Ueber den Einfluss der Milz auf die Immunität

1894 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Zu Beginn des vorigen Jahres veröffeiltlichten Tizzo"i und Cattani in einer vorläufigen Mittheilung einige \Tersuehsresultate, nach denen die Muz bei dem Immunisirungsvorgang der Kaninchen gegen Tetanus eine wichtige Rolle spielen sollte, insofern als der der Muz beraubte Organismus die Fähigkeit, immunisirt zu werden, einbüsst. Auf Veranlassung von Herrn Prof. Ehrlich habe ich eine Nachprüfung dieser Experimente unternommen und ich benutze gern die Gelegenheit, demselben für die Anregung und
more » ... die Anregung und das Interesse an dieser Arbeit meinen besten Dank zu sagen. Durch äussere Umstände hat. sich die Publication meiner Untersuchungen, die bald nach dem Erscheinen der oben citirten Mittheilung begonnen wurden, verzögert. Unterdessen hat A. A. Kanthak fiber die Erfahrungen berichtet, die er an entmilzten Kaninchen bei der Immunisirung gegen den Bacillus pyocyaneus gewonnen hat. Danach verhalten sich die der Milz beraubten Thiere ebenso wie die normalen, und Kanthak kommt zu dem Schluss, dass, was die Phänomene der Pyocyaneusinfection und die Immunisiruiig gegen dieselbe betrifft, die Entmilzung ganz ohne jeden Einfluss ist. Er hebt dabei in richtiger Weise den mehr infectiösen Charakter der . Pyocyaneuserkrankung gegenüber der Fernwirkung des Tetanusbacillus im Organismus hervor. Ich habe nun Infection und Intoxication in gleicher Weise an meinem lTersuchsmaterial -Ratten, Mäusen und Kaninchen -berücksichtigt und als Vertreter der einen Gruppe den Schweinerothlauf, als den der anderen den Tetanus gewählt. Ferner habe ich zur Immunisirung das Ricin benutzt, auf dessen weitgehendste Analogieen mit den bacteriellen Toxinen Ehrlich hingewiesen hat. Ich habe nun eine Maus in der von Ehrlich angegebenen Weise gegen Ricin immunisirt. Vier Wochen nach der Exstirpation der Mua wurden derselben kleinste Mengen Ricin (0,002 g wurden unter einen Kake verbacken) per os zugeführt und im Laufe von 14 Tagen auf 0,03 g gestiegen. Nach Ablauf dieser Zeit war schon Immunität vorhanden, derart, dass die Maus die subcutane Injection der doppelt tötlichen Dosis ohne jede Reaction vertrug, während ein Controlithier nach zwei Tagen an typischer Ricinvergiftung zugrunde ging. Dass ich parallel den entmilzten auch immer normale Thiere in gleicher Weise vorbehandelte und der Prüfung unterzog, bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung. Durch successiv gesteigerte Dosen wurde die Maus soweit gebracht, dass sie die 120 fach tötliche Dosis ebenso glatt und anstandslos vertrug, wie die normale Parallelmaus. Der Versuch wurde dann abgebrochen, nachdem im Prineip erwiesen war, dass die Milz ohne jeglichen Einfluss bei der Immunisirung von Mäusen gegen Ricin ist. Ich ging dann dazu über, gegen Tetanus zu immunisiren, und wählte dazu Mäuse, die bekanntlich gegen Tetanus viel empfindlicher sind als Kaninchen. Zur Immunisirung benutzte ich eine Methode, die Professor Ehrlich ausgearbeitet, aber noch nicht publicirt hat. Dieselbe ermöglicht es, in relativ kurzer Zeit und in sicherer Weise. Thiere gegen Tetanus zu schützen. Drei Mäuse wurden nun zwei Tage nach der Operation nach dieser Methode immunisirt. Ich ging dabei unter längeren Injeetionspausen sehr vorsichtig zu Werke und prüfte erst nach Verlauf von zehn Wochen mit der doppelt tödtlichen Dosis, die von den Mäusen ohne jede Erkrankung vertragen wurde, während die Controilmaus an typischem Tetanus zugrunde ging. Eine zweite Serie von zwei Mäusen, bei denen vier Tage nach der Entmilzung die active Immunisirung begonnen wurde, hatten schon nach zwölf Tagen eine solche Giftfestigkeit erlangt, dass ihnen anstandslos die doppelt tödtliche Dosis einverleibt werden konnte. Durch fortwährend gesteigerte Injectionen vertrugen die Mäuse nach drei Monaten die 5000fache tödtliche Menge. Gleiche Resultate wurden an Ratten erzielt. Um den Versuchsbedingungen Tizzoni's und Cattani's zu genügen, habe ich dann noch ein Kaninchen drei Tage nach der Operation gegen Tetanus zu iminunisiren begonnen. Ich schlug dabei wieder einen äusserst vorsichtigen Weg ein. Leider war ich gezwungen, am 19. Tage der Immunisirung, noch im Stadium der Vorbehandlung, dieselbe abzubrechen, da das Thier infolge eines durch einen Biss eutstündenen Abscesses an der rechten Gesichtsseite am Fressen verhindert war und einen mehrere Tage lang sich fortsetzenden Gewichtsverlust aufwies. Ich beschloss deshalb, das Kaninchen durch Heruntergeladen von: NYU. Urheberrechtlich geschützt.
doi:10.1055/s-0029-1205512 fatcat:7wpp4cawunezlokdd2wixnosti