6. Raum [chapter]

Bernhard Hachleitner, Matthias Marschik, Sema Colpan, Georg Spitaler, Alexander Juraske, Georg Spitaler, Bernhard Hachleitner, Matthias Marschik
2018 Sportfunktionäre und jüdische Differenz  
Wie im vorangegangenen Kapitel ausgeführt, erweist sich in der Populärkultur des Wiener Sports der Zwischenkriegszeit der Begriff des Raumes als zentrale Kategorie. Das gilt für konkrete Bezirke ebenso wie für die Differenzierung in eine sportspezifische kulturelle Topografie: Wiener Fußballklubs, ihre Anhän-gerInnen und ihre Funktionäre waren bis in die 1960er-Jahre stark lokal verankert, und zwar mehr als in anderen europäischen Großstädten, zumal der nationale Spitzenfußball sich tatsächlich
more » ... ll sich tatsächlich auf diese eine Stadt beschränkte. Daher gestaltete sich die Situation in Wien komplexer als in anderen Metropolen, wo meist zwei große Klubs, die sich antagonistisch gegenüberstehen, das Bild prägten. 1 Reale wie konstruierte topografische Differenzen bestimmten die fußballerischen Rivalitäten der Stadt. Populäre Erzählungen über den Wiener Fußball der Zwischenkriegszeit sind bis heute stark geprägt von der Dichotomie zwischen stark lokal verankerten Vorstadtvereinen und den Cityklubs, die auch als eine Dichotomie zwischen nichtjüdisch und jüdisch verstanden wurde. 2 Anhand der topografischen wie metaphorischen Verortungen wichtiger Wiener Fußballvereine soll im Folgenden untersucht werden, inwieweit diese Zuschreibungen tatsächlich mit der Beteiligung jüdischer Akteure in Verbindung standen. Im Zentrum unserer Betrachtung stehen die Floridsdorfer Klubs Floridsdorfer Athletiksport-Club (FAC) und SC Admira, der Sportklub Rapid aus dem Westen Wiens sowie der 1. Simmeringer Sportclub aus dem südöstlichen Industriebezirk Simmering. Auf der anderen Seite behandeln wir den FK Austria als prototypischen City-und Kaffeehausklub und -mit etwas anderer Aufladung -die Hakoah. 3
doi:10.1515/9783110553314-006 fatcat:sy6pfvhdxbdsplcwdh4mgjgjbm