Gustav Adolf Wehrli und der «Landigeist»: Medizingeschichte im Dienst nationaler Selbstbesinnung und Erbbiologie

Christoph Mörgeli
2001 Gesnerus  
Hartnäckig, aber mit durchaus mässigem Erfolg versuchte Gustav Adolf Wehrli', Privatdozent für Geschichte der Medizin und Begründer des Medizinhistorischen Museums der Universität Zürich, das Interesse von Ärzteschaft, Fakultät und Öffentlichkeit für seine Anliegen zu wecken. Dabei verfolgte er verschiedene Strategien, um die Medizingeschichte mit den Problemen der Zeit in Verbindung zu bringen. Er erhoffte sich damit nicht nur eine Rechtfertigung für das von manchen als abseitig, ja skurril
more » ... fundene Fach, sondern auch finanzielle Unterstützung. 1926 erliess Wehrli einen «Aufruf zur Mithilfe bei der Errichtung eines schweizerischen medizingeschichtlichen Museums» in deutscher und französischer Sprache in der Ä/'zfezehung-. In derselben Zeit bot er seine noch immer private Sammlung dem Zentralvorstand der Verbindung der Schweizer Ärzte als Stiftung an, um den notwendigen materiellen Rückhalt zu gewinnen'. Dabei pries Wehrli seine Realien insbesondere unter volksaufklärerischen Gesichtspunkten an und betonte deren Funktion im Hinblick auf den aktuellen Kampf der Standesorganisation gegen das «Kurpfuschertum». Gegenüber der Stadt Zürich wiederum sprach Wehrli von der Gründung eines «Schweizerischen Hygiene-Museums» und lobte dessen Nutzen für die Gesundheitserziehungh Bei Sportverbänden warb er für den Aufbau 1 Böschung, Urs, «Gustav Adolf Wehrli (1888Wehrli ( -1949)), Gründer der Medizinhistorischen Sammlung der Universität Zürich», Ges/ieras 37 (1980) 91-102.
doi:10.1163/22977953-0580304016 fatcat:rsucsw6v5jf6hcnbmcxa3yqytm