Ueber Prothaemin

Paul Korb
1912 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Das neue, von Geheimrat Salkowski (Berlin) zuerst zur Darstellung gebrachte BIuteiweißpräparat, unter dem Namen Prothaemin eingeführt, ist ein trockenes Pulver, staubfein, sohokoladenbraun, frei von Eigengeschmack und -Geruch. Für seine Stellung unter den Nährpräparaten ist von Wichtigkeit, daß es einmal die gesamten Eiweißkörper des Blutes und ferner, was ganz besonders hervorgehoben werden muß, seinen gesamten Gehalt an Eisen, sowie reichliche Quantitäten' organisch gebundenen Phosphors
more » ... nen Phosphors enthält. Der Eisengehalt des Prothaemin beträgt etwa 0,2 %, ist also fünfmal so hoch wie der Eisengehalt frischen Blutes. Da gemäß der Darstellung fünf Teile Blut einen Teil Prothaemin ergeben, ist die Stärke des Prothaemins dem Fünffachen der bekannten vielen ilämatogenpräparate entsprechend. Die Resorbierbarkeit des Prothaemin ist eine außerordentlich rasche, wovon sich jeder Arzt in wenigen Minuten überzeugen kann, urn ev. das Präparat in seiner Güte nachzuprüfen: Bringt man 100 cern lauwarmen Wassers in ein Glasstöpseiglas, setzt 1 cern konzentrierter Salzsäure, dann 2 bs 3 g Prothaemin!und nach kräftigem Durchschütteln etwa 2 g gut 'irksamen Pepsins [hinzu, so tritt durch Erwärmen im Wasserbade nach etwa 3/4 Stunden vollkommene Lösung zu einer braunen Flüssigkeit ein. Diese überaus rasche Reaktion ist nach meinem Dafürhalten ausschlaggebend für den Wert des Präparates. S alkow ski beabsichtigte ursprünglich, ein Volksnahrungsmittel aus Blut zu schaffen, von dem Wunsche ausgehend, die Nahrung der unteren Volksschichten durch ein geeignetes Eiweißmaterial aufzubessern, da er überzeugt war, daß die Leistungsfähigkeit des Menschen in jeder Hinsieht, sowohl in physischer wie psychischer Beziehung, leidet, sobald das Eiweißquantum seiner Nahrung unter ein bestimmtes Maß heruntergeht. So hoffte er in erster Linie ev. die ganz enormen Mengen von Fleischrückständen, wie sie bei der Herstellung des Fleischextraktes abfallen, zu Ernährungszwecken verwenden zu können oder das bisher in riesigen Mengen nicht verwendete Blut der Schlachttiere seinen Zwecken dienstbar zu machen. Allen diesen Versuchen stellten sich jedoch leider unüberwindbare technische Schwierigkeiten entgegen. Dagegen gelang es ihm schließlich, eine gewisse Wohifeilheit bei dem äußerst gut geratenen Präparate zu erzielen und es dadurch auch breiteren Schichten der Bevölkerung zugänglich zu machen. Das Protliaemin enthält etwas völlig Neues insofern, als es zum ersten Male gelungen ist, die wirksamen Bestandteile des Blutes in einem einheitlich dargestellten Körper ohne k.onservierende Zusätze zu erhalten; und so bedeutet, da seit Jahren die therapeutischen Bestre-65 Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.
doi:10.1055/s-0029-1189370 fatcat:jtnxlmytojefxgoeajyb2p6igi