Monographie der Gattung Saxifraga L., mit besonderer Berücksichtigung der geographischen Verhältnisse, von A. Engler. Mit einer lithographirten Karte [book]

Adolf Engler
1872 unpublished
2tubus verwachsen , bei Saxifraga aber der Tubus mit der Kapsel fast vollständig verwächst; allerdings ist der Tubus im Vergleich zu den Kelchabschnitten oft sehr klein. Von den nach dem allgemeinen Gebrauch zu Saxifraga gerechneten Formen sind es S. crassifoUa L. und Uir verwandte Formen , welche in den eben besprochenen Verhältnissen von allen Saxifragen mit deutlich ausgebildetem Tubus abweichen; denn bei diesen sind die Ovarien vollständig frei und nicht mit dem Tubus des Kelches
more » ... Kelches verwachsen, ein Umstand, der nebst andern Gründen mich schon früher') bewogen hat, die erwähnten Arten von den übrigen. Saxifragen zu trennen und im Genus Bergenia Moench zu vereinigen. Wie weit die Verwachsung des Kelches mit dem Ovarium geht, ist für die Begrenzung des Genus Saxifraga gleichgültig; ein Versuch, die bisher unter Saxifraga zusammengefassten Arten nach der Beschaffenheit des Kelches allein in verschiedene Gattungen oder auch nur Untergattungen zu vertheilen, würde nicht gelingen oder ein durchaus künstliches Product ergeben , da oft bei sonst nahe verwandten Arten in dieser Hinsicht Abweichungen stattfinden, ja bei einzelnen Arten sogar verschiedene Individuen mit mehr oder weniger verwachsenen Kelchblättern auftreten. Einen nicht unwichtigen Anhaltspunkt gewährt bei der Unterscheidung der Gattungen die Gestalt der Blumenblätter, auch das Fehlen derselben ist für einzelne Gattungen characteristisch; keineswegs aber Grund genug, Arten, welche durch eine Summe von andern Merkmalen mit einander verbunden sind, generisch zu trennen; finden sich doch auch manche Arten mit Blumenblättern und ohne solche. Von ziemlicher Constanz ist die Zahl der Stamina, von denen bei einer grossen Anzahl Gattungen stets nur der Kreis der den Kelchblättern opponirten Staubblätter zur Entwicklung kommt. Da letzterer Fall aber auch bei Arten (Sax. Richardsonii Hook.) eintritt, deren nächstverwandte (S. Jamesiana Torr.) beide Kreise von Staubblättern entwickeln , so wäre eine hierauf allein basirte Aufstellung einer Gattung ungerechtfertigt; jedoch sind einige Gattungen von den übrigen hinlänglich dadurch unterschieden, dass mehr als 10 Staubblätter vorhanden sind. Während bei einer einzigen Gattung (Leptarrhena R. Br.) einfächerige Antheren vorkommen, sind dieselben bei allen anderen Gattungen zweifächerig. Soweit meine Beobachtungen '^) reichen, ist viel Gewicht darauf zu legen , ob sich die Staubblätter vor Entfaltung der Narbe öffnen oder umgekehrt, d. h. ob die Pflanzen protandrisch ») BotZwiebelknospen statt, welche zunächst nur aus 2 bis 3 sehr kleinen, fleischigen, stärkehaltigen, chlorophylllosen Schuppenblätteru bestehen. 3. S. rotundifolia L. Die hypocotyle Axe ist kurz, etwa 0,005 M. lang, die eiförmigen Cotyledonen sind anfangs von einem halb so langen Blattstiel getragen, welcher aber später bei weiterer Entwicklung die Cotyledonen an Länge tibertriff't. Der deutlich sichtbare Hauptnerv der Cotyledonen" entsendet am Grunde der Spreite zwei Nebennerven, welche am Rande derselben entlang laufen. Unmittelbar unter den Cotyledonarblättern bilden sich kleine Würzelchen, welche bald stärker werden als die Hauptwurzel mit ihren Nebenwurzelu. Die ersten beiden Laubblätter sind rundlich, mit flacher herzförmiger Basis, ganzrandig und zerstreut behaart, mit einem der Spreite gleich langen Blattstiel versehen, das dritte länger gestielte ist schon dreilappig mit nach innen geschlagenen Lappen. Bei weiterer Entwicklung treten auch an den ersten Blättern Ausbuchtungen hervor, zwischfen denen sich immer wieder neue einschieben; so wird aus dem zuerst ganzrandigen Blatt ein dreilappiges, dann ein fünf-, sieben-und neunlappiges. Zugleich findet eine bedeutende Verlängerung der Blattstiele statt. 4. S. nivalis L. Die hypocotyle Axe ist sehr kurz, wie bei S. Aizoon Jacq., die Cotyledonen länglich verkehrt eiförmig, dunkelgrün, die darauffolgenden Laubblätter sind spathelförmig , allmählich in den kurzen Blattstiel verschmälert, erst am vierten oder fünften treten jederseits ein bis zwei Zähne hervor. Alle sind am Rande und auf der Oberfläche mit zarten Köpfchenhaaren versehen. Ein Exemplar zeigte drei Cotyledonen, welche gleichmässig ausgebildet waren und von denen je zwei um 120" divergirten. 5. S. stellaris L. Das Hauptwürzelchen entwickelt sehr lange Nebenwürzelchen ; die hypocotyle Axe ist 0,003 -0,004 M. laug; die fleischigen Cotyledonen sind elliptisch -stumpf, mit einem sehr kurzen Blattstiel versehen ; die darauf folgenden Blätter sind ebenfalls elliptisch, ganzrandig und kurzgestielt, 6. S. decipiens Ehrli. Der Wurzelhals ist fast 0,005 M. lang, die Cotyledonen eiförmig, spitz, in einen kürzern Blattstiel spathelförmig verlaufend. Die hypercotyle Axe ist von zarten, einzelligen mit einem Köpfchen versehenen Haaren dicht bedeckt. Die ersten Laubblätter sind eiförmig, am Grunde spathelförmig in einen der Spreite an Länge gleichkommenden oder sie übertreff'enden Blattstiel verlaufend, am Rande gewimpert. ' Erst am sechsten oder siebenten Blatt zeigen sich seitliche Abschnitte , in den meisten Fällen aber nur auf einer Seite, indem nur der eine der Seitennerven sich theilt; erst au den folgenden Blättern bilden sich auf beiden Seiten Abschnitte aus, welche an den obern Blättern wiederum seitliche Abschnitte entwickeln, so dass schliesslich die bandförmig getheilten Blätter entstehen , welche wir bei einer so grossen Anzahl von Saxifragen anzutreffen gewohnt sind. 7. /S. aizoides L. Die Keimblätter sind oval, fleischig und mit einem ebenso langen Blattstiel versehen : die untersten Laubblätter sind nach der f -Stellung angeordnet, länglich, gewimpert und an der Spitze mit einem seichten Grübchen versehen. Die Exemplare gingen bald zu Grunde. 8. 8. tenella Wulf. Würzelchen anfangs einfach, später längere Nebenwurzeln entwickelnd, hypocotyle Axe 0,004 -0,005 M. lang; Keimblätter fleischig, eiförmig-länglich, stumpf, mit einem sehr kurzen Blattstiel versehen. Die ersten Blättchen sind eilanzettlich und mit einer feinen Stachelspitze versehen. 9. 8. Aizoon Jacq. Der Wurzelhals war sehr kurz, die Cotyledonen rundlich, verkehrt eiförmig, fast eirund, dick fleischig, in der Mitte mit einer seichten Furche versehen und an der Spitze mit einem Grübchen, Zwiebelknospen. Auch Arten anderer Gruppen, z. B. S. stellaris var., S. foliolosa RBr., S. Clusii Gouan var. propaginea Lang, tragen in den Axeln der Stengelblätter Sprosse, welche längere Zeit im Knospenzustande bleiben und sich in eigenthümlicher Weise umbilden. Diese Knospen bestehen bei ersterer Pflanze aus mehreren länglich verkehrteiförmigen, chlorophyllhaltigen, laubblattartigen ßlättchen, welche dickere, fast chlorophylllose Blättchen einschliessen. Während das Auftreten von solchen Knospen bei der S. stellaris L. von Grönland und vom nördlichen Lappland fast normal ist und nur in selteneren Fällen die Knospen sich entwickeln, sind bei den alpinen Formen derselben Art solche Bildungen seltener anzutreffen. An sehr feuchten Standorten in den Alpen findet man bisweilen solche Formen, bei denen sich dann die Knospen ohne Streckung ihrer Axe zu Laubblattrosetten entwickeln, die den grundständigen sehr ähnlich sind und nur durch -32 -S. Cordillerarura Presl. an, an den polymorphen Typus S. moschata Wulf, der polymorphe Typus S. exarata Vill., vielleicht auch S. mixta Lap. Hier halte ich es nun aus praktischen Rücksichten für durchaus geboten, eine, wenn auch noch so schwache, Grenzlinie zu ziehen, namentlich dann, wenn die Form, welche noch mit in den benachbarten Formenkreis eingeschlossen werden könnte, durch ein Merkmal ausgezeichnet ist, welches zwar nur eine graduelle Steigerung eines jenem Formenkreise zukommenden Merkmales ist, aber zugleich einer Anzahl anderer wohlunterschiedener Formen zukommt, die mit jenem Formenkreise wenig gemein haben. Aus diesem Grunde habe ich S. hypnoides L. nicht zu dem polymorphen Typus der S. decipiens Ehrh. gezogen, obwohl sich schon bei der brittischen var. S. quinquefida Haw. ähnliche Ruheknospen in den Axeln der Blätter vorfinden, wie sie bei S. hypnoides L. nur noch in höherem Grade ausgebildet sind; denn S. hypnoides L. stimmt in dieser Beziehung zu sehr mit S. globulifera Desf., S. conifera DR, und andern tiberein, welche von allen Formen der S. decipiens Ehrh. bedeutend abweichen und dazu noch mit S. hypnoides L. einem eng begrenzten Gebiet, dem westlichen Mittelmeergebiet, allein angehören. Diese Beispiele werden neben den bei den einzelnen Arten gegebenen Bemerkungen genügen, um die von mir vorgenommenen Begrenzungen zu erklären, wenn auch nicht Jedem^um sie zu rechtfertigen. Oestreich: auf dem hohen Priel. -Jul., Aug. Diese Art bildet sehr dichte, sphärische Rasen von \ Quadratfuss mit 0,03 bis 0,05 M. langen sänlenfönnigcn Stämiuchen, welche niiterwärts mit den liellbrannen, an der Spitze aschgrauen, abgestorbenen und dann dünnen Blättern bedeckt sind, während sie oberwärts frisch grüne, am Grunde röthlichc, ziendich fleischige Blätter tragen. Dieselben sind 0,005-0,007 M. lang und 0,001 M. breit. Die zahlreichen Blüthenstengel , welche sich über den Rasen erheben, sind 0,02 bis 0,05 M. lang, meist armblüthlg und traubia;, seltener melu'blürhig und rispig. Diê 13* iiniflori, glanduloso-puberuli. Calycis liemispjiaerici sepala erecta, glaberrima, coriacea. Petala oblonga, coriacea, sepalis aequilonga. Capsula stylis brevibus divaricatis coronata. Hab. Asien: in der alpinen Region des westlichen Hiraalaya: Knmaon (Royle) od Barji-Kang um 4500 M. (Strachey und Winterbottom). Von allen Arten die kleinste, dicht rasig mit mir 0,00.7 -0,01 M. langen Stämmchen und Stensjeln und mit etwa 0.003 M. langen Blättern.
doi:10.5962/bhl.title.15612 fatcat:iq4l2sz3dzdf5oiixf6yiq7ylu