XIV. Lieber einige stellen in Cicero's Laelius

C. E. Putsche
1857 Philologus (Berlin)  
Ego autem a palre ita er am deductus ad Scaevolam sumpta virili toga, ut, quoad possem et liceret, a senis latere nunquam discederem, kann ich die erklärung der partikel ita wie sie C. W. Nauck giebt: "in der weise, zu dem zwecke: V, 19: Ha natos esse nos, nicht billigen. Denn obgleich dieselbe erklärung auch von dem um den Laelius so hochverdienten Seyffert gegeben worden ist ("in der absieht, zu dem zwecke, mit der b es t i in m u ng"), so scheint doch die auffassung des ita in finalem sinne
more » ... a in finalem sinne schon deswegen unstatthaft, weil sonst Cicero wohl nicht ut a senis latere nunquam discederem, sondern ne a senis latere unquam discederem gesagt haben würde. Daher scheint mir ita ut nicht final, sondern vielmehr consecutiv gefasst werden zu müssen in dem sinne von: ich war so ganz dem Scävola übergeben worden, dass ich dem greise nie von der seite wich, eine auffassung, welche auch dadurch unterstützt wird, dass Cicero's vater bei der übergäbe seines sohnes an den Scävola gewiss nicht sowohl dessen beständiges Zusammensein mit Scävola , sondern den höhern zweck seiner ausbildung vor äuge» hatte, so dass das beständige Zusammensein Cicero's mit Scävola nur eine im vorliegengen falle allerdings wichtige folge seines contubernium, nicht aber dessen blosser und höchster zweck war. üben so scheint sich Nauck in der erklärung der anfangs, worte des §. 2: cum saepe multa, tum memini, domi in hemicyclio sedentem ut solebat, cum et ego essem una et pauci admudum familiäres in eum sermonem illum incidere, qui tum fere omnibus erat in ore, durch Seyffert haben bestimmen zu lassen, nur dass er Brought to you by | INSEAD Authenticated Download Date | 9/20/18 12:02 AM TJeber einige stellen in Cicero's Laelius. nocli weniger passend statt dicere oder narrare, wie Seyffert, zu multa dem Cicero colloqui vorschweben lässt, wenn er sagt: "Cicero bat ein transitivum wie colloqui iin sinne, vertauschte es aber, uin das zufällige hervorzuheben, mit dem intransitiven in sermonem incidere, eine anakoluthie , wie sie dem gesprächstone natürlich ist". Die gründe, welche Seyffert für diese, wie er zugiebt, "härtere ellipse" anführt, scheinen mir nicht stichhaltig. Der erste ist: sollte multa object zu memini sein, so erwartete man: cum multa saepe, tum hoc memini", wobei er von der unerwiesenen Voraussetzung auszugehen scheint, dass saepe zu multa gehört, was er weiter unten ausdrücklich bemerkt: "saepe multa sc. dicere ist nicht zu übersetzen: dass er oft viel sprach, sondern multa bezieht sich auf die Vielheit der einzelnen fälle, in denen er sprach und hat saepe zur näheren erklärung bei sich. Die Griechen sagen nolla nolhimg". Dieser erklärung lässt sich aber mit mehr recht gerade das entgegenstellen , was Seyffert gegen die auffassung des multa als object von memini einwendet. Denn wenn multa zur näheren erklärung saepe bei sich haben sollte, so inüsste dieses eben nachstehn und wie im griechischen nolXa nollcixii, nicht no).Xaxig noX\cc, so lateinisch multa saepe, nicht saepe multa gesagt sein. Saepe also ist nicht mit multa, sondern mit memini zu verbinden und eben deshalb, weil es dem multa memini und dem hoc memini gemeinschaftlich ist, ganz richtig vorangesellt. Eben so wenig überzeugt mich der zweite grund: "Cicero konnte nicht so allgemein sprechen : ich erinnere mich theils an vieles andere , theils daran, dass er auf ein gespräcb verfiel; sondern er musste die bestimmteste beziehung auf die gespräche des Scävola nehmen, von denen die einleitung ja ausgegangen war". Eben aber, weil multa ab eo prudenter dispulata, multa etiam breviter et commode dicta memoriae mandabam nur wenige zeilen vorausgeht, bedurfte es gewiss zu multa keiner näheren bestimmung, um multa als äusserungen des Scävola zu bezeichnen. Daher scheint mir die stelle viel einfacher und natürlicher so gefasst werden zu müssen: wie ich mich oft an vieles erinnere (was ich mir damals von Scävola eingeprägt habe), so erinnere ich mich ganz besonders oft, dass er etc. Eben so maassgebend scheint Seyfferts auetorität für Nauck in der auffassung von admodum in demselben paragraphen ge-Brought to you by | INSEAD Authenticated Download Date | 9/20/18 12:02 AM Ueher einige stellen in Cicero's L&elins. gedanke des gegensatzes hinzu . . z. b. non alios, sed se ipse (mit eigner liand) interfecit". Und allerdings scheint der grund dieser heiin ersten blicke befremdüolicn nominativeonstruetion immer ein solcher doppelter, wenn auch meist nur zu ergänzender gegensatz zu sein. Vgl. Putsche grössere lat. gram, matik §. 271 zusatz 2. Nur möchte ich diesen auch hier nur angedeuteten zweiten gegensatz nicht mit Seyffert durch ohne mein zuthun, ohne dass ich dich besonders darauf aufmerksam zu machen brauche ergänzen, sondern vielmehr durch: wie ich dich darin erkenne und unter dem weisen Lälius gemeint habe, eine Schmeichelei, welche zu grob wäre, wenn sie eben nicht blos angedeutet würde. Abweichend dagegen von Seyffert erklärt Nauck §. 8 : Rede tu quidem, Scaecola, et vere, indem er bemerkt: "das pronomen ist mit untergeordneter geltling eingeschoben und quidem dein sinne nach nicht mit diesem (tu quidem recte!), sondern mit rede zu verbinden: ganz recht und wahr, mein Scävola", während Seyffert ausdrücklich sagt: "dem tu quidem steht §.9: tu autem, Fanni, entgegen", offenbar also quidem mit tu, nicht mit rede verbindet, gewiss mit vollem recht. Deun die Stellung tu quidem rede, welche in diesem falle Nauck als die erforderliche bezeichnet, würde nur dann nothwendig sein, wenn auf tu der hauptnachdruck liegen sollte, während dagegen, wenn quidem mit rede verbunden werden sollte, die Stellung rede quidem tu erforderlich wäre. Dass das pronomen hier nur mit "untergeordneter bedeutung eingeschoben" sei, scheint Nauck blos deswegen anzunehmen,weil ihm der grund entgangen zu sein scheint, der den schriftsteiler bestimmt hat es durch quidem besonders hervorzuheben und dadurch den Scävola besonders aus zuzeichnen. Diesen grund aber finde ich darin, dass Scävola dein Lälius viel mehr nach sinne gesprochen und die neugierigen fragen nach dem gründe des wegbleibens des Lälius von der letzten augurenzusammenkunft ganz entschieden dahin beantwortet hatte, dass dieser grund lediglich in seinem Unwohlsein, nicht in seiner betrübniss gelegen habe, während Fannius selbst au der würdigen fassung des Lälius zu zweifeln scheint, indem er ihn aufmerk sani gemacht hat, dass aller äugen auf ihn gerichtet seien: sed existimare debes omnium oculos in te esse COfiiedos unum. Dieses gute zutrauen des Scävola rechtfertigt Brought to you by | INSEAD Authenticated Download Date | 9/20/18 12:02 AM le]»er einige stellen in Cicero's r.aelius lieber einige stellen in Cieero's Laeliu9. 290 len verdient ganz besonders mit unserer stelle eine ganz ähnliche in Cieero's Cato maior verglichen zu werden, welche freilich ebenfalls aus verkennung-dieser anacoluthie von den meisten bisher inisver §tanden worden ist. Nachdem nämlich Cato erwähnt hat, dass viele vieles noch in ihrem späten alter lernen, fährt er c. 8 2ti folgendermassen fort: Quod quum fecisse Socratem in fidibus audirem , Vellern equidem etiam illud fdiscebanl enirn fidibus antiqui) sed in litteris certe elaboravi. Auch Nauck, welcher die Übersetzung an die band giebt: ja, als ich hörte, . . so hätte ich allerdings auch das gewünscht, verrätli durch das wörtchen so, dass er vellem equidem etiam illud für den nachsatz von quod quum . . audirem hält, wie es wohl auch Madvig, Tischer und Sommerbrodt gethan haben, da sie blos die worte discebant enim fidibus antiqui in klammern einschliessen. Meines erachtens dagegen gehören auch schon die worte vellem equidem etiam illud zur parenthese, so dass der sinn ist: da ich hörte, dass Socrates dies mit dem citherspiel so gemacht habe, so habe ich -obwohl ich auch dies gethan zu haben wünschte; denn die alten lernten das citherspiel -doch wenigstens in der griechischen litteratur noch mein möglichstes gethan. So wie dort sed certe den eigentlich blos zu quod quum . . audirem gehörigen nachsatz auch an die parenthese anknüpfen, so auch in unserer stelle, welche ich demnach so interpungiren und übersetzen möchte: Ego si Scipionis desiderio me moveri negem, -quam id recte faciam, viderint sapientes! sed certe --mentiar: ich inüsste lügen, wenn ich läugnen wollte, dass ich durch die sehnsucht nach Scipio (schmerzlich) bewegt werde. Wie recht ich daran tliue (schmerzlich bewegt zu werden), das mögen die weisen entscheiden (d. h. meinetwegen bekritteln)! aber es ist nun einmal so. Ganz ähnlich, wie an unsern beiden stellen sed, ist bei Sallust ebenfalls in beziehung auf die in der langen parenthese erwähnten Schwierigkeiten tarnen gebraucht, lug. c. 90: igitur consul, omnibus exploratis, credo dis fretus: nam contra tantas difficultates consilio satis providere nun poterat\ . . • tarnen pro rei copia satis providenter exornat. Kndlich möchte ich noch, um auch in kritischer hinsieht einen kleinen beitrag zu liefern, die unmittelbar folgende stelle zur spräche bringen, wo Cicero §. 13 fortfährt: Plus apud me Brought to you by | INSEAD Authenticated Download Date | 9/20/18 12:02 AM Plinius an unserer stelle den Aristoteles irrig aufgefasst oder nachlässig ausgeschrieben habe, demselben entschieden unrecht und lässt ihn entgelten, was seine abschreiber verbrochen haben. Denn dass diese nur an der jetzigen verderbten gestalt der stelle schuld haben, geht daraus hervor, dass zweifelsohne zu schrei ben ist: cicadae non nascuntur in raritate arhoruin -idcirco non sunt Cyrenis nisi circa oppidum --nec in campis nec in frigidis aut umbrosis nemoribus. Mainz. J. Schienger.
doi:10.1524/phil.1857.12.14.293 fatcat:3cqx4h4cnje4thxyp2gs7syr7e