Gebrauchsbasierte Grammatik: Statistische Regelhaftigkeit [chapter]

Marek Konopka, Bruno Strecker
2009 Deutsche Grammatik - Regeln, Normen, Sprachgebrauch  
Das Phänomen Sprache ist in Form des beobachtbaren Sprachgebrauchs fast allgegenwärtig, gleichzeitig bleibt das offenkundig Regel-und Systemhafte dieses Phänomens überraschend ungreifbar. Wegen der überwältigenden Komplexität natürlicher Sprachen entsteht bei jedem Versuch, dieses Systemhafte in einer Theorie mit explanatorischem Anspruch zu fassen, eine breite Kluft zwischen der angestrebten theoretischen Beschreibungsebene einerseits und der phänomenologisch zugänglichen Ebene des
more » ... chs andererseits. Ausgehend von allgemeinen wissenschaftstheoretischen Überlegungen, wie man angesichts dieser Kluft überhaupt zu hinreichend abgesicherten Erkenntnissen für eine explanatorische Theoriebildung kommen kann, betonen die Autoren die Notwendigkeit, sich dem Untersuchungsgegenstand Sprache mit möglichst wenigen Vorannahmen über diesen Gegenstand selbst zu nähern und sich dabei konsequent von der Empirie leiten zu lassen. Sie werben nachdrücklich für eine emergentistische Perspektive auf Sprache, der zufolge alles Regelhafte und Konventionelle in der Sprache ein Epiphänomen des Sprachgebrauchs ist und von den Sprachteilnehmem fortlaufend ausgehandelt wird. Eine treibende Kraft hierbei ist, so wird argumentiert, der Begriff der Ähnlichkeit. Auf dieser Grundlage wird schließlich ein Forschungsprogramm entworfen, das die Wirkung des Faktors Ähnlichkeit auf die Sprache nachzuzeichnen und dadurch schrittweise zu ähnlichen Generalisierungen zu gelangen versucht wie die Sprachgemeinschaft. Einleitung "Welchen Status haben grammatische Regularitäten, Regeln und Normen beim Versuch, Sprache und Sprachen zu erfassen?" -"Wie entstehen Regeln und Normen?" -"Wie sieht die Variation im Sprachgebrauch konkret aus und wie verhält sie sich zur Norm?" Mit diesen und weiteren Fragen wurde das Thema dieser Tagung angekündigt. Wie man sich diesen Fragen nähert, hängt erheblich davon ab, von welcher Sichtweise auf Sprache und insbesondere auf Grammatik man sich leiten lässt und welchen Typus linguistischer Theorien man dabei im Sinn hat. i Dieser Beitrag ist aus der Zusammenarbeit mit Cyril Belica und Rainer Perkuhn hervorgegangen, denen die Autoren herzlich danken.
doi:10.1515/9783110217360.1.33 fatcat:jq5jtrt5bzayjd26xeqmnimrva