicht eingebauten Leuchtschirme mit Handgriff, welche eine Verdunklung des Zimmers unnötig machten; da hierbei jeder Schutz für den Arzt fehlte, suchte man den Schirm mit Bleiglas zu überdecken und Bleischutz für die Handgriffe anzubringen; dieser Schutz war aber unvollkommen und das Gewicht der Vorrichtung so beträchtlich, daß man die Apparate an der Decke des Zimmers aufhängen mußte. Ein wesentlicher Fortschritt war de feste Verbindung des Leuchtschirmes mit einer feststehenden Schutzwand, die ich in No. 53 der Deutschen medizinischen Wochenschrift 1908 beschrieben habe. Auf diese Weise war zuerst absoluter Schutz des Arztes bei der Tageslichtdurchleuchtung erzielt. Der einzige Mangel dieser Einrichtung war die Unmöglichkeit, die Schirmbilder pausen zu können. Im folgenden soll nun beschrieben werden, durch welche Anordnung ich zurzeit die Herstellung von Leuchtschirmpausen bei Tageslicht unter völligem Schutz für den Arzt ermöglicht habe. Die Röntgenröhre ist im Universalstativ eingespannt, die Antikathode der seitlichen Kastenöffnung zugekehit; das Stativ steht in geeigneter Entfernung vor der Schutzwand. Die Entfernung kann bis zu 1/4 Metern gewählt werden (Leuchtschirmpausen des Herzens bei sitzendem Patienten in dieser Entfernung differieren meistens unter 1 cm von Orthodiagrammen), und die Pause ergibt dann praktisch die wahren Größen der Organe. Die Schutzwand mit Bleibeschlag (2 ><3 Meter) trägt in der Mitte einen Bleiglasstreifen (30 ><40) etwa in Tischhöhe; diesem Bleiglasstreifen Ist lichtdicht der Leuchtscliirm (30 >< 40) aufgepaßt, an welchen der zu durchleuchtende Patient angelehnt wird (im Stehen, im Sitzen oder im Liegen auf dem Durchleuchtungstisch). Auf der anderen Seite des Bleiglasstreif ens steht vor Strählen geschützt der Untersucher. Hier ist ein Kryptoskop im Charnier beweglich gegen den Bleiglasstreifen aufgepreßt. Die Kryptoskopwände bestehen aus Wachstuch und sind in sich zusammenlegbar, um die Augen dem Bleiglas beliebig nähern zu können. Das Kryptoskop wird durch eine Binde am Kopf des Untersuchers angeschnallt. In das Innere des Kryptoskops führt ärmelartig ein Ausschnitt, durch welchen die rechte Hand mit dem Zeichenstift licbtdicht eingeführt wird. Vor der Durchleuchtung wird das Kryptoskop im, Charnier hochgeklappt, ein Pauspapierbogen 30 ><40 cm untergeklemmt und der Apparat geschlossen, der Untersucher befestigt den Apparat an seinem Kopf und führt den Zeichenstilt durch den Aermel in das Kryptoskop; bei eingesehalteter Röhre wird dann das Leuchtschirmbild gepaust. Die beschriebene Vorrichtung, deren Modell ich zurzeit vollendet habe, vereinfacht das Röntgenverfahren noch witcr und gestattet, was für Krankenkassen von -Bedeutung ist, in vielen einfachen DEUTSCHE MEDIZINISCHE WOO1[ENSCIiRIFT. 2063 Fällen überhaupt die Röntgenphotographie durch eine rasch anzufertigende Pause zu ersetzen. Große Vorzüge hat diese Methode auch für die Untersuchung von unruhigen Kindern, welche im hellen Zimmer gegen den Leuchtsehirm gelehnt den Untersucher überhaupt nicht zu sehen bekommen. Heruntergeladen von: NYU. Urheberrechtlich geschützt.
doi:10.1055/s-0029-1201853 fatcat:a5wnehbnmbckdja5qg7w4mjmvm