Isolierte Luxationsfraktur des Talus nach Granatkontusion

A. Hart
1915 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Dirigierender Arzt an der Chirurgischen Abteilung. Der isolierte Verrenkungsbruch des Sprungbeins gehört auch bei Anwendung der Röntgendiagnostik zu den seltensten ') B. ki. W. 1906 24. -D, M. W. 1906 5. -Kl. Jb. Bd. 15 1906, Literatur siehe Im übrigen bei K ut s che r im 1-tandbuch der pathogenen Mikroorganismen von Kotle upd Wassermann, 1489 Bruehformeii. Allerdings Iiegt in Praxi die Verwechselung mit klinisch ähnlichen Brücheni benachbarter Knochen Knöchel und Fersenbein -sehr ixalie, um so
more » ... -sehr ixalie, um so mehr, als alle diese gollannten Verletzungen uineist eiTlem gleichartigen Trauma ihre Entstehung verdanken. Die Mitteilung meines Falles von Luxationsfraktur des Talus nach hinten wird veranlaßt durch die Besonderheiten der Aetiologie. des klinischen Verlaufes und des funktionellen Endresultates, I)er Grenadier J. S. befand sich am 16. Juni 1915 in liockender Stellung ini 15nterstand, als in diesen eine Granate einschhig. Außer einer unbedeutenden Abschiirfung an der linken Wange trug er keine sichtbare isußerliclie Verletzung davon. Er kroch auf allen Vieren durch (len Verbindungsgrahen nach rückwärts und klagte bei der Aufnahnje im Feldlazarett über starke Schmerzen und Schwellung bvider Fußgelenke. Laut Krankenbericht des Lazaretts wurde links eine Fractura bimalleolaris, rechts eine Fractura malleolaris interna diagnostiziert. Therapie: Gipsverband beider Unterschenkel. Am 18. Juni heftigere Schmerzen im linken Sprunggelcnk. Deshalb Abnahme des linken Gipsverbandes, der wegen Druekstelle an der Außenseite des linken Fußes locker erneuert wird. Trotzdem anhaltende Beschwerden im linken Fußgelenk, die wiederum die Entfernung des Gipsverbandes nötig machten. Schwellung unver5.ndert. Am '26. Juni zum dritten Male Gipsverband des linken Beines zwecks Abtransportes in die eithat. Die Aufnahme in unser Lazarett erfolgte am 6. Juli d. J. Status Da keine Beschwerden mehr vorhanden waren, wurden die Gipsverbiindo mit Rücksicht auf den Feldlazarettberieht bi zum '24. Juli belassm. Nach deren Abnahme ans 24. Juli findet sich rechts ein in guter Stellung fest verheilter innerer Knöehelbrueh ; links dagegen fkllt eine starke Verbreiterung der Fußgelenksgegend auf. Die Nische zwischen innerem Knöchel und der Achillessehne ist durch eine kughige Vorwölbung ausgefüllt, die sich bei der Betastung als harter Körper Knochen -anfühlt. Dic Haut über dieser Prominenz ist stark gespalint. Die I%falleolen stehen tiefer, Abstand der Knöcheispitzen von dem Sohlenrand links 3,5, rechts 4,5. Das linke Fußgewölbe ist abgeflacht; der linke Fuß steht in leichter Abduktionsstellung, Streek-und Beugebewegungen im linken oberen Sprunggelenk in nur geringem Maße und unter Schmerzen ausführbar. Die Diagnose einer Luxation des Tains wurde durch die Röntgenaufnahme bestätigt und in den anatomischeu Einzelheiten (vgl. Fig. 1) folgendermaßen ergänzt: Querbruch cies linken Sprungbcines im Bereich des Halses mit Luxation des abgesprengten Taluskörpers nach hinters. Dieser ist urn seine Querachse ini Winkel von etwa '40° so nach oben gedreht, daß dic Trochlea nach hinten gerichtet und die Bruch. fläche der hinteren Tibiaseite gegenüberliegt. (japut und Colluns tali sind in normaler Gclenkverbindung mit dem Kahnbein und den Unterschen kelknochen verblieben. Am 1. August Operation in Aethernarkose: Bogenörmiger Schnitt hinter dem linken Malleolus internus, nach vorn auf desi Fußrücken auslaufend. Nach Durchsehneidung des Ligamentum laciniatum wird das Sehnen-Get äß.Nervenbündel nach oben geschoben, wobei man auf eine entzündlich schwartige Hülle gerät, die breit eröffnet wird. Es tritt der luxierte Taluskörper frei zutage, der aus seinen Gelenkkapselverbindungen völlig herausgesprengt ist und dessen Bruchfläche mit der hinteren Tibiaseito fest verwachsen ist. Der hintere Gelenkspalt des Sprunggehmkes ist fest verschlossen. Mit Rücksicht auf die seit dem Tage der Verletzung verstriehene Zeitdauerfast sieben Wochen -wird von der blutigen Reposition Abstand genommen und das dislozierte Fragment nach Durchtrennung der kahlösen Adhäsionen mit dem scharfen Elevatorium entfernt. Naht des Ligamentum laciniatum und der Weichteile. Fixation des Fußes in Dorsalextensionsstellung. Die Wunde heilte reaktionsios. Die durch die partielle Talusresektion eingetretene Verkürzung des linken Beines una 1 cm wurde durch einen Stiefel mit entsprechend erhöhter Sohle ausgeglicheu; zur Verhütung einer Plattfußstehlung wurde der Innenrand des Schuhes durch eine Korkeinlage verstärkt. Nach 14 Tagen begann die mediko-mechanische Nachbehandlung in unserem Orthopiidisohen Institut (Oberarzt Dr. Fried mann), die vor allem der Behebung der durch die lange Irnnsobilisation erzeugten Muskelatrophie des Unterschenkels galt. Jetzt nach drei Monaten ist ein gutes f unktioneues Resultat erzielt. Patient geht ohne Stock umher, eilmtliche Bewegungen werden im reaktionelosen Fußgelenk nîüheloa auagefiihrt. Die in der Folgezeit nach der Operation öfters geklagten Beachwerdn Fig. I. 9. Dezember 1915. DEUTSCHE MEDIZINIScHE WOOEIENSOHRTh'T. Heruntergeladen von: NYU. Urheberrechtlich geschützt.
doi:10.1055/s-0029-1192318 fatcat:muan2zx3abharl6jam3ewh7hfm