ZUM GRAMMATISCHEN WECHSEL DER VELAREN K- REIHE

H. OSTHOFF
1882 Beiträge zur Geschichte der Deutschen Sprache und Literatur  
dem verbum schneien sind im althochdeutschen nach Graff VI, 852 nur zwei formen belegt: praes. sniuuit und partic. praet. ver-snigan 'ninguidus' in versniegun perga aus Prud. 1. Die behandlung des wurzelauslautenden indog. gh 1 ist in beiden formen auf den ersten blick schnurstracks dem lautgesetze über den urgermanischen ausfall des £ vor w zuwider, welches Sievers in diesen Beitr. V, 149 mitgeteilt und Paul d. ßeitr. VI, 538 genauer formuliert und auf indog. gW· ausgedehnt hat. Darnach
more » ... hat. Darnach erwartet man nämlich im praesens ahd. *smgit, aber im particip *ver-sniuuan. Was sniuuit ags. snivett anbetrifft, so entspricht es, wie ich Morphol. unters. IV, 8 f. gezeigt habe, nicht dem griech. , sondern , und geht mit diesem auf ein indogermanisches 'aoristpraeseus' smglPeti zurück, oder ist mit anderen Worten, wie noch einige andere praesentia mit germ, i, in der '/-reihe* von derselben art, wie lükan, su&an, ags. clüfan, f>utan, smügan u. a. in der 'u-reihe', welche alle ursprünglich das verbalstammsuffix betonten, nicht die wurzel. Also ist sniuuit mit dem Sieversschen ^w-gesetz doch in einklang. Müsten wir nun nicht in ver-snigan sowie in dem infinitiv mhd. snigen auch TV statt £ erwarten? Ich behaupte: nein; denn bei Sievers' gesetz muss notwendig etwas bisher nicht beachtetes in betracht gezogen werden: seine wirkenssphäre ist beschränkt worden dadurch, dass vor den dunkelen vocalen o (a), u die labiale affection des velaren gutturals in wegfall, beziehungsweise nicht zur vollen entfaltung (siehe unten), gekommen war, hier also in ermangelung eines pv auch von einer urgermanischen reduction desselben Brought to you by | University of Queensland -U Authenticated Download Date | 6/20/15 7:50 AM OSTHOFF, VELARE ANREIHE. 257 zu w nach ursprünglich (indog.) unbetontem vocale nicht die rede sein kann. Damit erklärt sich zunächst das in germ, ma^u-s 'knabe* = got. magus, auord. mogr, ags. mago, alts. magu. Sievers Beitr. V, 149 führt mit recht das feminin mawt = got. mavi für sein gesetz an, wo w aus dem suffixalen u des masculine erwachsen ist. Aber die etymologic führt auf indog. gh-, da ma^us doch höchst wahrscheinlich zu magan, abulg. mogtf gehört; vergl. Fick, Wörterb. P, 168 f. 708. IIP, 228, 0. Schade, Altd. wörterb. 2 583. Mithin müste auch das masculin parasitisches w haben, das ihm aber des nachfolgenden w-suffixes wegen mangelt. Einzelne casus wie der nomin, plur. auf indog. -eu-es musten rv aus entwickeln, sind aber damit gegen die grosse tiberzahl der anderen mit £ nicht aufgekommen: got. mag jus (unbelegt, doch zu vermuten wegen des gen. folglich übertragenes £ von denen auf-0/>-, ahd. -ad-. Das Substantiv zweig, jetzt masculin, früher neutrum, zeigt, worauf mich 0. Behaghel aufmerksam macht, Zwiespältigkeit der formalen entwickelung in ags. tw%, ahd. zwlg, mhd. ztvic einerseits und ahd. mhd. zm andererseits. War das aus dem stamme imlog. dui-'zwie-' mit £ 2 -suffix gebildete nomen o-stamm, germ. twi%ö-m aus indog. dui-ko-m = sanskr.dvi-kaadj: ' §u § zwei bestehend', aubst. ( paar' (Morphol. unters. IV, 72), so bietet sich die möglichkeit, die w-form ahd. zwi(tv) zu erklären, durch die ursprüngliche Stammabstufung zwischen -ound -e-. Dass der e-casus in der o-declination auch im germanischen noch mehrere waren als allein der gen. sing, und der (hier kaum in betracht kommende) voc. sing., zeigt neuerdings H. Möller in diesen ßeitr. VII, 488 f. 546 ausführlicher, dessen ansetzungen ich übrigens mit dem kurzen verweis nicht schlechthin alle gebilligt haben will. Für das nomen ahd. bri pri m., mhd. bri m. 'brei', welches Ih-itrüg»· /.»u-geschieht!; »ler deutschen sprii.-bo. VItl. |7 Brought to you by | University of Queensland -Authenticated Download Date | 6/20/15 7:50 AM 258 OSTHOFF, Fick, Vergleich, w rterb. II 3 424 begrifflich wenig einleuchtend zu abulg. bri-ti 'scheren* stellt, weist uns die angels chsische doppelform briig und briv (Ettm llcr, Lex. Anglosax. 325) darauf hin, dass wir es mit einem eben solchen falle wie ahd. mhd. zm 'zweig 7 zu tun haben. Den brei vom 'starren, starr emporstehen 7 benannt sein zu lassen, d rfte begrifflich wol statthaft sein, und so m chte ich an griech. φρίοαω, πέ-φρΤκ-α, φρίξ f., φρίχ-η f. ankn pfen, deren anwendung auf das sich-kr useln und -emporstr uben von fl ssigkeiten, der unruhig bewegten meereswellen, des schaumes auf dem wasser u. dergl, bekannt ist, sowie an lat. fric-re 'reiben, frottieren', eigentlich 'eine starrung machen 7 . 1 ) Die Stammgrundformen indog. bhrtk-o-, bhrik^e-wurden germanisch zu brtgo-, brlwe-. Der uom. und acc. sing. ahd. * z/n//·, *bn/r verlor lautgesetzlich das -;<·, nachdem dieses an die stelle von -g aus casus wie gen. sing. *zmwes, *briwes bertragen war (vcrgl. mhd. sm imper. neben ahd. snltvil indic.); anderseits bildeten sich von dem neuen nom. und acc. sing, zm, bn aus die formen mit innerem w-verluste, wie gen. sing, zmes, bries. Entsprechendes gilt von dem Urspr nge des w in den 0/£-st mmen got.snaiv-s, ahd. sneo, mewes 'schnee 7 und got. saiv-s, ahd. seo, senses 'see 7 , falls letzteres richtig von Fick, W rterb. IIP, 313 und Noreen in diesen Beitr. VII, 439 zu sanskr. seka-s 'erguss 7 , avest. fra-shaek 'vergiessung 7 gestellt wird. Bei snaivo-s brigens, wegen dessen accentwechsels Noreen a. a. o. 436 ff. zu vergleichen ist, konnte die macht der i-casus auch durch das verbum smwefri = &\\A.miuuit verst rkt werden. Schwierig ist, auch nach Sievers noch, obgleich er die einsieht wesentlich gefordert hat, der consouantismus des uomens ! ) Das stammnomen des denominativs lat. frfc re, *fricai. 'starrung', bildete die zwillingsforra mit Υ zu griech. φ()ϊχη f. 'Unebenheit, rauhheit, schauder'; ob in fricae f. plur., naraen einer art steine, das primitivum von fricare liege (Corssen, Krit. beitr. 207, Curtius, Grundz. 5 204), bleibe dahingestellt. Mit dem abgeleiteten fricare hat sich brigens in der conjugation ein starkes verbum *fricZre = griech. φ^ίαοειν gemischt und die formen fricm pert'., fric-lu-s partic. geliefert. Aohnlich
doi:10.1515/bgsl.1882.8.2.256 fatcat:ir2g2da23vgwzkc52vjatcdeia