Zur Lehre von den Eiterungen der tieferen Nebenhöhlen der Nase

1893 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
In diesem Jahre erschien ein höchst lehrreiches Bach von Dr. Ludw. Gränwald in München: "Die Lehre von den Naseneiterungen mit besonderer Rücksicht auf die Erkrankungen des Sieb-und Keilbeins". Dasselbe, sich griindend auf viele eigelle, sehr genau gezeichnete Beobachtungen , erbringt den Nachweis, dass , wenn man von specifischen Processen , wie Syphilis , Tuberculose etc., absähe, die meisten tiefen Naseneiterungen auf cirdumscripten Heerderkrankungen beruhen und damit die hieraus sich
more » ... hieraus sich ergebende chirurgische Behandlung resp. Entfernung des kranken Knochens bedingen Inbezug auf die Aetiologie wird auch mit Rücksicht auf die von Weichselbaum, Siebenmann und anderen anatomisch an den Leichen nachgewiesenen , infolge von acuten Infectionskrankheiten entstandenen Eiterungen der Sieb-und Keilbeinhöhlen betent , dass die infectiösen Katarrhe gleich zu Anfang auch die Nebenhöhlen befallen. Ganz besonders wird als einzige Ursache direkter Infection der Nebenhöhlen das direkte Eindringen einer Wanderentzündung , des Erysipelas angeführt. Da nicht viele derartige Falle bekannt sind , so erlaube ich mir, einen hierhergehörigen, in letzter Zeit beobachteten Fall mitzutheilen ; derselbe dürfte auch nach anderer Richtung Anregendes enthalten. Herr y. T. , 29 Jahre alt, von kräftigem Körperbau, stellte sich mir im März dieses Jahres mit den secundaren allgemeinen Symptomen eines im Januar dieses Jahres erworbenen Flous darum praeputii vor. Es fiel eine lange , vom rechten Ohre bis zum Kehlkopf reichende Narbe, sowie rechtsseitige Schiefstellung des Gesichts auf (Facialisparalyse). Am Halsencle der Narbe befand sich eine fünfmarkgrosse Stelle von mit Borken belegten Knoten, die den Eindruck des Lupus machten. Er hatte eine Urethritis posterior nebst Cystitis angeblich seit sechs Monaten; ganz besonders aber klagte er über eine seit zwölf Jahren bestehende, morgens besonders profuse Naseneiterung. Die Anamnese ergab folgendes: Im Alter von sieben Jahren hatte Patient Ekzema capitis. Fünf Jahre später (1876) hatte er Scarlatina und Diphtheritis zugleich, infolge deren die rechtsseitige Parotis zur Geschwulst entartete, die sich später als Lymphosarkom erwies und an die sich weitere Halsdrüsentumoren anschlossen. Im Alter von 16 Jahren (1880) bekam er ein 14 Tage dauerndes, an der Nase beginnendes Gesichtserysipel, mit dem ein Eiterausfluss insbesondere der rechten Nasenhöhle begann, der ununterbrochen bis heute andauerte. Im Jahre 1884 wurden die entarteten Ohr-und Halsdrüsen von y. Bergmann in Berlin exstirpirt, seitdem besteht die Facialisparalyse und entwickelte sich die lupusartige Knötcheugruppe. Im Jahre 1885 begab Patient sich wegen der profusen Naseneiterung in die Behandlung eines bekannten Laryngo-(rhino-) logen, der zunächst einen Polypen und in den folgenden Jahren bis Anfang 1892 allmählich sechs Polypen, sowie die rechtsseitige mittlere Muschel entfernte, ohne dass die Suppuration im geringsten sich vermindert hätte. Eine genaue Sondenuntersuchung sei nicht vorgenommen worden. Bei so verschiedenen, an einem Patienten nothwendigen Indicationen wurde erst später der Behandlung der Naseneiterung näher getreten, die übrigens durch eine specifische allgemeine Cur keine Veränderung erlitt. Es besteht Druckempfindlichkeit im rechten Augenwinkel. Bei der rhinoskopischen Untersuchung sieht man hoch oben Eiterabsonderung, nach deren Abwischen mittels mit Watte umwickelter, langer Knopfsonden sofort wieder Eiter nachträufelt. Die mittlere Muschel fehlt. Nach Reinigung der übrigen Schleimhaut, insbesondere des unteren Nasenganges, war nirgendwo sonst Eiterabsonderung zu erkennen. Dieselbe musste demnach von hoch oben, entweder von den Siebbeinzellen oder noch weiter her kommen. Mit einer im stumpfen Winkel gebogenen, langen mittelstarken Knopfsonde -man muss Knopfsonden mit verschieden starken Knöpfen bei der Nasensondirung zur Verfügung haben -wurde nach oben eingegangen. Dieselbe gelangte, sich schräg nach hinten und oben durchtastend, zunächst in einen engen Durchgang und durch diesen Heruntergeladen von: NYU. Urheberrechtlich geschützt.
doi:10.1055/s-0028-1143941 fatcat:6ad2tjltybcurkdy74heamypsa