Rezensionen

1912 Archiv für Geschichte der Philosophie  
Rezensionen. Prof. Dr. Ernst Goldbeck, Die geozentrische Lehre des Aristoteles und ihre Auflösung. Berlin. Weidmannsche Buchhandlung 1911. (27 Seiten). Es ist in unseren Tagen keine neue Erscheinung mehr> daß Forscher auf dem Gebiete der Geschichte der Philosophie zur Erklärung philosophischer Lehren religiöse Anschauungen heranziehen. Besonders in die frühesten, primitivsten Lehren der griechischen Naturphilosophie hat diese Methode manchen Lichtstrahl geworfen. Neu und interessant ist der
more » ... ressant ist der Versuch Ernst Goldbecks auch im Philosophieren des Aristoteles solche primäre, im Innern des Denkers wirksame, religiöse Antriebe nachzuweisen. Er zeigt das an der Hand der Schrift des Aristoteles "De coelo." Das Weltbild gestaltet sich nach Aristoteles folgendermaßen: Es gibt eine einzige, kugelförmige, alles umfassende Welt. Außer ihr gibt es nichts, keinen Stoff, keinen Raum, keine Zeit. Es sind in ihr einerseits die äußere Schale des Fixsternhimmels und die sich ihr kontinuierlich anschließenden schalenförmigen Sphären der Planeten und andrerseits der Innenraum zu unterscheiden. Der Stoff der äußeren Schalen ist ein göttlicher, von dem innen befindlichen irdischen Stoff verschiedener. Genau im Zentrum der Welt befindet sich die Erde. Bewegen sich die Himmelskörper auf ihren Sphären ihrer Natur nach in Kreisen um den Weltmittelpunkt herum, so bewegen sich die irdischen Elemente in geraden Linien entweder zum Weltmittelpunkt hin \vie Erde und Wasser, oder zum Fixsternhiminel hin wie Luft und Feuer. . % Diese Lehre mutet uns heute wie ein Kinderglaube an. Ein Kinderglaube ist es auch, von dem Aristoteles ausgeht und den er bemüht ist zur wissenschaftlichen Überzeugung zu verstärken. Schon zu seiner Zeit war es nicht mehr möglich die geozentrische Lehre naiv-dogmatisch hinzustellen. Es gab schon damals Lehren, die vom geozentrischen Standpunkt abwichen. Das Buch "De coelo" ist ein Ergebnis des Kampfes gegen andere Anschauungen, die Aristoteles nun einmal nicht gelten lassen wollte. Die Frage, warum Aristoteles sich für die geozentrische Anlage des Weltbildes entschieden hat, beantwortet der Verfasser dahin, daß Aristoteles von innersten, nicht weiter ableitbaren Antrieben geleitet, sich auf diesen Punkt gestellt habe, um von ihm aus, soweit möglich, die Welt zu begreifen. Seine Eigenart als Denker und die Gegenwart seiner wissenschaftlichen Gegner nötigten ihn dann, die Lehre rationell fest zu begründen. Aber gerade diese Brought to you by | Thueringer Universitaets-und Landesbibliothek Jena Authenticated Download Date | 5/22/15 8:55 PM
doi:10.1515/agph.1912.25.4.483 fatcat:kf4jknvk5zgenob3fechqdbvhy