Auswärtige Correspondenzen: Londoner Brief

O. P. Busch
1898 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
In seiner grossen Rede, in welcher Lord Lister dom Oberhause die Annahme des neuen Impfgesetzes anempfahl, betonte er vor allem, dass bisher in England mindestens ein Drittel aller Kinder der Impfung ontgangen wären, weil die Magistratspersonen, zum Thou selbst heftige Impfgegner, nur widerwillig eine Strafe ausgesprochen hätten, eine Strafe. die , falls der Vater arm war , von dem Antivaccinistenverein bezahlt wurde, ohne dass man nach Zahlung der Strafe den Vater zur Impfung seines Kindes
more » ... g seines Kindes zwingen konnte oder wollte. Jetzt hätten wir ja die Zwangsimpfung mit alleiniger Ausnahme derer , deren Gewissen sich gegen die Vornahme der Impfung sträubte, und wie Lord Lister meinte, würden nur wenige wirklich eine Gewissensfrage daraus machen, so dass die Zahl der geimpften Kinder nach Einführung der Gewissensklausel sich steigern müsste statt zu fallen. Es wäre interessant zu wissen, ob Lord Lister wirklich eine so gute Meinung von der Gewissenhaftigkeit der Menschen hat, oder ob auch er, wie so viele Mitglieder beider Häuser, einfach sich vor dem Geschrei der Antivaccinationsfanatiker gebeugt hat. Dass er mit seiner Ansicht von der Güte des neuen Gesetzes sich grundlich geirrt lint, kann man schon heute sagen. Jode Zeitung bringt in
doi:10.1055/s-0028-1139298 fatcat:twpfmnr5ubetno5txpa3lcpkva